Dienstag, 13.11.2018

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Lehrermangel: Berlin ist kein Vorbild für Fürth

Bayern lehnt Quereinsteiger in den Grundschulen ab — Gymnasiallehrer wechseln - 12.09.2018 11:00 Uhr

Einen dramatischen Lehrermangel wie aktuell habe Deutschland bisher noch nicht erlebt. © Julian Stratenschulte/dpa


Berlin hat mit seinen Lehrern Schlagzeilen gemacht: Dort haben nur noch 30 Prozent der neu eingestellten Lehrer an Grundschulen überhaupt eine Lehrerausbildung. Lediglich zwölf Prozent sind regulär für den Grundschulunterricht ausgebildet. Das heißt umgekehrt: 70 Prozent der "Neuen" sind Notlösungen: Quereinsteiger, Pensionisten, Studenten.

Einen "Skandal" nannte das Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, im August in der Passauer Neuen Presse. Er befürchte, dass durch den Mangel an kompetenten Lehrern in Grundschulen "in manchen Bundesländern eine ganze Schülergeneration Schaden nimmt". Tatsächlich ist die Situation an Grund- und Förderschulen bundesweit besonders angespannt. Viele Länder, so Meidinger, hätten es versäumt, auf steigende Geburtenzahlen zu reagieren. Jedes geht nun anders mit der Not um. Die Quereinsteiger in Berlin etwa bekamen einen zweiwöchigen Crash-Kurs, bevor es losging. Im laufenden Schuljahr nehmen sie gemeinsam mit den Referendaren an Seminaren teil, in denen sie die praktische Lehrerarbeit lernen.

Weit entfernt davon sei man in Fürth, heißt es auf FN-Nachfrage aus dem Staatlichen Schulamt. Die bayerische Staatsregierung sagt bisher klar Nein zu solchen Seiteneinsteigern im Grund- und Mittelschulbereich. Kultusminister Bernd Sibler (CSU) betonte jüngst: Unterrichten werden nur Lehrer mit pädagogischem Examen.

Fakt ist: Auch im Freistaat gibt es zu wenige Lehrer für Grund- und Mittelschulen. Gleichzeitig aber gibt es einen Überschuss an Lehrkräften für Realschulen und Gymnasien. Viele von ihnen finden keinen Job an staatlichen Schulen. Um nun den Mangel an Grund- und Mittelschulen zu beheben, bietet man ihnen an, sich in einer zweijährigen Fortbildung ("Zweitqualifikation") umschulen zu lassen. Ihnen winkt dann die Verbeamtung.

Lehrkräfte, die sich bewährt haben, bekommen so eine Perspektive, gibt Ulrike Merkel, die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Fürth, zu bedenken. Gebraucht werden die Umsteiger auch in der Kleeblattstadt.

"Eine Perspektive"

Auch dank ihnen kann Merkel sagen: "Wir sind in den Grund- und Mittelschulen zufriedenstellend versorgt." Genaue Zahlen hat Merkel nicht. Aber sie sagt: Die überwiegende Mehrheit der neuen Lehrer an den Grund- und Mittelschulen habe das dafür vorgesehene Studium durchlaufen. Daneben werden "eine Reihe Zweitqualifikanten eingesetzt sowie der eine oder andere Pensionist".

Mit einem Lehrermangel zu kämpfen haben zudem Berufsschulen mit den Fachbereichen Elektrotechnik, IT, Metalltechnik sowie Bau-/Holztechnik. Hier ist man deshalb offen für Quereinsteiger, etwa Diplom-Ingenieure, die eine pädagogische Fortbildung absolvieren wollen.

Wie die Regierung von Mittelfranken auf FN-Nachfrage mitteilt, konnten an den Berufsschulen I und III in Fürth ausgeschriebene Stellen in diesen Fachrichtungen nicht besetzt werden. "Vor einigen Jahren war die Baukonjunktur schlecht", erklärt Wilfried Rost, Leiter der BS I. Junge Menschen entschieden sich damals für andere Fächer. Jetzt, wo die Bauberufe boomen, fehlen die Lehrer.

Bisher aber gelinge es, betont die Regierung, den Mangel "durch zusätzliche Arbeitsverträge, Verzicht auf Teilungsstunden und Mehrarbeit auszugleichen, so dass die Schülerinnen und Schüler ihren Fachunterricht in vollem Umfang erhalten". "Ausgezeichnet" versorgt sieht sich indes die Ludwig-Erhard-Berufsschule (BS II), wie Leiter Ortwin Mihatsch sagt. Im kaufmännischen Bereich gibt es genügend Lehrer-Nachwuchs. 

Claudia Ziob

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