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Mehr als nur Feste

Fürther Integrationsbeirat vor großen Aufgaben - 06.02.2013 09:00 Uhr

FÜRTH  - Die Kleeblattstadt verdankt ihnen einen Teil ihrer Buntheit und Weltoffenheit. Menschen aus aller Herren Länder, die hier eine Heimat gefunden haben, bereichern den Alltag durch neue Facetten von Lebensart. Damit dies zum harmonischen Ganzen beiträgt, engagieren sich Vertreter verschiedener Volksgruppen seit vielen Jahrzehnten im Integrationsbeirat. Nach der Wahl im Dezember hat jetzt ein neu konstituiertes Gremium seine Arbeit aufgenommen.

Bei der konstituierenden Sitzung im Fürther Rathaus konnte sich der Grieche Antonios Kerlidis erst in der Stichwahl um den Ausschuss-Vorsitz gegen die Türkin Melek Kaval durchsetzen.
Bei der konstituierenden Sitzung im Fürther Rathaus konnte sich der Grieche Antonios Kerlidis erst in der Stichwahl um den Ausschuss-Vorsitz gegen die Türkin Melek Kaval durchsetzen.
Foto: Hans-Joachim Winckler
Bei der konstituierenden Sitzung im Fürther Rathaus konnte sich der Grieche Antonios Kerlidis erst in der Stichwahl um den Ausschuss-Vorsitz gegen die Türkin Melek Kaval durchsetzen.
Bei der konstituierenden Sitzung im Fürther Rathaus konnte sich der Grieche Antonios Kerlidis erst in der Stichwahl um den Ausschuss-Vorsitz gegen die Türkin Melek Kaval durchsetzen.
Foto: Hans-Joachim Winckler

Als Interessensvertretung der ausländischen Bevölkerung kann sich der frühere Ausländerbeirat über Mangel an Aufgaben nicht beklagen. Es geht um mehr als nur um Feste und Vereine. Diskriminierung abzubauen und Bildungschancen zu sichern, nennen Antonius Kerlidis und Melek Kaval als ihre zentrale Anliegen. Der 42-jährige Grieche und die 47-jährige Türkin führen das Gremium in den nächsten vier Jahren als Vorsitzender und Stellvertreterin an.

„Wir erfinden das Rad nicht neu“, merkt Kerlidis selbstkritisch an. Er sieht sich wie auch Kaval vor allem in der Pflicht, Basisarbeit zu leisten. Bildung ist in ihren Augen das Fundament, auf dem Integration aufbaut. Hier dürfe niemand aufgrund seiner Herkunft benachteiligt oder gar ausgegrenzt werden. Man müsse aber auch den Eltern auf die Sprünge helfen, Bildungsangebote für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen. Dies sei nämlich noch immer nicht selbstverständlich. Für den größten türkischen Kulturverein, ditib, der Hunderte von Kindern in der Freizeit gezielt fördert, wünscht sich Kaval dringend einen städtischen Sozialarbeiter. Der solle auch für einen weltlichen Ausgleich zur jetzt noch dominierenden Rolle des Imams sorgen.


„Schlaue Köpfe gibt es in allen Bevölkerungsgruppen“, wirbt Kerlidis für eine Förderung ohne ethnische Grenzen. Er fügt hinzu: „Erfolgreich kann sich eine Stadt nur dann entwickeln, wenn gemeinsame Ziele verfolgt werden.“ Ein respektvolles Miteinander gehört für den neuen Beiratsvorsitzenden dazu. Anregungen für verstärkte Zusammenarbeit erhofft sich die Leiterin des städtischen Integrationsbüros, Anke Kruse, von einer interkulturellen Woche im September.

Auch über mehr Mitstreiter im Beirat würden sich Kerlidis und Kaval freuen. Denn das Interesse am ehrenamtlichen Engagement ist gering – nicht nur in Fürth. In Zirndorf wurde 2011 sogar bereits an eine Einstellung der Institution gedacht. In Fürth haben im Dezember lediglich 241 der 14806 Wahlberechtigten ihre Kreuzchen gemacht – nur knapp 1,6 Prozent. Und nicht mehr als 19 Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt.

Der gestern seit Oktober erstmals wieder zusammengetretene geschäftsführende Ausschuss des Integrationsbeirats befasste sich unter anderem mit der Frage, ob bei dieser schwachen Unterstützung Unterausschüsse wie in früherer Zeit überhaupt noch sinnvoll sind.

Antonios Kerlidis kam bereits als Vierjähriger nach Fürth. Der in der Industrie tätige Technische Fachwirt, Vater dreier Kinder, ist in die Fußstapfen seines Landsmannes Georgios Deligeorgis getreten, betont jedoch, dass dieses Amt kein Erbhof sei. Die zweifache Mutter Melek Kaval, die seit 1980 in Deutschland lebt, hat als Feinelektronikerin in der Reparatur gearbeitet. Sie betreut unter anderem Migranten im Fürther Klinikum und führt Schulklassen durch die Mevlana-Moschee. Die Türkin ist als Nachfolgerin der Iranerin Firouzeh Wadi vorbelastet: Ihr Ehemann Aydin Kaval leitete den Integrationsbeirat bis 2008 zehn Jahre lang.

Aus den 19 Kandidaten wurden 15 stimmberechtigte Mitglieder des Integrationsbeirates gewählt. Neben 13 Beiräten aus Äthiopien, Eritrea, China, Georgien, Griechenland, Polen, Rumänien, Togo und der Türkei und ist auch die Gruppe der Spätaussiedler vertreten. Fast zwei Drittel der Mitglieder sind Frauen. 

Volker Dittmar


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