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Langenzenn: Dinner zum Reformationsjahr

Wie hat es im Hause Luther geschmeckt? Gewürz-Hirschgulasch und Met - 23.10.2017 06:00 Uhr

Martin Luther alias Rainer Ströbel prostet seinen Gästen mit dem Zinnkrug gefüllt mit Grutbier zu. © Foto: Günter Greb


Ehefrau Katharina von Bora alias Pfarrerin Christine Heilmeier begrüßte die Gäste, Kirchenvorstandsmitglied Ingrid Manlig stellte in ihrem Prolog in fränkischer Mundart "Luther und sei Fraa" den Typ einer Pfarrfrau vor, die ihre Entstehung und Existenzberechtigung der Reformation zu verdanken hat: Rippe von ihrem Pfarrersherrn, lutherische Emanze, "es Tüpferla vom i!".

Und dann servierte ein ganzer Tross von Mägden und Dienerinnen in Gewändern aus der Lutherzeit ein wahrlich opulentes Festmahl: Rote-Linsen-Aufstrich auf Römerbrot, Karottensuppe mit Schwemmklößchen, Gewürzhirschgulasch auf geschmorten Rotkrautblättern mit Trauben, Rotweinbirnen mit Meerrettichsahne, Pilzauflauf, gebackene Pastinaken, Bierfladenbrot und zum Nachtisch Kirschenmichel mit Weincreme! Dazu wurde Met als Begrüßungstrunk, selbstgebrautes Grutbier und Rotwein gereicht.

Rainer Ströbel in der Rolle des Dr. Martin Luther achtete beim Essen auf das Kloster-Silentium. Es wurden aber zwischen den Gängen auch heiße Diskussionen und Gespräche geführt. Mit dem Spruch "Wein für die Toten, Wasser für die Lebenden — das sind Vorschriften für Fische" eröffnete Luther den Umtrunk. Wenn er Schüler, Studenten, Durchreisende in gar zu großer Zahl zum Mahl einlud, appellierte die Ehefrau an die Sparsamkeit: "Wovon soll ich das bezahlen, auf dem Markt wird alles teurer"!

Ein beliebtes Thema bei den Tischgesprächen war die Ehe: Wie lange soll sie dauern? Was ist das beste Alter dafür? Was ist bei großen Altersunterschieden? Und dann fragte ein Gast doch tatsächlich, ob es die Ehe im Jahr 2017 überhaupt noch braucht. Darauf antwortete Martin mit dem Spruch: "Die Liebe macht die Dinge süß, die sonst bitter sind, wertvoll, die nichtig sind, hoch erhaben, die verachtet sind — der Ehestand ist nebst der Religion der vornehmste Stand auf Erden."

In den Dialog waren auch die Gäste eingebunden, die ihm nicht nur zustimmten, sondern bisweilen auch energisch Widerspruch anmeldeten. Und als der Diskurs zu tiefgründig wurde, gab es den süßen Nachtisch, der die tiefschürfenden Gedanken wieder vertreiben sollte. Dass der streitbare, engagierte und hartnäckige Reformator Martin Luther den irdischen Freuden und Genüssen durchaus nicht abhold gegenüberstand, bewies er beim Mahl mit dem Trinkspruch "Wer nicht liebt Weib, Wein und Gesang, der bleibt ein Tor ein Leben lang!"

Bilanz am Schluss der szenischen Darstellung: Martin Luther und sein familiäres Umfeld einmal aus einer ganz anderen, sehr menschlichen Sichtweise. 

Günter Greb

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