Dienstag, 13.11.2018

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Kraftvolle Leichtigkeit

Marco Stankes "Pluriball" bei den Zirndorfer Kunstfreunden - 01.03.2018 17:45 Uhr

Jenseits der Grenzen der Malerei: Marco Stanke zwischen Arbeiten seiner „Kollektiv“-Reihe und ausgeklügelt angeordneten Keilrahmenteilen. Foto: Anja Hinterberger


Wände, Nägel, daran aufgehängt die Kunstwerke. So definiert sich, was wir Bilderausstellung nennen. Marco Stanke schert sich nicht drum. Wahrscheinlich jeder, der die beiden Räume in der Ladenpassage im Pinderpark betritt, die der 30-jährige Künstler momentan bespielt, wird sich bei dem einen Gedanken ertappen: Upps, die bauen ja noch auf.

Nein. Das gehört so. Mit einer auf den zweiten Blick eigentlich simpel erscheinenden Idee ist es Stanke gelungen, die programmierten Erwartungen aufzubrechen: Ein Gutteil seiner Werke steht nämlich, fein säuberlich verpackt und wohl gestapelt, einfach herum. So, als seien die Arbeiten gerade erst abgeladen worden und warteten nun darauf, platziert zu werden. Eingehüllt sind die diversen Elemente in Luftpolsterfolie. Dieses geniale Material — ein Markenname dafür ist das titelgebende "Pluriball" —, das schützt und vor Schäden bewahrt, erlaubt allerdings auch mehr oder weniger verschwommene Einblicke auf das, was darin verborgen ist.

Erkennbar sind zum Beispiel Teile aus Stankes Werkreihe, die er mit dem Überbegriff "Kollektiv" kennzeichnet. Dabei handelt es sich um Oberflächen, geformt aus Keilrahmen und Leinwand, markiert mit Farbfeldern. Jede für sich allein erscheint zunächst autark, doch sie alle lassen sich auch zu immer neuen Kombinationen mit anderen Teilen zusammenführen. In Zirndorf erweitern sie ihr vielfältiges Wesen jetzt noch um eine weitere Eigenschaft: Eingewickelt und aneinander gelehnt, verschmelzen sie zur Einheit und nehmen plötzlich skulpturale Züge an.

Für den Künstler ein vertrautes Bild: "Das ist im Grunde der Lagerzustand meiner Arbeiten im Atelier, damit bin ich immer konfrontiert." Für den Betrachter, der dieser Gegenüberstellung zum ersten Mal begegnet, entwickelt sich daraus ein ungewöhnliches Erleben von Kunst, die da ist – aber eigentlich auch nicht.

Marco Stanke stammt aus Bad Aibling. Er machte zunächst einen Abschluss in Kunstpädagogik, doch ihm wurde klar, dass sein Ziel ein anderes ist. Konsequent begann er, freie Malerei und Grafik an den Akademien in Nürnberg und München zu studieren. Inzwischen hat er sich nicht nur im Großraum mit Ausstellungen einen Namen gemacht. 2017 etwa war Stanke gemeinsam mit dem Fotokünstler Michael Ullrich in den Fürther Bühlers-Räumen präsent. Beide Künstler machen übrigens auch gemeinsam Musik und gehören zu den Bandprojekten "Hartjungs" und "Polizei".

In Zirndorf hat sich Marco Stanke jetzt natürlich auch den Galeriewänden gewidmet. Was er dort zeigt, sind ganz neue Arbeiten, geschaffen in den beiden vergangenen Monaten. Denkbar größte Zurückhaltung dominiert bei diesen Werken, umso faszinierender ist die Kraft, die sie mit Leichtigkeit ausstrahlen. Der Künstler agiert jetzt mit der schieren Form. Präzise hat er jeweils Keilrahmenteile so zusammengefügt, dass sie ohne irgendeine Art von Befestigung ineinander stecken. Mit größter Selbstverständlichkeit hat er auf Farbe verzichtet und damit seine Idee zu den puren Grundlagen geführt. Statt einer farbigen Zuflucht, die ja durchaus Schutz vor kritisch analysierenden Blicken bieten könnte, ist der reine Ton des hellen Nesselstoffs, mit dem er die Teile umspannt hat, freigelegt.

Und wieder werden hier die Grenzen der Malerei gesprengt. Die Arbeiten greifen in den Raum ein, neigen sich vor, spielen mit Licht und Schatten. Mit der Wand verbindet sie ein einziger Nagel, auf dem sie in perfektem Gleichgewicht ruhen. Womit dann endgültig bewiesen wäre, dass bei dieser Ausstellung alles genauso ist, wie es sein muss.

Ladenpassage im Pinderpark 5, donnerstags und freitags 15-18 Uhr. Bis 23. März.  

Sabine Rempe

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