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Klar doch, Essen und Trinken ziehen immer. Kein Wunder also, dass den Egersdörfer Viertklässlern die Station „Crêpes-Backen“ am besten gefiel. Aber auch die geistige Nahrung, die es an den anderen fünf Stationen gab, wurde von den Grundschülern freudig aufgenommen.
Hat jeder französische Mann einen Schnurrbart, trägt eine Baskenmütze und ernährt sich nur von Rotwein und Baguettes? Mit solchen Stereotypen befasste man sich gleich zu Beginn, um mit ein paar gängigen Vorurteilen aufzuräumen.
Die waren den meisten sicher geläufig, die Sprache unserer Nachbarn dagegen weniger. Deshalb gab es für die Viertklässler einen kleinen Crashkurs in Französisch — Wie stelle ich mich vor? — bevor sie sich auf die sechs Stationen verteilten. Dort lernten sie nicht nur ein paar weitere Vokabeln wie Zahlen oder Farben, sondern erfuhren auch etwas über den Schulalltag jenseits des Rheins.
An einer anderen Station standen die Geografie des Landes sowie die Hauptstadt Paris im Mittelpunkt. Mit Servietten, Pappmaché und Watte hatten die Gymnasiasten die Pariser Innenstadt nachgebaut. Die Grundschüler sollten darauf dann Sehenswürdigkeiten wie den Eiffelturm, den Triumphbogen oder den Louvre platzieren — sie erledigten das mit erstaunlicher Schnelligkeit und Erfolg.
„Wir waren überrascht, mit wie viel Interesse und Motivation die Kinder an das Thema herangegangen sind“, berichtet Melissa Hubl, eine von 15 Gymnasiasten, die demnächst ihr Abitur machen werden. Die Note des P-Seminars, in dem sie die beiden Frankreichtage seit Monaten geplant hatten, fließt dabei in die Abschlussnote ein.
Etwas Bedenken hatten sie allerdings schon, dass sie den Mädchen und Jungen zu viel an Fakten und Information auftischen würden. Doch dank ihrer spielerischen Herangehensweise waren die Kinder bald Feuer und Flamme für la belle France. Die Tatsache, dass sie einen Schultag lang nicht von ihren bekannten Lehrern, sondern von 17- und 18-Jährigen betreut wurden, dürfte sicher ihren Teil zur Begeisterung beigetragen haben.
Für die angehenden Abiturienten waren die Tage in Großhabersdorf und Egersdorf ebenfalls lehrreich. Nicht zuletzt, weil sich einige unter ihnen mit dem Gedanken tragen, selbst Lehrer zu werden. „Der heutige Tag hat mich in meinem Berufswunsch eher bestärkt“, meinte etwa Anna Spaulding.
Isabell Dinter, Lehrerin am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und Leiterin des P-Seminars, sieht in der Arbeit und den Planungen der vergangenen Monate für ihre Schülerinnen und Schüler noch andere Anknüpfungspunkte an die Arbeitswelt: „Sie haben sehr viel über Event- oder Projektmanagement gelernt.“ Ihr eigener Anteil an den beiden Projekttagen sei sehr gering gewesen. „Die 15 haben das komplett in Eigenregie entwickelt und dazu mehr als die im Stundenplan angesetzten zwei Unterrichtsstunden pro Woche investiert.“ Mit so viel Einsatz dürfte dann im Frühjahr das Abitur – oh Pardon, le Baccalauréat – bestimmt ein Erfolg werden.



