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Freitag, 20.07.2018

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Musik-Perlen unter Fürths leuchtendem Sternenhimmel

Klassik-Open-Air im Stadtpark bot romantische Opernmusik der Philharmonie Prag - 02.07.2018 11:15 Uhr

Musik-Picknick: Gut gefüllt war die Liegewiese vor der Bühne, als die Smetana Philharmonie Prag unter Leitung von Hans Richter aufspielte. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Anders als in den Vorjahren konnte das beliebte Spektakel mit Picknick-Charakter unter zunächst glasklar blauem, dann wunderschön leuchtendem Sternenhimmel über die Bühne gehen. Mehrere Tausend Menschen hatten es sich auf der Liegewiese im Stadtpark bequem gemacht und sich durchaus unterschiedlich auf den Musikabend vorbereitet.

Da waren die konzentrierten Konzertgenießer, die sich auf bequem-praktischen Regie-Sesseln mit einem Glas Frankenwein ausgerüstet hatten; da hatten Gruppen auf großen Picknickdecken Obst, Nudelsalat, Sekt und Selters drapiert; und da waren erfreulich viele Familien mit Kindern, die fasziniert dem Bühnentreiben zuschauten und während einer Moll-Arie auch schon mal eine Partie Mau-Mau spielten

Das Fürther Stadttheater hatte dazu eingeladen, hier den Reigen der Open-Air-Klassikkonzerte in der Region zu eröffnen, bei freiem Eintritt Musik-Perlen zu genießen und einen Saisonhöhepunkt im Veranstaltungsreigen des Jubiläumsjahrs zu bieten. Thomas Lang von der Sparda-Bank, bewährter Sponsor der Classic Night, lobte die Beharrlichkeit der Fürther – und stellte ein weiteres Engagement im kommenden Jahr in Aussicht.

Die Smetana Philharmonie Prag war zum zweiten Mal der viel umjubelte Klangkörper dieser Veranstaltung. Hans Richter, Spross einer berühmten Dirigentenfamilie und langjähriger Chef des Orchesters, ließ bereits in Bizets "Carmen"-Ouvertüre mit bedrohlichen Paukenschlägen das Tragische von Bizets Erfolgsoper anklingen, breitete dann die ganze Bandbreite zwischen prachtvoller Dynamik der Bläsertutti und feinfühlig aufgefächerten Nuancen im seidigen Streicherklang aus.

Das glänzend aufgelegte Orchester legte auch für Ester Pavlû, erfolgreiche Mezzosopranistin aus Prag, bei der Habanera der Carmen einen vielschichtigen Klangteppich aus. Pavlû stellte leidenschaftlich den lyrischen Charakter dieser Rolle heraus, aber auch das frech-provozierende Spiel mit der Liebe, die den bürgerlich-braven Don José am Ende aus der Bahn wirft.

Diesem gab der österreichische Sänger Thomas Paul, bei den Florianer Sängerknaben aufgewachsen und am Bruckner-Konservatorium Linz ausgebildet, mitreißend tenoralen Schmelz in seiner Blumenarie, wenn er versicherte: "Carmen, je t’aime!". Beide machten das Elektrisierende der dramatischen Liebesbeziehung im Duett der "Seguidilla" sowie im Finale der Oper gestisch wie auch stimmlich virtuos fühlbar.

Dazwischen hatte das Orchester mit etwas ruhigeren Töne von Bizets Suite "L’Arlésienne" die Zuhörer ausspannen lassen. In der Handlung des in der Provence angesiedelten Stücks geht es um die Liebeskonflikte eines jungen Bauern zwischen zwei Frauen. Die Prager Musiker überzeugten hier mit dem wunderbaren Marschrhythmus eines provençalischen Weihnachtsliedes; vom Saxophon intoniert ein melancholisches Liebesthema, ein tänzerisches Walzer-Trio und Glockenmotive der Hörner.

BR-Moderatorin Karin Schubert, seit vielen Jahren mit den Programmansagen der Classic Night betraut, führte charmant auch durch diesen Abend, verband dabei geschickt viel Hintergrundwissen zur Musik mit umsichtiger Präsentation der Künstler und auch des Veranstaltungsteams.

Der zweite Teil des Abend stand im Zeichen der Opern von Giuseppe Verdi, auf den Hans Richter und die Prager Philharmoniker die Zuhörer mit der "Aida"-Ouvertüre fast träumerisch zart einstimmten. In den großen Duetten aus "Aida" und "Il Trovatore" gaben Pavlû und Paul bewegende Darstellung dramatischer Verwicklungen und schmerzender Gefühlswirren. Großartig, wie das Orchester jetzt das Gefühl von "Italianità" ausstrahlte, wie Thomas Paul am Ende der Arie des Manrico in Originaltonhöhe ein prächtiges hohes "C" darbot.

Bei zwei Zugaben konnte das sichtlich ergriffene Publikum nochmals in die Klangsphäre eines Verdi und Bizet eintauchen, deren Opern auch in der kommenden Spielzeit am Stadttheater zu sehen sein werden. Die Zuhörer winkten mit Wunderkerzen, durch computeranimierte Live-Malerei unterstützte die Künstlerin Sascha Banck den musikalischen Eindruck auf einer großen LED-Bildwand. Sie kreierte ein sich änderndes Muster aus Farb-Augenblicken zur Musik.

Bildergalerie im Internet unter www.nordbayern.de/fuerth 

Michael Vieth

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