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Massiver Widerstand gegen Neubauten

Das städtische Siedlungsprojekt Oberfürberg Nord gerät auch finanziell unter Druck - 19.02.2014 21:00 Uhr

An Nordrand Oberfürbergs protestieren Bürger gegen das geplante Baugebiet. Die Ballons markieren die Höhe des Lärmschutzwalls.

An Nordrand Oberfürbergs protestieren Bürger gegen das geplante Baugebiet. Die Ballons markieren die Höhe des Lärmschutzwalls. © Winckler


Der Saal der Unterfürberger Gaststätte Kirschbaum platzt aus allen Nähten, als zahlreiche Anwohner den Fürther OB-Kandidaten und rund 20 Stadtratskandidaten auf den Zahn fühlen. Wie berichtet, entwickelt die Stadt nach der Insolvenz der Erschließungsfirma L&I Consult nun selbst das aufgrund heftiger Proteste um 60 Prozent auf 120000 Quadratmeter mit 300 Wohnungen verkleinerte Wohngebiet. 14,2 Millionen Euro investiert die Kommune und hofft, diesen Betrag durch Grundstücksverkäufe wieder erwirtschaften zu können.

Der 700 Meter lange und bis zu 20 Meter breite Lärmschutzwall aus 90000 Tonnen Erdreich mit aufgesetzter Steinmauer muss zur seitlichen Abschirmung weit über das eigentliche Baugebiet hinausgezogen werden. Dass in der Verlängerung der Straße Am Europakanal zwei dreistöckige Gebäude die Lärmschutzfunktion übernehmen sollen, wertet ein Anwohner als kläglichen Versuch, die Kosten zu drücken. Das stehe im eklatanten Widerspruch zur geplanten hochwertigen Bebauung.

Große Zweifel

Überhaupt zweifeln Oberfürberger an der Vermarktbarkeit der Grundstücke hinter dem Lärmschutz-Monstrum. Bürgermeister Markus Braun räumt ein: „Wenn sich das Baugebiet nicht rechnet, wird es in Frage gestellt.“ Für wirtschaftliche Probleme macht Baureferent Joachim Krauße auf Anfrage der Fürther Nachrichten die Verkleinerung der Baufläche verantwortlich. Braun und Krauße vertrösten die Kritiker mit den Hinweis auf die noch nicht abgeschlossene Planung und weitere Einflussmöglichkeit.

Brauns Lob für die kritische Vereinsarbeit, die zum Abspecken des Bauvorhabens geführt habe, wertet ein Besucher im Saal als peinliche Selbstbeweihräucherung. Schließlich habe die völlig überzogene Planung erst den Widerstand heraufbeschworen: „Wenn Sie es ernst meinen mit Bürgerbeteiligung, dann stampfen sie die Bebauungspläne ein und beginnen mit den Bürgern von vorne.“

Das ist auch auf das Reichsbodenfeld gemünzt, wo weitere 300 Wohneinheiten geplant sind. Dagegen richten sich Bedenken von Dambachern und Unterfürbergern, die ebenfalls um gewachsene Siedlungsstrukturen fürchten. Vereinssprecherin Marion Crozat rechnet vor, dass auf einem Dutzend Großbaustellen im Radius von drei Kilometern im Fürther Westen Neubauwohnungen für über 2800 Menschen entstehen sollen.

„Wo sollen diese Menschen einmal arbeiten?“, fragt ein über die Verkehrszunahme besorgter Bürger. Das Geld für die Entwicklung von Oberfürberg Nord sollte nach Ansicht von Crozat besser in die Infrastruktur der Stadt investiert werden. Die jetzige Entwicklung steht nach Ansicht von SPD-Stadtrat Günter Witzsch ohnehin im Widerspruch zu einer neun Jahre alten Erklärung von OB Thomas Jung, keine Mehrfamilienhäuser mehr im Fürther Westen zuzulassen.

Für „risikoreich“ stuft CSU-OB-Kandidat Dietmar Helm Oberfürberg Nord ein. Er könne sich gut vorstellen, dass das Bauprojekt an der Finanzierbarkeit scheitert. Ein Selbstläufer werde es sicherlich nicht, zumal die Grenze des Wachstums erreicht sei. Letzteres meint auch FW-Kandidatin Heidi Lau, die verstärkte Anstrengungen für ökologisches Bauen und neue Generationen-Wohnformen fordert. Lediglich Stephan Eichmann von den Liberalen verteidigt das Bemühen um neue Wohngebiete für Steuerzahler.

Die Perspektiven der Fürther Stadtentwicklung stehen am Mittwoch, 26. Februar, erneut auf dem Prüfstand, wenn der Verein „Wir sind Fürth“ um 19.30 Uhr zur kommunalpolitischen Debatte in den Kulturort Badstraße 8 einlädt.

 

Volker Dittmar

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