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Männer unter sich

Neil Simons „Seltsames Paar“ im Stadttheater - 13.12.2011

Leonard Lansink (2. v. re.) hat als Oskar Madison seine liebe Not mit dem pedantischen Mitbewohner Felix Ungar. Seine Pokerfreunde,  Polizist Murray, Pantoffelheld Vinnie und Kettenraucher Speed, beleben das Bild.

Leonard Lansink (2. v. re.) hat als Oskar Madison seine liebe Not mit dem pedantischen Mitbewohner Felix Ungar. Seine Pokerfreunde, Polizist Murray, Pantoffelheld Vinnie und Kettenraucher Speed, beleben das Bild. © Thomas Scherer


Das alles wusste auch schon Neil Simon, als er 1968 seinen Klassiker „Ein seltsames Paar“ schrieb, der mit Walter Matthau und Jack Lemmon zum Hit wurde. Bekanntlich geht es dabei nicht um die Situation, wenn ein junger Mann das kuschelig-miefige Nest verlässt, um mit einer Frau zusammenzuleben, sondern um zwei geschiedene beziehungsweise verlassene Freunde.

Oscar nimmt Felix in seiner Gammel-Bude auf, nachdem der Kumpel von seiner Frau Frances vor die Türe gesetzt wurde. Damit beginnt ein Kampf ordnungsliebend gegen schlampig, Putzteufelchen gegen Chaot. Das Publikum im gut gefüllten Stadttheater amüsiert sich prächtig über zwei gegensätzliche Charaktere, die sich doch auf verrückte Weise ergänzen.

Kerniger Typ



Leonard Lansink ist der kernige Typ, etwas Macho, rau, aber mit Herz. Der Job, das Pokern und der Football sind seine Welt. Heinrich Schafmeister gibt den Felix neurotisch, etwas steif und bieder. Er lebt für die Familie, die er nun verloren hat, und für den perfekt sterilen Haushalt. Klar, dass das zu diversen urkomischen Szenen führt.

Die Psychologie in diesem Stück (Regie: Katja Wolff) stimmt, zumal Oscar und Felix beide letztlich vom anderen etwas lernen. Die Sympathien sind gerecht verteilt. Denn Oscars laissez faire ist bis zu einem gewissen Grad ebenso nett wie Felix’ Sorgsamkeit. Die Spitzen im Verhalten beider sind das Problem, und die kappen sie sich gegenseitig. Man kennt die beiden Schauspieler im Duo aus dem Fernsehen als Detektiv Wilsberg und seinen Freund Manni – das funktioniert einfach.

Die Inszenierung setzt auf Tempo, Körperlichkeit, slapstickhafte Bewegungen und witzige Überzeichnungen. Auch die Nebenrollen agieren hand- und bissfest. Die Poker-Freunde — Polizist Murray, Pantoffelheld Vinnie und Kettenraucher Speed – beleben amüsant das Bild von den „Männern unter sich“. Miriam Radovic und Katja Götz als rassige spanische Nachbarinnen, die Oscar einlädt, um sie anzubaggern, bringen gehörig Temperament und Gelächter ins Haus. Denn das Vorhaben geht natürlich schief: Felix erzählt den attraktiven, alleinstehenden Damen von seiner gescheiterten Ehe und bringt sie zum Weinen statt zum Flirten. Ein gelungener Boulevard-Abend, auch wenn oder gerade weil die angekündigten modernen Elemente, die das „seltsame Paar“ ins 21. Jahrhundert befördern sollten, sparsam im Hintergrund bleiben. Manchmal ist das Altvertraute eben doch das Beste. So wie ein Kasten Bier in der Männer-WG. Da braucht es auch kein digitales Update.

  

CLAUDIA SCHULLER

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