Mittwoch, 14.11.2018

|

Langenzenner Streit um Tonabbau zieht Kreise

Arbeiten in der Lehmgrube Horbach rufen Bürgerinitiative auf den Plan — Naturbühne in Gefahr - 04.11.2018 16:00 Uhr

Die Bagger rollen schon: Ob der Tonabbau rechtens ist und die vorangegangenen Rodungen legal waren, ist umstritten. © Foto: Thomas Scherer


"Stoppt das Aufbereitungszentrum Horbach!": Dieses Motto hat sich die nun gegründete Bürgerinitiative gegen den Tonabbau auf die Fahnen geschrieben. Betroffen fühlen sich Anwohner der Tannenstraße, des Galgenbergs, der Ziegelstraße und des Hausener Wegs: Sie befürchten (wie berichtet) Naturzerstörung, Gefährdung des Grundwassers, Lärm und Feinstaubbelastung.

Von dem bereits laufenden Tonabbau in der Lehmgrube der ehemaligen Ziegelei Lotter und Stiegler gehe schon jetzt eine erhebliche Lärmbelästigung aus, sagt Theo Ziewer, Sprecher der Bürgerinitiative Horbach. Insbesondere bei Kindern habe dies zu ersten Beschwerden geführt, die kinderärztliche Betreuung erfordern.

Das Gelände gehört der Erdbau- und Abbruch-Firmengruppe von Michael Reithelshöfer, hier betrieben vom Aufbereitungszentrum Horbach (AZH). Der Abbau soll bis auf 20 Meter an die seit Jahrzehnten bestehende Wohnbebauung der südlichen Tannenstraße heranreichen, kritisieren die Gegner. Anschließend würden die Flächen mit üblicherweise belastetem Bauschutt aufgefüllt, nachdem er vor Ort geschreddert wurde.

Beim Landratsamt haben die Anlieger argumentiert, dass die Abbau-Berechtigungen aus den Jahren 1985 und 1986 nicht mehr gelten würden. Die Genehmigung erlischt, wenn der Tonabbau länger als vier Jahre unterbrochen wird. Alteigentümer Stefan Lotter hatte in einem Brief von 2016, der den FN vorliegt, dem Landratsamt mitgeteilt, in der Grube habe sich schon im Jahr 2000 und dann "über viele Jahre überhaupt nichts getan"; erst in den letzten drei bis vier Jahren seien erwähnenswerte Bewegungen zu verzeichnen gewesen.

Dem Landratsamt hingegen sind seitens der Firma Reithelshöfer Betriebstagebücher vorgelegt worden, aus denen sich ein "sukzessiver Abbau" ergebe. Die Bücher können aber, so heißt es, nicht eingesehen werden, weil es sich um Unternehmensunterlagen handelt und die Firma sie als vertraulich betrachtet. Dem widerspricht die Bürgerinitiative mit einer sechsseitigen juristischen Auflistung.

Im Landratsamt hegt man indes keinen Zweifel, dass die Abbau-Genehmigungen gültig sind, so ist zu hören. Ob auch die jüngsten Rodungen des Baumbestands rechtmäßig waren, dazu läuft ein Prüfungsverfahren.

Kein Ja zu Schredderanlage

Bei einer gemeinsamen, über zweistündigen Ortsbesichtigung mit Landrat Matthias Dießl, hochrangigen Behördenvertretern, Naturschützern und über 50 besorgten Bürgern gelang es offenbar, einigen Dampf aus dem Kessel zu lassen. Langenzenns Bürgermeister Jürgen Habel stellte ausdrücklich klar, die Stadt habe keineswegs eine geplante Schredderanlage zum Zerkleinern des Bauschutts vor Ort genehmigt — dafür sei die Kommune gar nicht zuständig.

Federführend ist nun auch nicht mehr das Landratsamt, sondern das Bergamt Nordbayern in Bayreuth, eine Bundesbehörde — der Ton in der Horbacher Lehmgrube gilt nämlich wegen seiner Säurebeständigkeit als Bodenschatz im Sinne des Bundesberggesetzes. Ob die Waldrodungen der Firma rechtmäßig waren oder nicht, kann das Bergbauamt erst am Montag erklären, teilte es den FN mit.

Fest steht, dass der Landkreis nach einem Planfeststellungsverfahren seit 1983 das Vorrecht hat, auf Flächen in der Grube seine eigene benachbarte Bauschuttdeponie zu erweitern. Allerdings hat der Kreis damals darauf verzichtet, die Areale zu kaufen. Auf das Vorrecht aber, so Landrat Dießl, werde man keinesfalls verzichten. Die Deponie in Horbach verfügt über drei Kassetten: Eine ist seit 2002 verfüllt, die zweite weitgehend voll, Nummer drei, nördlich und östlich der Deponie, käme jetzt an die Reihe, sagt Kreissprecher Christian Ell auf FNNachfrage. Das heißt: Verhandlungen mit Reithelshöfer sind unumgänglich.

Nächstes Problem: Die Hans-Sachs-Spielgruppe plant auf einem Teil des Lehmgruben-Geländes eine Naturbühne. Wie mit Seniorchef Reithelshöfer vertraglich vereinbart, dürfen die Hans-Sachser die Bühne 25 Jahre lang bespielen. Doch da schießt wiederum das Landratsamt quer: Es will nur ein Jahr Spielzeit, höchstens zwei erlauben.

Am Donnerstag jedenfalls werden in der Stadtratssitzung ab 18.30 Uhr das Bergamt, die Landesgewerbeanstalt, die Tonabbau-Firma und vermutlich viele Angehörige der Bürgerinitiative vertreten sein. 

Hans Peter Reitzner

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Langenzenn