Mittwoch, 19.12.2018

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Langenzenn wird zur Bühne für Luther

Das Schauspiel- Mammutprojekt an drei Schauplätzen feiert heute seine Premiere - 02.06.2017 15:00 Uhr

Wer Luther sein will, braucht – na was? Eine Tonsur, ganz klar. Hauptdarsteller Felix Reimann lässt die Prozedur von Maskenbildnerin Christine Huber geduldig über sich ergehen. © Foto: Rempe


Alles an diesem Projekt ist groß. Die Menge der Mitwirkenden, zum Beispiel. Zu den 120 Akteuren kommen ungezählte Helfer hinter den Kulissen, die sich um Bühnenbau, Kostüme, Maske oder Bewirtung kümmern. Gespielt wird an drei prägnanten Schauplätzen: In der Stadtkirche, auf dem Martin-Luther-Platz und im Klosterhof. Doch es gibt noch mehr erstaunliche Zahlen.

"Während der Probenzeit sind drei Babys auf die Welt gekommen", verraten Klaus Roscher, in dessen Händen die Produktionsleitung liegt, und Gabriele Küffner (Konzept, Text und Regie). Die begeistert begrüßten neuen Erdenbürger rücken freilich auch ein besonderes Thema in den Fokus: "Die Mitwirkenden sind allesamt Mehrfach-Aufgaben und Belastungen ausgesetzt", macht die Regisseurin klar.

Magischer Zusammenhalt

"Wenn mal jemand bei einer Probe nicht dabei sein konnte, dann kann man sich darauf verlassen, dass die anderen ihm beim nächsten Termin sofort sagen, wie es weitergeht", lobt Küffner. Fast schon "magisch" findet sie dieses Zusammenwirken. Seit Anfang Januar wurden die einzelnen Szenen intensiv einstudiert. Vorlage für den Langenzenner "Luther" ist der gleichnamige Kinofilm aus dem Jahr 2003.

In der Vorbereitung ist Gabriele Küffner dem Reformator eng auf die Pelle gerückt, hat ihn studiert und mehr als genug spannenden Stoff gefunden. Das bringt derzeit Mehrarbeit am Stück mit sich: "Im Moment müssen wir noch kürzen und einzelne Stellen rausnehmen, damit die Spielzeit nicht zu lang wird." Geplant ist – inklusive Wechsel der Spielorte – eine Aufführungszeit von rund dreieinhalb Stunden. Ihre Auseinandersetzung mit dem wortgewaltigen Reformator hat Küffner zu der Überzeugung kommen lassen, dass "Luther ein Mann der Historie" ist: "Er hat uns ein Geschenk gemacht, aber jetzt wäre er brandgefährlich, weil er polarisiert. Auch deshalb taugt er nicht mehr für heute."

Felix Reimann ist Luther in Langenzenn. Der 35-Jährige, der im Alltag als Informatiker arbeitet, hat bei den Hans-Sachsern unter anderem in der "Feuerzangenbowle" als Oberprimaner Pfeiffer auf der Bühne gestanden. Den Mönch und Theologieprofessor Martin Luther, der das Abendland erschütterte und die Welt veränderte, will er nicht einfach nur darstellen, sondern so gut wie möglich verstehen: "Ich arbeite daran, seine innere Haltung zu begreifen." Ganz neue Erfahrungen hat für ihn auch der Umzug von den Probenräumen im Kulturhof zu den Aufführungsorten – von denen ja zwei unter freiem Himmel sind – mit sich gebracht: "Es ist etwas ganz anderes, jetzt hier zu sprechen."

Dazu fällt auch Klaus Roscher einiges ein. Der Organisator, der alle Fäden in der Hand hält, tritt als Johann Tetzel auf. Eine historische Figur: Der Dominikaner war als Ablassprediger ein Grund für die 95 Thesen, in denen Luther gegen das schwunghafte Geschäft mit dem käuflichen Erlass von Sündenstrafen wetterte.

Surreale Welt

Roscher wird seinen Auftritt im Schatten der Stadtkirche auf dem farbenprächtigen szenischen Markt haben, der für die Aufführungen aufgebaut und von Gauklern und Marktleuten bevölkert wird: "Ich hab’ schon festgestellt, dass ich ganz schön loslegen muss, damit mich auf dem Platz jeder gut verstehen kann." Los geht das große Schauspiel aber in der Kirche. Kurz vor der Premiere ist hier der Videokünstler Christoph Drews dabei, seine Installation, die auf die Wände des Langschiffs projiziert wird, perfekt abzustimmen. Die Motive gibt die surreale Welt des Hieronymus Bosch vor.

Dazu wird das "Dies Irae", Tag des Zorns, uraufgeführt, das die renommierte Komponistin und Bandleaderin Monika Roscher für "Luther" geschaffen hat. Das Chorwerk ist bei der Premiere live zu hören, bei den Folgeaufführungen erklingt eine Studioaufnahme. Die Leitung hat jeweils Markus Simon. Bereits jetzt sind mehr als 90 Prozent aller Karten verkauft, drei Vorstellungen – darunter die Premiere – sind ausverkauft.

Informationen über weitere Spieltermine oder Kartenpreise gibt es im Internet unter vorverkauf@hans-sachs-spiele.de oder karten@klosterhofspiele.de sowie beim Ticketportal Reservix oder im FN-Ticket-Point, Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77 

SABINE REMPE

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