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Lebensweisheit mit einem Lächeln

Wolfgang Haffner im FN-Gespräch vor seinem Auftritt im Kulturpalast Anwanden - 21.06.2018 12:00 Uhr

Hundert Prozent authentisch gibt sich der Drummer. © Foto: Stefan Hippel


Bei ihm bleiben die üblichen Schubladen leer. Statt starrer Ordnungssysteme schätzt Wolfgang Haffner den grenzenlosen Spaß an der Musik: "Für mich existieren solche Einteilungen wie U- oder E-Musik gar nicht", sagt er. Ein kurzer Blick auf die sagenhaften rund 400 Alben, auf denen der Ausnahme-Drummer bereits zu hören war, gibt ihm recht. Haffner hat mit den Großen der deutschen Jazz-Szene ebenso gearbeitet, wie mit Chaka Khan, Jan Garbarek oder mit den No Angels. Er war unter anderem mit den Fanta 4 auf Tournee und begleitete die letzten Konzerte des großen Al Jarreau.

Die Offenheit, da ist sich der 52-Jährige sicher, hat er sich von seinen Eltern abgeschaut: "Mein Vater war Kirchenmusikdirektor, gerne gehört hat er zum Beispiel auch Pink Floyd." Ein Schlagzeug wurde damals angeschafft, weil in den 70ern Gottesdienste "mit Beatmusik" aufkamen. Wurde es nicht in der Kirche gebraucht, stand das Ding im Haffnerschen Wohnzimmer und Sohn Wolfgang griff zu den Stöcken. So einfach war das.

Und so spektakulär ging es weiter: "Als ich 17 war, rief Albert Mangelsdorff an, fragte, ob ich bei ihm spielen will." Der Ruf des jungen Talents war bis zu dem virtuosen Jazz-Posaunisten durchgedrungen. Was folgte, lässt sich eigentlich bloß als absolut sagenhafte Karriere beschreiben. Haffner spielte buchstäblich auf der ganzen Welt, war oft monatelang nonstop unterwegs. Im vergangenen Jahr absolvierte er zum Beispiel seine 22. Asien-Tour. "Im Flieger nach Tokio habe ich das alles so ein bisschen Revue passieren lassen", sagt er. "Wahnsinnig oft war ich auch in den USA und in Afrika, nach Australien geht es aber demnächst zum ersten Mal . . ."

"Ich bin sehr dankbar, so viel erlebt zu haben", versichert Wolfgang Haffner. Doch nicht nur wegen eines Herzinfarkts vor vier Jahren teilt er mittlerweile seine Zeit etwas anders ein. "Inzwischen mache ich mehr Sachen, die sich um mich selbst drehen." Extensiv habe er die Arbeit als "Side Man" betrieben, als kreativer, einfühlsamer, kraftvoller Mitspieler für andere. Der Lust, "eigene Sachen zu gestalten, so wie ich es will", geht er nun auch als Bandleader in unterschiedlichen Formationen nach.

Zum Kulturpalast auf dem Wolfgangshof im Zirndorfer Stadtteil Anwanden wird er am Freitag mit "Kind of Spain" anreisen. Einem Album, das der Echo-Preisträger im vergangenen Jahr in den Charts platzierte und das leicht als Verneigung vor Ibiza, seiner Wahlheimat für ein paar Jahre, verstanden werden kann. Aktuell ist der Ausnahmekünstler wieder regelmäßig in Franken anzutreffen und genießt "Schäufele mit Kloß" ("Wo gibt die sonst auf der Welt?"). Auf den Kulturpalast freut er sich nicht zuletzt aus kulinarischen Gründen: "Da machen die wunderbare Bratwürste."

Fragt sich natürlich: Welcher Rhythmus hat sein Leben heute? "Der ist gleichmäßig geworden, weil ich versucht habe, Unruhen herauszunehmen. Trotzdem ist er sehr abwechslungsreich", erklärt der Drummer. Balance ist ein Stichwort, das ihm etwas sagt: "Ich schaue mittlerweile darauf, wann ich eine Pause mache – das ist ja auch in der Musik essenziell." Sein Lebensgefühl drückt er so aus: "Ich laufe jeden Tag mit einem lachenden Gesicht herum, weil ich das mache, was ich liebe."

Er hat das Gefühl, in einer privilegierten Lage zu sein: "Menschen kommen zu mir, um mich zu hören. Das ist doch fantastisch." Die Zuneigung ist wahrhaftig nicht einseitig: "Ich respektiere meine Zuhörer sehr, das Ziel ist doch immer, dass wir alle zusammen einen schönen Abend haben." Wobei der Ausnahmemusiker schon Wert darauf legt, "nicht der große Zampano" zu sein, der allen alles recht machen will. "Wer kommt, erlebt hundert Prozent Haffner", verspricht er: "Da ist nichts kalkuliert." Denn: "Die Verbindung zum Publikum, das ist ganz einfach eine Liebesbeziehung." 

SABINE REMPE

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