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Ludwig-Erhard-Haus: Grünes Licht für den Wettbewerb

Architekten sollen Neubau für das zehn Millionen Euro teure Dokumentationszentrum hinter dem Rathaus entwerfen — Stadt zahlt mit - 23.02.2013 13:00 Uhr

Der Blick vom Rathaus aus zeigt das Geburtshaus von Ludwig Erhard (weiß eingerahmt, in der Bildmitte) und den gegenüberliegenden Parkplatz, auf dem der Neubau des Zentrums entstehen soll. © Thomas Scherer


Wie mehrfach berichtet, soll im Schatten des Rathauses ab dem Jahr 2015 ein Dokumentations-, Begegnungs- und Forschungszentrum an den „Vater der sozialen Marktwirtschaft“ und ehemaligen Bundeskanzler erinnern. Standort wird zum einen das Geburtshaus Erhards in der nach ihm benannten Straße sein, zum anderen ist ein Neubau auf dem gegenüberliegenden Parkplatz vorgesehen.

Kostenanteil unklar

Der Fürther Ludwig-Erhard-Initiativkreis, von dem die Idee für das Zentrum stammt, hofft, renommierte Architekten für die Gestaltung des repräsentativen Gebäudes auf der 748 Quadratmeter großen Fläche zu gewinnen. Einzige Vorgaben: Es muss sich in die umliegende Altbaustruktur samt historischem Rathaus einfügen, die Höhe des Komplexes soll „deutlich unterhalb der Traufe“ des benachbarten Rathaus-Südflügels liegen. Zwischen Letzterem und dem neuen Baukörper muss zudem die Durchfahrt in den Rathaus-Innenhof möglich sein.

Rund zehn Millionen Euro werden die Nutzung des Altbaus und der Neubau kosten, geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor — doch viel mehr weiß der städtische Baureferent Joachim Krauße hinsichtlich der Finanzierung noch nicht zu berichten, wie er vor dem Stadtrat einräumen musste. Deshalb ist auch noch unklar, welchen Anteil Fürth genau zu schultern hat. Die Gespräche zwischen Initiativkreis, Stadt und staatlichen Behörden seien noch nicht abgeschlossen, „die inhaltliche Ausarbeitung braucht mehr Zeit“, sagt Krauße.

Im Rathaus geht man aber davon aus, dass Bund und Land 80 Prozent der Summe zuschießen, auf Fürth kämen demnach maximal 20 Prozent zu. „Theoretisch“ seien auch nur zehn Prozent denkbar, heißt es, man werde entsprechend verhandeln. Den Eigenbeitrag mindern können Einnahmen aus dem Verkauf des stadteigenen Parkplatzes.

Am Betrieb des Dokumentationszentrums indes wird sich die Kommune nicht beteiligen. Ihn werden Bund und Land bezahlen, weitere Millionen sind dafür schon zugesagt. Hinzu kommen Spenden aus der Wirtschaft — bisher soll eine Million zur Verfügung stehen, die der Initiativkreis vor allem in die Einrichtung investieren möchte.

Lob und Tadel

Während Oberbürgermeister sowie Vertreter verschiedenster politischer Richtungen trotz der Unwägbarkeiten grünes Licht signalisierten, die Bedeutung des Projekts für die Stadt und ihren lange geschmähten Sohn noch einmal betonten, gab es im Stadtrat auch vereinzelte, teils heftige Kritik. Grünen-Vertreter Harald Riedel etwa monierte, dass „keinerlei Unterlagen und Kostenaufstellungen“ vorliegen. Nach seinem Empfinden wird zu sehr „ins Blaue hinein“ geplant, er verstehe „die Eile nicht“.

Der parteilose Siegfried Tiefel sprach angesichts der hohen Beteiligung öffentlicher Kassen gar von einem „dreisten Zugriff auf Steuermittel“ und stellte das ganze Projekt in Frage. „Brauchen wir das?“, fragte Tiefel, der mit dem Geld lieber „Schulen, Krippen, Turnhallen, Brücken und Straßen“ schaffen würde.

„Deutschland braucht das“, konterte OB Thomas Jung, immerhin handle es sich bei Erhard um eine „überragende Nachkriegspersönlichkeit“ der Bundesrepublik. Vom Gedenken an ihn profitiere auch Fürth „in erheblichem Ausmaß“. Man dürfe nun nicht mit „kleinmütigen Diskussionen“ die Entstehung eines „Zentrums von nationaler Bedeutung“ behindern.

  

Wolfgang Händel

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