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Mach die Biege! Beeindruckende Aktion in Fürth

"bodies in urban spaces" klettern durch die Stadt - 08.06.2018 16:00 Uhr

Abhängen für Fortgeschrittene: Zu einem außergewöhnlichen Stadt-Parcours bitten heute und morgen 20 Tänzerinnen und Tänzer, hier bei der Probe am Donnerstag. Sie fordern auf, die Stadt aus ganz neuen Blickwinkeln kennenzulernen. © Foto: Thomas Scherer


Abhängen in der Stadt? Kann man machen. Warum trotzdem alle staunten, die am Donnerstagmittag den Probelauf von "bodies in urban spaces" in Fürth mitbekamen, lässt sich leicht erklären: Das Abhängen wird diesmal absolut wörtlich genommen. Genau wie das Zwischen-Häuser-Klemmen, das An-Fassaden-Herumturnen oder das In-Ecken-Übereinanderstapeln.

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An den unglaublichsten Plätzen knäulen sich Tänzer und Akrobaten zu Körperskulpturen, verharren für einen Augenblick, um dann unauffällig zu verschwinden und anderenorts in neuer Formation aufzutauchen.

Wiener Welterfolg

Nichts ist bei dieser Choreografie dem Zufall überlassen. In Fürth hat Esther Steinkogler das Sagen. Die zierliche Künstlerin ist unterwegs für die Wiener Compagnie von Willi Dorner, der mit "bodies in urban spaces" im Juli 2007 Premiere feierte. Seither ist das Aufsehen erregende Konzept in über 100 Städten rund um den Globus zu sehen gewesen. Steinkogler rechnet vor: "Davon habe ich mehr als 60 Aufführungen umgesetzt."

Die Frau weiß also wie, nein, nicht der Hase läuft, sondern wie der passende Stadt-Parcours aussehen sollte. Drei Tage lang streifte Steinkogler im Vorfeld durch Fürth, sah sich um, probierte aus und legte dann eine Strecke fest, die Künstler und Zuschauer gemeinsam absolvieren werden.

Außerdem entschied sich die 31-Jährige bei einem Casting, zu dem zuvor aufgerufen worden war, für die 20 Mitwirkenden. Gut die Hälfte davon kommt von der Tanzzentrale Region Nürnberg, die bei der Aktion als Partner des Fürther Kulturamts agiert, sagt Susanna Curtis, Vorstand dieser Vereinigung.

Extrem gelenkig

An die beteiligten Tänzer und Akrobaten wurden ganz bestimmte Anforderungen gestellt. Esther Steinkogler erklärt: "Wir brauchen unter anderem Künstler, die sehr gut klettern können, andere wiederum müssen in der Lage sein, ihre Kollegen zu tragen." Extrem gelenkig müssen freilich alle sein, und von blauen Flecken, so viel ist sicher, bleibt keiner verschont. Auch nicht der junge Mann, der sich in der Bäumenstraße kopfüber hinter ein Straßenschild geklemmt hat. Sieht nicht nur unbequem aus, sondern extrem verwirrend.

Und genau darum geht es. "Die Idee ist, Fürth aus ganz anderen Blickwinkeln kennenzulernen", sagt Kulturamtsleiterin Claudia Floritz. Schon beim Probelauf wird klar: das funktioniert. Einen Moment lang sprachlos sind zum Beispiel die Damen, die gerade ihr Abi feiern, das sie 1961 ablegten, als sie in der Gustavstraße drei bunte Wesen entdecken, die sich in einen schmalen Häuserspalt geklemmt haben. "Das ist sicher Kunst", kommentiert eine von ihnen. So sieht’s aus.

Wer "bodies in urban spaces" miterleben will, hat dazu heute um 18 Uhr sowie am Samstag um 12 und 18 Uhr Gelegenheit. Treffpunkt ist der Dreiherrenbrunnen in der Fußgängerzone. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde und ist kostenlos. 

Sabine Rempe

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