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Freitag, 16.11.2018

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Moderne Mobilität: Große Pläne fürs Steiner Krügel-Areal

Komfortables Wohnen soll auf ein zeitgemäßes Verkehrskonzept treffen - 30.05.2018 06:00 Uhr

Noch stehen die Betonbauten des alten Krügel-Möbelhauses an der Deutenbacher Straße in Stein. Der Bauzaun signalisiert, dass die Tage der Gebäude gezählt sind. An ihrer Stelle sind Wohnungen geplant. © Foto: Giulia Iannicelli


Das etwa 2,5 Hektar große Areal an der Deutenbacher Straße in Stein ist der ehemalige Stammsitz von Möbel Krügel. Das Grundstück liegt nicht nur in unmittelbarer Nähe wichtiger Verkehrsachsen, sondern hat auch hochwertige Grün- und Naherholungsflächen in der Nachbarschaft. Die Lage der 260 Wohneinheiten, die entstehen sollen, dürfte also attraktiv sein – wenn nur nicht die hohe Verkehrsbelastung in Stein wäre.

Steins Kommunalpolitiker wollten deshalb vom Verkehrsplanungsunternehmen SHP Ingenieure aus Hannover alternative Vorschläge für eine umwelt- und sozialverträgliche Gestaltung des Bebauungsplans des Gebietes: Ziel ist ein angenehmes Wohnumfeld, das gleichzeitig Kraftfahrzeuge weitgehend überflüssig machen könnte.

Vernachlässigte Fußgänger

Jetzt legte SHP in einer Bauausschuss-Sitzung seine Resultate vor. Der Fußverkehr sei in der Stadtplanung in ganz Deutschland lange Zeit vernachlässigt worden, heißt es seitens SHP. Zudem sei der Radverkehr überall ein Trendfaktor, der an Bedeutung gewinne: E-Bikes befeuern neue Denkansätze und gerade hügeligere Regionen wie Stein werden durch Pedelecs einfacher befahrbar. Fahrradfreundlichere Verkehrswege sind deshalb eines der Zukunftsthemen in der Stadt.

Damit sich aber auch der klassische Autofahrer mit der künftigen Bauplanung anfreunden kann und sich die Parkplatzsituation entspannt, sollen Stellplätze an einigen Stellen zusammengefasst werden. Quartiersgaragen könnten eine Lösung sein.

Das Krügel-Areal biete mit seiner zentralen Lage und einem Mobilitätskonzept der Investoren sehr gute Ansätze für eine moderne Interpretation des Nahverkehrs, sagt SHP. Die Voraussetzungen seien bestens: Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte auf, dass fast 30 Prozent aller mit dem Kfz zurückgelegten Wege in diesem Gebiet kürzer als drei Kilometer waren. Der Umstieg auf das Rad könnte also leicht fallen angesichts der Kürze der Strecken.

Erfolgreiche Vorbilder

Als Vorbilder könnten erfolgreiche Projekte aus München, Freiburg oder Münster dienen, die teils dazu führten, dass Bewohner im Schnitt weniger Autos besitzen, weil sie schlicht nicht nötig sind. Die durchschnittliche Zahl von Fahrzeugen pro Wohneinheit sank durch umfangreiche Fuß- und Radwegesysteme, Mobilitätsstationen mit Carsharing und Leihrädern oder übertragbare Tickets für den Nahverkehr mancherorts auf 0,75. In Stein besitzen Haushalte aktuell im Schnitt fast zwei Fahrzeuge.

Bürgermeister Kurt Krömer wünscht sich aber nicht nur das. Für ihn stehen vor allem "sozialverträgliche Mieten" im Fokus. Der Wohnungsdruck in der Stadt Stein sei groß, weshalb es das Ziel sei, "aus dem hochpreisigem Bau herauszukommen". Es könnten auch günstigere Wohnungen angeboten werden, wenn beispielsweise weniger in Stellplätze investiert werden müsse. Keinesfalls aber sollen Mieter dazu verpflichtet werden, auf das Auto zu verzichten. Das sei rechtlich auch gar nicht möglich, betonte Bürgermeister Krömer.

Ende Juni wird SHP wieder im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss auftreten und soll dann das Thema Verkehr noch weiter vertiefen, denn schließlich sieht die Stadt das ehemalige Krügel-Areal nicht nur bezüglich der Nachhaltigkeit, sondern auch hinsichtlich der Neubürgerakquise als Vorzeigeprojekt in der Faberstadt an. 

SEBASTIAN ZELADA

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