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Freitag, 14.12.2018

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Lebensmittelretter beziehen zweiten Fürther Standort

Die Lebenshilfe hat Platz gemacht, um Essbares vor der Tonne zu bewahren - 07.12.2018 15:00 Uhr

„Nichts soll weggeschmissen werden.“ So das Motto von Thorsten Witte (li.) und Werner Draeger. Sie gehören zu den Lebensmittelrettern, die nun in der Fronmüllerstraße einen zweiten Ausgabeort haben. © Foto: Petra Fiedler


Groß prangt die Hausnummer 70 auf der Holzwand. Von der Fronmüllerstraße sind es nur ein paar Schritte zur neuen Abholstation, deren Regale und Kisten in dieser Woche zum ersten Mal mit Kartoffeln, Gemüse, Brot und sogar mit eingeschweißtem Schinken bestückt werden. "Ein sehr geeigneter Platz", findet Oberbürgermeister Thomas Jung, der zum Auftakt vorbeischaut. Hier komme jeder ohne große Hürden diskret zu den Lebensmitteln.

Dabei sind die geretteten Waren nicht ausschließlich für Menschen da, die ihren Geldbeutel entlasten müssen und deshalb womöglich eine gewisse Scheu haben, beim Einpacken gesehen zu werden. Monika Schelenz, Werner Draeger und Thorsten Witte, Fürther Lebensmittelretter der ersten Stunde, wollen vor allem eines: "Nichts soll weggeschmissen werden." Jeder darf zugreifen.

Massen bleiben übrig

Während die Tafeln sortierte und überprüfte Lebensmittel an Menschen mit entsprechender Berechtigung ausgeben, war all das, was die ehrenamtlichen Lebensmittelretter verteilen, bereits für die Mülltonne bestimmt. Ein Plakat über den Regalen weist deshalb auf die Eigenverantwortung hin. "Wer gerettete Lebensmittel genießen will, muss ihre Unbedenklichkeit selbst prüfen", erklärt Thorsten Witte. Er und seine Mitstreiter können dafür keine Verantwortung übernehmen.

Die mittlerweile 25 Aktiven fühlen sich in der Pflicht, aus Filialen großer Discounter, aus Läden und sogar von Feldern Essbares zu holen. Aber auch fertig Zubereitetes sammeln sie immer wieder ein. "Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Massen bei Feiern und Veranstaltungen übrigbleiben", hat Monika Schelenz beobachtet.

Sie ist seit dreieinhalb Jahren aktiv und wundert sich immer wieder, wie viel Gutes auf dem Müll landen würde. Von 20 Betrieben haben die Lebensmittelretter das Okay, Waren einzusammeln.

Nachhaltigkeit ist in jeder Hinsicht oberstes Gebot. "Wir sind fast ausschließlich mit dem Rad unterwegs", erzählen die Aktiven. Vom gemeinnützigen Verein Kiltrunners dürfen sie sich ganzjährig Fahrradanhänger zum Transport ausleihen. Unentgeltlich versteht sich.

Auch die Lebenshilfe profitiert

Hausherr der neuen Ausgabestation ist Stefan Ebert, Leiter der Lebenshilfe an der Fronmüllerstraße. Als ihn Thomas Jung, Rathauschef und Lebenshilfevorstand in Personalunion, gefragt hatte, ob er dafür Platz habe, zögerte er nicht lange.

Weil es bei der Lebenshilfe auch Menschen gibt, die wegen ihrer schweren Mehrfachbehinderung selbst in den eigenen Werkstätten nicht arbeiten können, sei es besonders sinnvoll, die Lebensmittelstation vor der Haustür zu betreuen. "Wir können uns um Ordnung und Sauberkeit kümmern", sagt Ebert. Das bringe Schwerstbehinderten eine sinnstiftende Beschäftigung.

Die Lebensmittelretter organisieren die Rettung und Verteilung der Waren laut Monika Schelenz zu fast 100 Prozent über Facebook. "Deshalb bleibt auch an unserer Station an der Hornschuchpromenade fast nie etwas übrig." Die Facebook-Gruppe trägt den Namen Lebens-mittel-retten & mehr Fürth. Es handelt sich um eine geschlossene Gruppe, zu der man sich anmelden muss.

Stolz, aber auch Verwunderung klingen durch, wenn Schelenz von einer nicht alltäglichen Verteilaktion erzählt: "In diesem Sommer haben wir 2800 Becher veganes Eis in nur 45 Minuten unter die Fürther gebracht." Da habe die digitale Buschtrommel bestens funktioniert.

Aller guten Dinge sind drei, sagen die Lebensmittelretter, wenn man sie nach ihren Plänen für die Zukunft fragt. "Es wäre unser größter Wunsch, wenn wir noch eine weitere Abgabestation auf der Hardhöhe betreiben könnten." Bei der dortigen Kirche Heilig Geist könnte sie vielleicht eingerichtet werden. Doch Monika Schelenz ist vorsichtig. "Wir warten noch auf eine Nachricht vom Kirchenvorstand." 

Petra Fiedler

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