Dienstag, 26.03.2019

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Mit neuen Ideen gegen gedankenlose Wegwerf-Orgien

Die Fürther Schule der Phantasie erkundet im Auftrag der städtischen Abfallwirtschaft innovative Wege fürs Recycling - 08.04.2009

Von der Sonnenbrille aus einem Eierkarton über den Wärmemantel aus einem Müllsack bis hin zu fantastischen Schmuckschatullen und Stifteboxen reicht die Produktpalette der jungen Erfinder. © Hans–Joachim Winckler


«Re-Design» heißt das Zauberwort. Darunter verstehen Fachleute das Entwickeln neuer Funktionen für nutzlos gewordene Gegenstände. Auf diese intelligente Weise kann Müll vermieden und die Umwelt entlastet werden. Deshalb ist Re-Design auch für die städtische Abfallwirtschaft interessant. In der Schule der Phantasie hat sie einen Partner für ein ehrgeiziges Unternehmen gefunden.

Die Kleeblattstadt soll sich nach dem Willen der Umweltplaner auch als Ideenschmiede in Sachen Wiederverwertung einen Namen machen. Im Herbst soll die dritte «JungErfinderMesse Fürth» für Produkte aus Abfall über die Bühne gehen. Die Vorbereitungen dazu sind jetzt angelaufen. Zur Teilnahme aufgerufen sind Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 18 Jahren. In den Osterferien können sie sich bei Kreativprojekten im Haus Phantasia in der Wasserstraße 5 bereits auf kommende Herausforderungen einstimmen. Später wird das Unternehmen Re-Design auch in Fürther Schulen und Horten vorangetrieben.

Gewicht erhält es durch die Beteiligung heimischer Firmen: Sie stellen brauchbares Abfallmaterial zur Verfügung und vergeben gleichzeitig Aufträge zur Entwicklung bestimmter Produkte. Drei Firmen sitzen bereits mit im Boot. Ulrike Irrgang von der Schule der Phantasie hofft auf viele weitere Mitstreiter.

Rund 8000 Euro investiert die städtische Abfallwirtschaft in Workshops und Werbung. Abfallberater Bernhard Maid hofft insgeheim, dass Fürth der Messestadt Nürnberg einmal mit Ideen aus Müll die Schau stehlen kann. Auch die Verbindung mit dem Forschungspotenzial des Technikums Neue Materialien in der Uferstadt ist für Maid verlockend. Recycling könne ein interessantes Feld der jungen Wissenschaftsstadt werden.

Verspielter Ansatz

Spielerisch machen sich die jungen Erfinder derzeit mit der Materie vertraut. In der Zukunftswerkstatt der Schule der Phantasie arbeiten sie mit Plastikmüll und Kartonagen. Gestern wurden Visionen des Lebens im Jahre 2077 entwickelt. Herausgekommen ist etwa ein Energiesparhaus, das extreme Temperaturen ausgleicht, oder ein Energieweg, der über im Boden versenkte Generatoren beim Begehen Strom liefert.

Nächste Woche ist Re-Fashion angesagt: An Stoffabfällen können sich junge Modeschöpferinnen versuchen. Passenden Schmuck aus Müll hat die Belegschaft des Hauses Phantasia in den vergangenen Tagen bereits produziert. Etwa federleichte Halsketten aus Alufolie, die sich durch besonderen Tragekomfort auszeichnen. Ungemein anregend ist die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Hinterlassenschaft der Wegwerfgesellschaft allemal. 

Volker Dittmar

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