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Klinikum Fürth: Stimmungsdämpfer trotz Rekordgewinn

Besorgnis im Krankenhaus trotz hervorragender Zahlen — Patientenansturm hält an - 11.11.2014 21:00 Uhr

Ende der 80er und Anfang der 90er wurde das Hauptgebäude des Klinikums generalsaniert. In den kommenden Jahren muss erneut viel Geld für Renovierungsarbeiten ausgegeben werden. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Rathauschef Thomas Jung fasst es so zusammen: „Die Zahlen sind besser als die Lage.“ Bereits 2012 jubelten die Verantwortlichen im Fürther Krankenhaus über einen Rekordgewinn von 1,7 Millionen Euro. In der nun vorgelegten Bilanz für 2013 steht sogar ein Plus von 1,8 Millionen Euro. Jubeln will allerdings niemand mehr.

Der Überschuss im vergangenen Jahr beruhe hauptsächlich auf Einmaleffekten, begründet Jung die verhaltene Freude. Ihm zufolge hat das in erster Linie mit der neuen Urologie zu tun, die im Frühjahr 2013 am Ort der alten Frauenklinik eingeweiht worden ist. Ursprünglich als Umbau geplant, wuchs sich die Maßnahme derart aus, dass sie sogar als Neubau deklariert werden konnte. Die Folge: Kosten in Millionenhöhe schlugen nicht sofort in der Bilanz auf, sondern können über 25 Jahre abgeschrieben werden.

Beklagen über das Geschäftsjahr 2013 wollen sich natürlich weder der Oberbürgermeister noch Klinikleiter Peter Krappmann. Neben dem Neubau der Urologie war die Einweihung der Zentralen Notaufnahme ein Höhepunkt. Krappmann ist heilfroh, die ZNA zu haben: „Die Zahl der ambulanten Patienten ist in nur einem Jahr von 48 000 auf 53 000 gestiegen“, sagt er, „das hätten wir im alten System gar nicht bewältigen können.“

Auch bei den stationären Behandlungen mit 37 760 Patienten hat das Krankenhaus zugelegt (2012: 36 682). Fast die Hälfte stammte aus Fürth, ein Drittel aus dem Landkreis, knapp acht Prozent kamen aus Nürnberg. Peter Krappmann führt diese Zahlen auch auf eine Leistungsausweitung am Krankenhaus zurück, etwa in der Neurologie oder der Akutgeriatrie.

Für das laufende Jahr hoffen Krappmann und Jung ebenfalls noch auf schwarze Zahlen. 2015 hingegen werde es „kritisch“. Mitverantwortlich dafür sei der Gesetzgeber. Aufgrund einer immer älter werdenden Gesellschaft steigen nicht nur die Patientenzahlen an, die Fälle würden auch immer komplizierter. „Das spiegelt sich aber nicht in der Krankenhausfinanzierung wider“, sagt Thomas Jung. Über die Hälfte der kommunalen Häuser in Deutschland schreibe daher schon jetzt rote Zahlen.

Zweitgrößter Arbeitgeber

Mit 400 000 Euro jährlich wird zudem das Ende der 2004 geschaffenen Service GmbH die Bilanz des Klinikums belasten. Wie ausführlich berichtet, sind die darin ausgelagerten Mitarbeiter, darunter Reinigungspersonal und Küchenkräfte, nach jahrelangen Protesten vor wenigen Wochen wieder unter das Dach des Krankenhauses geholt worden, wo sie deutlich mehr verdienen.

Nach offiziellen Angaben arbeiten nun rund 2200 Menschen an der Jakob-Henle-Straße, damit sei das Klinikum nach Siemens und noch vor der Stadtverwaltung der zweitgrößte Arbeitgeber Fürths. „Das macht die Dimension dieser Einrichtung deutlich“, betont Jung. Nach seinen Worten schreibt das Rathaus dem kommunalen Krankenhaus nicht vor, Millionen-Gewinne zu erwirtschaften, subventionieren – wie bis 2007 üblich – will man es allerdings auch nicht müssen. „Es muss in der Lage sein, sich selbst zu tragen.“

Angesichts eines jährlichen Investitionsbedarfs am Klinikum von vier bis sechs Millionen Euro sei der Gewinn leider nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein, sagt Geschäftsführer Krappmann. So benötige das Hauptgebäude, Ende der 80er Jahre generalsaniert, in einigen Bereichen dringend eine Frischzellenkur. Außerdem müssten teure Geräte angeschafft werden, wie etwa eine Herzkatheteranlage sowie ein MRT für die Kernspintomographie. 

JOHANNES ALLES

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