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Mehr als nur Couch-Gespräche

Männer dringend als Psychotherapeuten gesucht — Thema beim Boys’ Day - 20.04.2013 16:00 Uhr

Der Psychologe lauscht im Therapiegespräch seinen Patienten: Dieses Klischeebild, sagen Vertreter des Berufsstands, spiegelt längst nicht mehr die Vielfalt der Tätigkeit wider. © Paul von Stroheim/imago


Herr Dorrmann, unter den Studienanfängern im Fach Psychologie sind 22 Prozent Männer. Kein Grund zur Panik, oder?

Dorrmann: Wir stellen fest, dass der Männeranteil in der Ausbildung sinkt. Bei uns schon auf unter 20 Prozent, andere Ausbildungseinrichtungen haben reine Frauengruppen. Das Seltsame ist: In Studien über das Image von Psychotherapeuten im Bewusstsein der Bevölkerung ist Psychotherapeut ein Männerberuf. In Wirklichkeit ist es genau umgekehrt – und wir brauchen dringend Nachwuchs.

Ein bekanntes Buch heißt „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“, auf der Hitliste der Klischees rangiert „Männer sprechen nicht über Gefühle“ weit oben. Was ist dran?

Wolfram Dorrmann


Dorrmann: Da ist was dran, aber das hat sehr viel mit der Sozialisation und Erziehung zu tun. Männer haben natürlich Gefühle, aber sie lernen, sie zu verstecken. Wenn wir schon sehr früh eine Kultur schaffen, die Gefühle und das Sprechen darüber zulässt und fördert, ist das ein Fortschritt für beide Geschlechter.

Was bedeutet das für die Psychotherapie?

Dorrmann: Wir möchten erreichen, dass Jungs schon sehr früh wissen, was zu ihnen passt – persönlich und später im Beruf. Bin ich offen? Interessiere ich mich für andere? Bin ich am Schulhof als Ratgeber gefragt? Das stellt sich schon früh heraus, vielen ist aber nicht bewusst, dass man diese Eigenschaften auch beruflich nutzen könnte.

Aber man muss auf alle Fälle studieren?

Dorrmann: Ja, unbedingt. Für das Psychologie-Studium ist sogar ein sehr guter Abiturschnitt von 1,1 bis 1,8 nötig. Deshalb müssen sich Jugendliche das vorher überlegen und gezielt darauf hinarbeiten. Ein anderer Zugang ist das Pädagogikstudium, das nicht so gute Noten erfordert und die Basis für den Kinder- und Jugendlichentherapeuten ist. Was nicht bekannt ist: Der Beruf des Psychotherapeuten hat sich sehr verändert, seit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 sind wir den Fachärzten gleichgestellt. Und was früher als brotlose Kunst galt, ist heute ein sicherer Job, in dem man gut verdient.

Termin: 25. April, 9 – 13 Uhr (und ab 15 Uhr in der Trolli-Arena), IVS-Ambulanz, Nürnberger Straße 22, Fürth. Anmeldung im Internet unter www.boys-day.de
  

Aber immer nur neben der sprichwörtlichen Couch sitzen und reden, reden, reden...? Dorrmann: Die Einsatzfelder sind viel breiter. Psychologen können sich zum Gutachter weiterbilden und sagen als Sachverständige vor Gericht aus, sie arbeiten als Persönlichkeitstrainer und Coaches, Sportpsychologen sind immer mehr gefragt. Woran liegt das? Dorrmann: Seit dem Tod von Torhüter Robert Enke ist die Gesellschaft offener geworden. Man sieht, auch wer ganz oben steht, kann persönliche Probleme haben. Der Anteil unserer männlichen Klienten wächst. Ich selbst habe heute 70 bis 80 Prozent Männer in Therapie und 20 Prozent Frauen, früher war das Verhältnis umgekehrt. Wir brauchen also eine größere Zahl männlicher Therapeuten. Studien belegen ja: Nur jeder zehnte Mann hat einen richtig guten Freund, mit dem er persönliche Probleme bespricht und den er auch nachts um drei Uhr anrufen könnte. Was können die Jugendlichen bei Ihnen am Boys’ Day erleben? Dorrmann: Wir werden zum Beispiel zeigen, dass Psychotherapie auch mit technischen Mitteln arbeitet. Ein Biofeedback-Gerät hilft bei der Stressbewältigung und fördert die Entspannung, aber wir werden auch psychotherapeutische Gespräche live demonstrieren. Außerdem gibt es die Möglichkeit, anwesende Studenten über ihre Erfahrungen zu befragen und etwas über die Karrieremöglichkeiten zu erfahren. Und nachmittags gehen wir ins Stadion. Mit dem Sportpsychologen Martin Meichelbeck... Dorrmann: Die Führung durchs Stadion war in Planung, da haben wir gesagt: Moment, das ist genau unser Thema! Herr Meichelbeck war auch bereit – und wird Fragen beantworten. Wie wichtig ist die Psychologie im Spiel? Wie können Sportler ihre Leistung steigern – und welche psychologischen Methoden helfen dabei? Interview: GABI PFEIFFER

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