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Rainer Schlotter hebt den Deckel der grünen Biomülltonne. Radinka Gavran beugt sich darüber und inspiziert den Haufen übel riechender Abfälle. Sie bleibt trotz des Gestanks tapfer und deutet auf zwei leere Chipstüten, die sich unter verrottenden Kartoffelschalen verbergen. «Fehleinwurf“, sagt die 33-Jährige zu Schlotter, der sich daraufhin auf einem DIN-A4-Blatt Notizen macht.
Verschnürtes Papier
Ob Windeln im Biomüll, abgenagte Hühnerbeine im Papierabfallbehälter oder verschnürte Zeitungen in der Restmülltonne: Schlotter, Gavran und den neun anderen Abfalldetektiven, die seit Anfang des Monats in der Innenstadt unterwegs sind, entgeht nichts.
Sie sind ehrenamtlich auf Tour, das Zentrum aktiver Bürger kümmert sich um Organisation und Fortbildung der Berater. In Kürze erhalten sie auch einen Ausweis, mit dem sie sich darauf berufen können, im Auftrag des städtischen Umweltamts in den Tonnen zu schnüffeln, denn Ende Juli haben die Mitglieder des Umweltausschusses für die Einrichtung der Ehrenamtlichengruppe gestimmt. Bernhard Maid vom Umweltamt ist froh, weil so das Ganze «auf einer soliden Basis steht“.
Auch bei der Stadt gibt es Abfallberater. «Doch die Arbeit der Ehrenamtlichen könnten wir gar nicht leisten“, betont Maid. Denn auch wenn sich im Laufe der vergangenen Jahre vieles in punkto Mülltrennung verbessert habe, so gebe es nach wie vor Problemquartiere. Dazu zählen Viertel in der Südstadt, wo Unrat in der Tonne durcheinander purzelt, gelbe Säcke Tage vor dem Abholtermin auf der Straße stehen und so Ungeziefer anlocken.
Ivan Gavran, ebenfalls einer der Berater, schüttelt den Kopf, als er in der Mathildenstraße im Hinterhof in eine Restmülltonne guckt. Bergeweise Gemüseschalen und ein ausgetrockneter Blumentopf liegen obenauf. «Das gehört da nicht hinein“, sagt er. Am liebsten ist es dem 39-Jährigen, wenn er dann gleich auf einen Bewohner trifft. Dem stellt er sich höflich als Abfallberater vor und erklärt, was in der Tonne nicht stimmt. Gavran, der vor Jahren mit seiner Frau aus Kroatien nach Deutschland kam, spricht drei Sprachen. «Das ist viel wert“, betont Maid, denn oft beherrschten die Leute das Sortieren nicht, weil sie kein Deutsch verstehen. Unterhalte man sich jedoch in der Muttersprache mit dem Müllsünder, dann «funktioniert das gleich viel besser“, sagt Gavran. Manche aber blieben trotzdem gleichgültig, hat seine Ehefrau Radinka bereits erfahren müssen. «Hauptsache, der Müll ist aus der Wohnung raus“, empört sie sich.
Bernhard Maid weiß, dass in solchen Fällen auch das finanzielle Argument zieht. Die Leerung einer 120-Liter-Restmülltonne kostet pro Jahr immerhin 215 Euro. Eine Altpapiertonne ist hingegen kostenfrei. Wenn eine Hausgemeinschaft fit im Abfalltrennen ist, fällt folglich wenig Restmüll an und sie spart Kosten, weil sie weniger Tonnen braucht.
Doch es gibt auch Hausbesitzer, die aus Kostengründen — vornehmlich in der Innenstadt — viel zu wenig Restmülltonnen aufstellen. Beispiel Pfisterstraße: In einem großen Gebäude mit Mietwohnungen entdecken die Abfallberater säckeweise Windeln und Pappkartons in der «gelben“ Tonne, die nur für Verpackungen mit dem Grünen Punkt bestimmt ist. «Klar, die Leute weichen mit ihrem Müll auf die anderen Tonnen aus“, weiß Maid. Doch das private Abfuhrunternehmen lässt falsch befüllte Behälter stehen. Und eine Sonderleerung kostet extra.
Wenn es in einem Haus überhaupt nicht mit der Trennung klappt, dann regt Maid schon mal schriftlich an, mehr Restmülltonnen aufzustellen. «Es macht ja keinen Sinn, wenn alles durcheinander fliegt oder am Ende auf der Straße landet.“
Ehrenamtliche Abfallberater möglichst mit Sprachkenntnissen (Türkisch oder Russisch) werden noch gesucht. Bei Interesse kann man sich ans Zentrum aktiver Bürger, Telefon: (09 11) 8 10 50 25 wenden.




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