Mittwoch, 21.11.2018

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Lizzy Aumeier: An brauner Kacke leckt man nicht

"Wie jetzt. . ?!": Lizzy Aumeier bleibt auch im neuen Solo zuverlässig hinterfotzig - 28.10.2018 12:00 Uhr

Oberpfälzer Schlappmaul mit Fürther Klingelschild: Kabarettistin und Kontrabassistin Lizzy Aumeier sammelt in der Comödie neben Publikumsbekanntschaften auch treffsichere Argumente gegen den politischen Radikalismus. © Foto: Fiedler


Wie jetzt? Zwei Wörter, eine Frage. Im Altbayerischen entscheidet schon der Tonfall darüber, was sich der Fragende als Antwort vorstellt. Im Falle von Lizzy Aumeier ist klar: Die Antworten wird sie selber liefern. Ihre Sicht auf den Wahnsinn der großen wie der kleinen Welt. Natürlich bleibt sich die 54-Jährige auch in ihrem neuen Programm über weite Strecken treu. Direkt und trotzdem hinterfotzig schlüpft sie in die horizontalen Phantasien ihres Publikums, dafür ist sie bekannt. Und just dafür wird sie von ihren (in der Mehrzahl weiblichen) Fans geliebt.

Derart deftig geht sie in den Beziehungsclinch der Geschlechter, dass einem der Atem stockt. Thema Brunft und Duftstoffe etwa. Die würden vom männlichen Teil der Population produziert, um die Weibchen anzulocken. Aumeier malt sich denn auch gleich mal den Ehepartner aus, der vollgefressen (Schlachtplatte) und vollgesoffen (Bier und Schnäpse) Duftstoffe auf dem heimischen Sofa produziert. Doch es wäre falsch, sie an diesem Abend auf die Abteilung zotig zu reduzieren. Stärker ist sie, wenn sie sich Politik, Zeitgeist und dem Leben in der Provinz widmet.

Mit einem Tausende Tonnen CO2 produzierenden Kreuzfahrtschiff unterwegs gewesen? Ja? Schöne Erinnerungen gehabt? Ja? Drei Wochen Kreuzfahrt sind ja auch billiger als betreutes Wohnen. Und fürs Geld gibt’s noch eine Ü-90-Party inklusive Seebestattung. Gallig wird Aumeier da und erweitert das Urlaubsportfolio recht revolutionär: "Schon mal mit der Oberpfalz probiert?"

"Mir wird schlecht"

Als Hundebesitzerin hat sie für Politiker der Union einen Rat: "Man weiß doch, dass man braune Scheiße entweder liegen lässt oder sie wegräumt. Da leckt man doch nicht dran". Markus Söder: eine Seuche. Alexander Dobrindt: nichts erreicht und trotzdem ein Siegerlächeln. Jens Spahn: "Mir wird schlecht." Ein Politiker, der als Lösung für den Pflegenotstand die Vorstellung formuliert, dass ein Teil des Pflegepersonals nur ein paar Überstunden machen müsste – da muss selbst eine Lizzy Aumeier mit Sprachlosigkeit kämpfen. "Weiß der nicht, dass derart eingeforderte Überstunden anständige Arbeitsverträge torpedieren?"

Auch in diesem neuen Solo geht ihr Svetlana Klimova musikalisch zur Hand. Das ehemalige Mitglied der Moskauer Symphoniker tänzelt auf ihrer Geige gegen den brummigen Kontrabass der Kabarettistin an. Vivaldis "Vier Jahreszeiten", ergänzt um die Klimakatastrophe: Auf die Idee muss man erst mal kommen.

Aumeier war und ist ein Bühnentier, das bekommen vor allem die bedauernswerten Herren im Saal zu spüren — so auch hier. In der Rolle des "Tatort-Opfers" bittet sie René, eine Publikumsbekanntschaft, zur Wiederbelebung auf die Bühne. Der greift durchaus beherzt zu, und die Wiederbelebung mutiert zum Dornröschenkuss. Aumeier rückt die spontan aus dem Drehbuch gekippte Szene wieder zurecht und schafft damit den Publikumshit des Abends.

Wer über den besorgten Bürger, das bayerische Polizeigesetz, eine buddhistische Diät oder über die Gemeinsamkeit von Homosexualität und Herzschrittmacher mehr erfahren möchte, kommt am besten am 21. Juni 2019 in die Comödie, zu Aumeiers nächstem Auftritt. Wie jetzt? Vielleicht nicht? 

Petra Fiedler

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