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Kommunikations-Gau der Steiner Stadtwerke

Fernwärmekunden aus Deutenbach fühlten sich über Preiserhöhung schlecht informiert - 03.11.2017 13:00 Uhr

Die Steiner Stadtwerke, hier eines ihrer E-Mobile, ziehen derzeit den Zorn vieler Deutenbacher auf sich. © Armin Leberzammer


"Wenn Sie schimpfen wollen, dann schimpfen Sie auf mich", zog sich Arold verbal das Büßerhemd an. Auf seine Stadtwerke wollte er jedoch nichts kommen lassen. Die seien "ein verdammt guter Laden und gesund". Weil das Fernwärmegeschäft aber seit einigen Jahren trotzdem defizitär läuft, wurden den Kunden neue Verträge zugeschickt.

"Das war ein Angebot", betonte Arold und bekam daraufhin nicht den letzten empörten Aufschrei aus dem Publikum zu hören. "Bei uns kam das an wie ‚Friss oder stirb‘ beziehungsweise ‚Unterschreib oder friere‘", erwiderte einer der Anwesenden.

War also bereits die erste schriftliche Kontaktaufnahme mit den Kunden gründlich misslungen, lief der Infoabend in der Grundschule im Neuwerker Weg zu Beginn nicht viel besser. Angesichts der aus ihrer Perspektive drohenden Kostensteigerungen von 150 Prozent und mehr waren die meisten Anwohner weder an den rechtlichen noch an den technischen Ausführungen der beiden Vertreter von Rödl & Partner interessiert.

Bevor sie ihren Vortrag abbrechen mussten, versuchten sie, die Notwendigkeit neuer Lieferverträge zu erläutern. Gründe sind laut Stadtwerke und Rödl die erwähnten Defizite, die Umstellung des Abrechnungszyklus auf das Kalenderjahr sowie des Brennstoffs von leichtem Heizöl auf Erdgas, Effizienzsteigerungen und neue rechtliche Rahmenbedingungen.

Dann übernahm wieder Thomas Arold das Mikrofon und erläuterte den neuen Abrechnungsmodus. Jener hatte, wie berichtet, auf Grundlage von beim Kunden gemessener Leistungsspitzenwerte zu den teils gewaltigen, berechneten Kostensteigerungen geführt.

Diese Leistung könne jedoch technisch reduziert werden, wenngleich dann natürlich das Aufheizen eines ausgekühlten Hauses länger dauere. "Das nicht deutlich kommuniziert zu haben, war mein Fehler", räumte Arold ein. An einer Beispielrechnung versuchte er deutlich zu machen, dass ein Durchschnittskunde lediglich mit einem Plus von neun bis zehn Prozent zu rechnen habe. Damit bewege man sich verglichen mit anderen Versorgern preislich im Mittelfeld.

Wer hat schon unterschrieben?

Ein Wert, den die meisten Anwesenden offenbar als vertretbar ansahen. Als der Geschäftsführer dann noch klarstellte, dass die bestehenden Verträge selbstverständlich bis zum Vertragsende weiter gelten, verließen die ersten sogar bereits die Schulaula. Wer allerdings die neuen Verträge bereits unterschrieben hat, ist auch an diese gebunden, betonte Arold, was für einen erneuten Aufschrei sorgte. Immerhin versprach er, diese Fälle bei der nächsten Sitzung des Aufsichtsgremiums zur Diskussion zu stellen.

Dass dessen Vorsitzender, Bürgermeister Kurt Krömer — wegen einer Stadtratssitzung entschuldigt — nicht an der Infoveranstaltung teilgenommen hatte, stieß im Übrigen ebenfalls vielen anwesenden Stadtwerke-Kunden sauer auf. Für sie wäre er gerade in seiner Doppelfunktion als Vertreter von Stadt und Stadtwerken der richtige Ansprechpartner gewesen. Warum in den vergangenen Jahren jeweils eine Million Euro an die Gesellschafter Stadt und N-Ergie ausgeschüttet wurde statt Rücklagen zu bilden, wäre eine Frage gewesen, die mancher gerne gestellt hätte. Diese Beträge wurden seit dem vergangenen Jahr immerhin reduziert (zuletzt 2016 auf 700 000 Euro), was Geschäftsführer Arold ausdrücklich begrüßt. Davon unbesehen seien die neuen Lieferverträge jedoch unvermeidlich, um die Stadtwerke fit für die kommenden Jahrzehnte zu machen und so weiter eine hohe Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

Laute Kritik gab es dann am Ende noch an der Kooperation mit Rödl & Partner beziehungsweise an der fehlenden Transparenz, was die Kosten dieser Zusammenarbeit betrifft. Er dürfe dazu keine Summen nennen, betonte Arold. Woraufhin sich mehrere Bürger zu Wort meldeten, die sich als zahlende Kunden sehr wohl berechtigt fühlten, darüber Auskunft zu erhalten. 

Armin Leberzammer

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