Montag, 17.12.2018

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Lehrer stimmten auf Heiligabend ein

Weihnachtskonzerte mit Chor und Orchester in St. Christophorus und St. Michael - 07.12.2009

Von Barock bis volkstümlich: Das Collegium Noricum und eine Fürther Chorgemeinschaft mit der Sopranistin Anne Lünenbürger in St. Michael. © HvD


Blankpolierte Jubelklänge servierte das Oberpfälzer Dirigenten-Urgestein Kurt Karl mit seinem Collegium Noricum und einer Chorgemeinschaft aus dem Lehrergesangverein Fürth, dem Vocal Ensemble Nürnberg und dem Neumarkter Kammerchor in der Michaelskirche. Das Advents- und Weihnachtskonzert unter dem Motto «Virga Jesse floruit» («Jesses Reis ist erblüht») schlug den ganz großen Bogen von barocker Streicherpracht über feine Chorminiaturen bis zu volkstümlichen Weihnachtsliedern.

Kitschig oder «tümelnd» wurde es dennoch nicht. Zwar gewinnt Karls Deutung von Arcangelo Corellis Concerto Grosso Opus 6, Nummer 8 ganz gewiss nicht den Interpretationspreis der Historistenszene. Dafür gehen hier Opulenz und Innigkeit eine recht glückliche Verbindung ein und geben Corellis «Weihnachtskonzert» einen Hauch Erhabenheit. Heinrich Kaminskis Vertonung des 130. Psalms «Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir» ist energische Neoklassik, die der Chor druckvoll, wenngleich in den hohen Männerlagen etwas schütter bewältigt. Dennoch gelingt danach der Spagat zwischen der Strenge eines Heinrich Schütz und Peter Planyavskys filmmusikalischer Musica-Nova-Dramatik.

In Domenico Cimarosas Flöten-Doppelkonzert dürfen Rebecca Schmidt und Ricarda Oehl tiefgründig dialogisieren. Sergej Rachmaninows Chor «Ave Maria» hat man selten feierlicher gehört, Max Regers «Unser lieben Frauen Traum» berührt durch seine Schlichtheit, Anton Bruckners «Virga Jesse floruit» atmet jene Introvertiertheit, die auch dem Komponisten zu eigen war.

Kunstlied und populärer Stoff

Peter Cornelius’ Weihnachtslieder Opus 8 der hochdramatischen Sopranistin Anne Lünenbürger anzuvertrauen, war eine weise Entscheidung, denn die Sängerin versteht es mit ihrer profunden, leicht dunkel timbrierten Stimme, Kunstlied-Anspruch und Volksnähe zusammenzubringen. Dies erleichtert auch den Übergang zu populärem Stoff wie «Maria durch ein Dornwald ging» oder einem aus Choristinnen gebildeten Dreigesang übertragenen Weihnachtslied-Klassiker à la «Es wird scho glei dumpa».

Die Salzburger Weise «Still, weils Kindlein schlafen will» fassen Karl und Co. quasiinstrumental auf, was den beruhigenden Wiegenlied-Charakter unterstreicht. Zum guten Schluss muss es Franz Xaver Grubers «Stille Nacht, heilige Nacht» sein, das in der von Hans Mießner eingerichteten Fassung für Chor und Kammerorchester sehr gediegen wirkt.

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (BWV 248) fordert ein Ensemble deutlich stärker. In der Christophoruskirche bewältigen der Figuralchor Nürnberg und das Fürther Lehrerorchester unter der Leitung von Dace Timbare den barocken Prüfstein für Stimmkraft und rhythmische Präzision mit viel Verve und einer Souveränität, die jener der Vollprofis nur wenig nachsteht.

Die einleitenden «Jauchzet, frohlocket»-Fanfaren gelingen schwungvoll und dank sauber intonierender Blechbläser ungetrübt strahlend. Dace Timbares Vorbilder sind unüberhörbar bei den Schrittmachern der authentischen Aufführungspraxis zu suchen. Präziser und pointierter wird auch bei John Eliot Gardiner oder William Christie nicht musiziert.

Dazu kommt ein junges, frisches Solistenquartett, in dem der fulminante Tenor Reiner Geißdörfer als klug gestaltender und ungemein wortverständlicher Evangelist zum Primus inter Pares avanciert.

Eva Schuster absolviert ihre Altpartie mit dem Balsam der versierten Oratoriensängerin und zeigt eine breite Ausdruckspalette, ohne Bachs überschwängliches Gotteslob zu sehr mit Emotion aufzuladen. Die 21-jährige Sopranistin Jana Baumeister gefällt mit lyrischer Klangfarbenpalette und sorgsamer Textausdeutung. Der Bass Manuel Krauß tendiert zur Baritonlage, was vor allem seine Rezitative entmystifiziert und ins Diesseits holt.

Der Figuralchor Nürnberg überzeugt vor allem in den Chorälen, die sich - auch dank Dace Timbares zügiger Tempi - entschlackt und durchhörbar präsentieren. Liturgisch korrekt kredenzte die lettische Dirigentin nur die ersten drei Kantaten des «Weihnachtsoratoriums» - Fortsetzung dringend erwünscht. HvD 

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