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Mehr Schrauber als Fahrer

Franz Grassinger startet beim EM-Lauf im Classic-Trail - 19.07.2007

«Ich fahre nicht auf der Straße»: Franz Grassinger (Bildmitte) sowie seine Vereinskameraden Bernd Zienert (rechts) und Gustav Franke brettern auch im fortgeschrittenen Alter noch mit ihren Spezialmotorrädern durchs Gelände. Franke war früher Deutschlands bester Trial-Fahrer, heute dreht der 69-Jährige nur noch zum Spaß am Gashahn. © Scherer


das hört sich nach ein paar älteren Herren an, die nicht von ihrem Spielzeug lassen können.

Grassinger: Das stimmt schon. Jedes Mal, wenn man sich eine dieser herrlichen Maschinen kauft oder restauriert, geht eine Art Jugendtraum in Erfüllung. Aber inzwischen gibt es auch viele Jüngere, die mitmachen, vor allem bei den Twin-Shockern, also den Motorrädern mit zwei Federbeinen, die bis Mitte der 80er Jahre Standard waren.

Sie persönlich besitzen zehn Maschinen zumeist englischen Fabrikats. Verbringen Sie mehr Zeit mit Schrauben oder mit Fahren?

Grassinger: Ganz klar mit Schrauben. Mir macht das fast noch mehr Spaß als das Fahren. Ich bin von Beruf Diplom-Ingenieur, mir liegt das Basteln im Blut, das war schon immer so.

Was macht den Unterschied aus, zum Beispiel zwischen einer «Matchless» und einem deutschen Fabrikat.

Grassinger: Die Engländer haben meistens mehr Hubraum, so zwischen 350 und 600 ccm. Das sind Ein-Zylinder-Motoren, die laufen so wunderbar niedertourig wie ein alter Lanz-Bulldog. Bumm, bumm, bumm.

Aber beim Trial kommt es doch darauf an, dass man aus dem Stand heraus maximal beschleunigen kann, um ein Hindernis zu nehmen.

Grassinger: Was das moderne Trial angeht, haben Sie vollkommen Recht. Das wird aber eben oft verwechselt. Wir fahren nicht über hohe Hindernisse und springen nicht auf schmalen Balken herum. Das würden unsere Motorräder gar nicht aushalten. Unser Parcours führt uns um Bäume herum und über leichtere Stufen. Hindernisse förmlich anspringen können wir nicht.

Warum eigentlich nicht?

Grassinger: Der Trialsport wurde revolutioniert durch die Einführung der Mono-Shocker, also der einfach gefederten Maschinen mit viel mehr Federweg als wir haben. Das gesamte Dämpfersystem und neue, leichtere Materialien machen diese Geräte so handlich, dass man mit ihnen förmlich herumspringen kann. Aber Geschicklichkeit und Körperbeherrschung braucht der Classic-Trialer schon auch.

Was muss man für ein nostalgisches Trial-Motorrad ausgeben?

Grassinger: Die späteren Twin-Shocker von Honda oder Yamaha kann man schon ab 1000 Euro bekommen. Unsere Engländer sind da schon etwas teurer. Das gilt vor allem für meine Ariel, die der frühere Europameister Sammy Miller gefahren hat. Da bekommt man für 1000 Euro nicht einmal einen neuen Zylinderkopf.

Wie sieht es mit Ersatzteilen aus?

Grassinger: Die muss man zum Teil eigens anfertigen lassen. So kommt ein handgemachtes Zahnrad schon auf 400 bis 500 Euro.

Fahren Sie mit Ihren edlen Bikes auch mal auf der Straße?

Grassinger: Niemals. Ich bin überhaupt kein Straßenfahrer, ich bin eigentlich immer nur im Gelände unterwegs.

Wie viele von Ihrer Sorte kommen am Wochenende?

Grassinger: Ich rechne mit mindestens 100 aus ganz Europa. Weil ein anderer Veranstalter abgesagt hat, haben wir jetzt auch noch einen deutschen Meisterschaftslauf dazubekommen. Die nationale Elite ist auf jeden Fall da. Interview:

KURT HEIDINGSFELDER

Der AMC Zirndorf knüpft mit der Veranstaltung an die Tradition der Hainbergtrials und der Geländefahrten in den 60er Jahren an. Der Euro-Cup wird in sechs Ländern ausgefahren, weitere Läufe finden in Belgien, Italien, England, Österreich, Holland und Deutschland statt. Die Rennstrecke des AMC befindet sich bei Wintersdorf neben der Erddeponie Rangau. Die Wettbewerber beginnen am Samstag um 13 Uhr und am Sonntag um 10 Uhr. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei. 

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