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Kontroverse ohne Ende

Der politische Zwist um Möbel-Höffner geht weiter - 14.08.2011 13:00 Uhr

Die sogenannten Randsortimente, wie sie bereits im bestehenden Möbelhaus von Höffner an der Seeackerstraße verkauft werden (unser Bild), sehen Kritiker als Gefährdung für den Fürther Innenstadt-Handel. © Thomas Scherer


Als jüngst die mittelfränkische Regierung grünes Licht für den Autobahnanschluss bei Steinach gab, mit dem die Firma Höffner auf eigene Kosten ihr Möbelhaus, einen Baumarkt und ein Teppichhaus erschließen möchte, war das für die Gegner Signal zur neuerlichen Offensive. Bund Naturschutz, Bürgerverein Fürth-Nord, Innenstadt-Einzelhändler und Bürgerinitiative „Bessere Mitte“ taten sich zusammen. Sie warnten vor den Auswirkungen des Projekts, das ein Areal so groß wie 17 Fußballfelder einnehmen würde.

Neben dem „Flächenfraß“ fürchtet die Allianz die sogenannten Randsortimente, die zusätzlich zu Möbeln, Teppichen, Schrauben und Dübeln vorgesehen sind: Auf stolzen 14000 Quadratmetern wird es Haushaltswaren, Deko-Artikel, Lampen und Heimtextilien geben, die eigentlich Fürths Zentrum vorbehalten sein sollten.

Schädlich sei das für die Innenstadt, der man doch gerade mit dem — nur rund 12000 Quadratmeter umfassenden — Einkaufsschwerpunkt an der Rudolf-Breitscheid-Straße und der Modernisierung des City Centers frisches Blut zuführen will. „Die Voraussetzungen haben „sich zwischenzeitlich grundlegend geändert“, meinen etwa die Fürther Grünen.

Gern würden sie sich prominente Unterstützung aus der Stadtspitze ins Boot holen: Wirtschaftsreferent Horst Müller hatte sich vor zehn Jahren, noch unter CSU-Oberbürgermeister Wilhelm Wenning, gegen das damals allerdings noch weit größer dimensionierte Vorhaben gestemmt — weil es schädlich für die Innenstadt sei, so die Begründung. Auch heute fällt Müller nicht gerade als glühender Höffner-Befürworter auf, mancher Zweifel ist ihm anzumerken; mit offener Ablehnung indes tut er sich schwer. Denn der amtierende Oberbürgermeister Thomas Jung steht zur Höffner-Planung im Knoblauchsland und kann vor allem „die aktuelle Aufgeregtheit nicht nachvollziehen“, wie er auf FN-Nachfrage sagte.

In naher Zukunft nämlich sei kein Baubeginn zu erwarten, man rechne aber mit Klagen der Möbelhaus-Konkurrenz und von Grundstückseigentümern, die eventuell enteignet werden müssten. Drei bis – im Extremfall – gar neun Jahre könnten ins Land ziehen, bis nach Prozessen Klarheit herrsche, glaubt der gelernte Jurist Jung. Unabhängig davon steht der OB zu seiner Ansicht, dass Höffner keine Gefahr fürs rund fünf Kilometer entfernte Zentrum ist. „Es gibt einen Unterschied zwischen Menschen, die einen City-Einkauf machen wollen und Möbelhaus-Kunden“, meint Jung. „Ich sehe da wenig Austausch“, hält er Kritikern wie Grünen-Sprecher Harald Riedel entgegen, der sagt: „Die Kunden werden der Innenstadt entzogen, egal, was sie kaufen.“

Riedel und seine Mitstreiter kämpfen freilich auf verlorenem Posten, wie es scheint. Denn eine breite politische Mehrheit springt Thomas Jung zur Seite, wie die Debatte in der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause zeigte. „Populismus hoch drei“ mussten sich die Grünen dort von der CSU vorhalten lassen, weil sie trotz entsprechender Beschlüsse in der Vergangenheit noch einmal darauf pochten, die Stadt dürfe sich keinesfalls an der Finanzierung des Autobahnanschlusses beteiligen; und der FDP-Vertreter im Rat ließ verlauten, er sei „diesen ewigen Pessismismus leid“. Selbst der Bauherr des neuen Einkaufsschwerpunkts, die Berliner Firma MIB, mache sich wegen des Fachmarktzentrums vor den Toren der Stadt keine Sorgen, versichert der OB. Im Gegenteil: MIB-Geschäftsführer Uwe Laule, den die FN gestern nicht erreichten, sehe das Höffner-Fachmarktzentrum „sogar als Bereicherung für Fürth“, so Jung. 

WOLFGANG HÄNDEL

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