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Missstände im Finanzsystem aufgezeigt

Demonstranten nahmen in Fürth die Fehlentwicklungen der Geldwirtschaft aufs Korn - 14.05.2012 09:00 Uhr

Zum Sitzblockade-Training haben sich Demonstranten am Occupy-Aktionstag vor der Deutschen Bank in der Fürther Fußgängerzone niedergelassen.

Zum Sitzblockade-Training haben sich Demonstranten am Occupy-Aktionstag vor der Deutschen Bank in der Fürther Fußgängerzone niedergelassen. © Hans-Joachim Winckler


Gregor Hommel ist von der letzten Nacht sichtlich gezeichnet. Gemeinsam mit anderen Aktivisten hat er im Occupy-Camp auf der Kleinen Freiheit übernachtet. Die Demo, die am Samstagmorgen den Höhepunkt des Aktionstages darstellt, will er trotzdem nicht verpassen: Der IG-Metaller hat sich die typische Occupy-Maske über den Hinterkopf gezogen, als Zeichen des Protestes trägt er einen leeren Obstkarton mit der Aufschrift: „Ich bin so sauer.“

Gregor Hommel will auffallen, um aufzurütteln. „Wenn ich die Fehler, die eine Bank begangen hat, ausbügeln muss — da läuft doch was falsch“, sagt der IG-Metaller. Den Unmut über die weltweite Finanzkrise teilt er mit den rund 40 anderen Demonstranten, die auf ihrem Weg durch die Innenstadt zunächst an der Commerzbank Halt machen. Ihr Protest richtet sich gegen die sogenannte Troika, bestehend aus der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds. Dieser Zusammenschluss würde, so die Meinung der Redner, einen Sparkurs auf Kosten der Armen und zugunsten der Reichen vorantreiben.

Einige Demonstranten haben aus Pappe Hände ausgeschnitten, die die Aufschrift „Krisen-Verursacher + -Gewinner“ tragen. Die Zeigefinger deuten anprangernd auf das Bankgebäude, das für den Moment das gesamte Banksystem versinnbildlicht. Die Aktivisten zeigen sich auch solidarisch mit den Aufständen in Griechenland — eine Einstellung, die nicht bei jedem Passanten gut ankommt. Es fallen Sätze wie „Die haben es ja nicht anders gewollt“ oder „Wen kümmert’s?“ Hannelore Kiefer vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt lässt das Schicksal der Griechen dennoch nicht kalt. Sie ist eine der Rednerinnen am heutigen Tag und findet es „einfach erschütternd, wie es den Menschen dort geht“.

Doch auch in Fürth sieht Kiefer Handlungsbedarf. „Wir haben hier auch mit Leiharbeit und Dumpinglöhnen zu kämpfen“, kritisiert sie. Sie spricht von Bedürftigen, die nicht einmal mehr die Rezepte in der Apotheke einlösen, weil sie die Zuzahlungen nicht auf sich nehmen können.

Solche Geschichten kennt Joachim Schwarz von der Fürther Erwerbslosen-Initiative nur zu gut. Es sei höchste Zeit, etwas zu ändern. „Wir setzen uns für ein Sozialticket für Bus und Bahn und einen sozialen Stromtarif ein“, erklärt er die Hauptziele der Initiative. Für ihn sei es unerklärlich, dass Arbeitslose häufig als Schmarotzer hingestellt werden, während Milliarden an Steuergeld in die Rettung von Banken fließen. Seine Worte finden spontanen Beifall.

Die Gruppe zieht weiter zur Deutschen Bank in der Fußgängerzone. Für die Aktionstage kommendes Wochenende in Frankfurt probt die Jugendantifa Fürth hier den Ernstfall: Ein gutes Dutzend Demonstranten bildet eine Sitzblockade, während sich Freiwillige und Passanten bereiterklären, die vermeintlichen Blockierer wegzutragen. Die Demonstranten wehren sich mit Händen und Füßen: Ein Spektakel, das nicht nur die Polizei amüsiert beobachtet.

Trotz der vielen kritischen Stimmen findet Joachim Schwarz zuletzt doch noch optimistische Töne: Einiges sei auf einem guten Weg. So würde beispielsweise das Jobcenter in Fürth in engem Kontakt zur Erwerbsloseninitiative stehen. „Schließlich ist es besser, miteinander zu reden, als übereinander“, bringt es Schwarz auf den Punkt. 

ILONA KRIESL

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