Donnerstag, 15.11.2018

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Konkurrenz aus dem Internet: Fürther Händler suchen Nischen

Manche entwickeln noch Strategien, andere haben den Kampf schon verloren - 09.11.2018 05:47 Uhr

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet sich Iwona Pfänder mit ihrem Schuh- und Modeladen La Pelle (Bild oben) aus der Innenstadt. Die Online-Konkurrenz hat ihr zu stark zugesetzt. Enger als sonst bleibt es noch einige Zeit in der Rudolf-Breitscheid-Straße auf Höhe der Neuen Mitte: Die Sanierung der Hausnummer 12 soll erst kurz vor Weihnachten beendet sein. © Fotos: Wolfgang Händel


Iwona und Jürgen Pfänder nehmen bald Abschied von Fürth – zum zweiten Mal und diesmal für immer. Bereits Ende 2012 hatte das Ehepaar mit seinem Schuh- und Modegeschäft La Pelle der Kleeblattstadt den Rücken gekehrt. Damals mussten sie ihr Geschäft in der Rudolf-Breitscheid-Straße wegen der Bauarbeiten für die Neue Mitte aufgeben, ein Ersatzstandort war in dieser Zeit nicht zu finden gewesen. Dreieinhalb Jahre waren sie quasi im "Exil" in Erlangen, vor drei Jahren kehrten sie auf eigenen Wunsch zurück nach Fürth. Diesmal hilft keine Überbrückung in einer anderen Stadt. Die roten Aufkleber mit der Aufschrift "Räumungsverkauf" zeugen davon, dass die lange Tradition des Geschäfts – 36 Jahre in Fürth, davon 20 unter der Regie der Pfänders – nun zu Ende geht.

Der Grund: das Internet. "Wir bemerken, dass die Frequenz in der Fußgängerzone abnimmt", sagt Iwona Pfänder, die dieses Phänomen zumindest im Umfeld ihres Ladens beobachtet. Wachstum sei nicht mehr möglich, vor allem die Neukunden im Alter zwischen 20 und 30 fielen weg. Auf diese Umwälzungen zu reagieren, ist für Einzelhändler schwer. Sie können nicht, wie Filialisten, mit ständigen Rabatten locken, so Pfänder.

Keine Lösung für alle

Alleine immerhin steht sie mit diesem Problem nicht da. Auch Gerd Wagner, Geschäftsführer des Familienunternehmens Staudt an der Freiheit und Chef des örtlichen Einzelhandelsverbands, hört immer wieder Klagen von seinen Kollegen. Er selbst hat schon gehandelt und sein Geschäft um rund 300 Quadratmeter verkleinert. Trotzdem glaubt er, dass sich Läden vor Ort durchaus gegen den globalen Riesen behaupten können. Service sei ein entscheidender Punkt. Und: dass es hier weniger anonym zugeht als im Internet.

Er glaubt aber auch, dass man sich dem Wandel nicht verschließen darf. "Jeder muss individuell reagieren, eine Lösung für alle gibt es nicht." Manche Geschäfte geben deshalb Kunden beispielsweise mehrere Kleidungsstücke mit nach Hause, wo sie sie in Ruhe anprobieren können. Andere, wie auch Wagner, setzen auf Kulinarik und wollen den Aufenthalt im Laden so angenehm wie möglich gestalten. Aber nicht nur die Kreativität der Händler ist gefragt. Auch die Hersteller reagieren bereits. Zum Beispiel, indem sie Kunden auf Wunsch den bestellten Artikel nicht heim, sondern an den Händler vor Ort schicken, wo man ihn abholt. Der Laden profitiert davon, indem er Prozente bekommt.

Adventszeit zieht Kunden

Doch obwohl viele Kunden den Klick mit der Maus einem Einkaufsbummel in der Stadt vorziehen, beobachtet Karin Hackbarth-Herrmann, dass das Bewusstsein für Geschäfte wieder steigt, persönliche Beratung an Gewicht gewinnt. "Viele informieren sich im Internet, kaufen dann aber vor Ort", sagt die Innenstadtbeauftragte. In Fürth zeigt sich das daran, dass sich Leerstände oft rasch füllen. In das Café Franz in der Kreuzstraße etwa zieht Feinkost ein, und das ehemalige Weinkontor in der Friedrichstraße ist zu Feurers Vinothek geworden. Drei Läden in der Innenstadt – Elektro Götz, Rita Frühwalds Teeladen und die ER-Boutique – suchen allerdings noch Nachfolger.

Dem Internet zum Trotz wird es im Advent viele Kunden in die Fürther Geschäftsstraßen ziehen. In der Neuen Mitte müssen sie sich jedoch bis kurz vor Weihnachten noch um eine Baustelle schlängeln. So lange dauert die aufwendige Sanierung des Hauses in der Rudolf-Breitscheid-Straße 12. Wie berichtet, wird das Gebäude seit dem Frühjahr umfassend modernisiert. Unter anderem wurden neue Fenster eingebaut, die Fassade wurde gereinigt und ausgebessert, eine neue Haustechnik hielt Einzug und der Dachstuhl wurde erneuert. Weil der Zugang zu dem denkmalgeschützten Haus sehr schmal ist, musste ein Kran aufgestellt werden, der die Fußgängerzone erheblich verengt. Er wird zwar Ende November abgebaut, die an der Restaurierung beteiligten Gewerke werden dann aber aus Mangel an Alternativen seinen Platz einnehmen. 

Gwendolyn Kuhn

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