Dienstag, 25.09.2018

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"My Timeout": Kinder zeigen die Rote Karte

Kampagne des Landkreises Fürth will Schülern mehr Freiraum verschaffen - 09.03.2018 11:00 Uhr

Wenn Eltern dieses Logo auf der Roten Karte sehen, dann ist klar: Ihre Kinder brauchen dringend einmal eine Auszeit. © Foto: André De Geare


Rot, grün, blau: Finger greifen nach den farbigen Griffen, Arme ziehen den Körper in der Kletterwand geschmeidig nach oben, bis auch die Füße wieder Halt finden. Die Boulderhalle "Der Steinbock" ist an diesem Nachmittag fest in Kinderhand. Sport, Spaß, Spiel, was könnte Freizeit besser beschreiben?

Auch Franziska Leibrecht ist im Treiben voll mit dabei. Allerdings hat die Neunjährige sofort eine Idee, für was sie das wichtigste Utensil der neuen Landkreiskampagne einsetzen würde. Knallrot kommt es im Scheckkartenformat daher, mit einer gelben Hand, darin der Schriftzug: "My Timeout". Und wenn Franziska ihren Eltern diese Karte vor die Nase halten würde, "dann möchte ich einmal nicht zum Reiten, Voltigieren oder zum Hip-Hop, sondern stattdessen Lesen, malen oder Hörbücher hören".

Einfach mal "chillen"

Darum geht es. Um das "unbeschwerte Sein", wie es Landrat Matthias Dießl formuliert. Nichts tun, einfach abzuhängen, zu "chillen", das ist in unserer durchgetakteten Gesellschaft eigentlich nicht vorgesehen, für junge Menschen aber enorm wichtig. Kinder sollen deshalb über ihre Freizeit selbst bestimmen und das den Erwachsenen mit der Roten Karte signalisieren. Diese werden ab nächster Woche an allen Schulen im Landkreis in den ersten bis zu den zehnten Klassen verteilt. Wer will, kann sie in Jugend- und Rathäusern abholen. Dort sollen im Übrigen, ebenso wie in den Schulen, bald Plakate mit Slogans wie "Ich bin dann mal raus" oder "Ich mache heute mal, was ich will" auf die Kampagne hinweisen.

Die vom "Runden Tisch Familie" im Landkreis jährlich organisierte Familienkonferenz hat das Thema Freiheit und Freiraum der Jugend bereits im November 2017 in den Mittelpunkt gerückt. In den vergangenen Wochen und Monaten hat insbesondere Tabea Höppner, Jugendhilfeplanerin im Landratsamt, bereits in diversen Netzwerken und bei Treffen die Werbetrommel gerührt. Etwa bei den Schulleitern, die mit den Lehrerinnen, Lehrern und den Eltern wichtige Mitspieler bei der Kampagne sind und entscheidend dazu beitragen werden, ob "My Time out" erfolgreich sein kann – oder scheitert. Generell habe das Projekt große Zustimmung bekommen, sagt Tabea Höppner, jedoch seien auch Bedenken geäußert worden mit Blick auf die Umsetzung im Detail.

"In der Schule wird es nicht einfach werden", glaubt Maximilian Gaul, Vorsitzender des Rundes Tisches. Er hofft, dass die Kinder auf ihre Lehrer zugehen, diese sich darauf einlassen und "etwas daraus machen". Aber auch Eltern könnten sich angegriffen fühlen, weil sie doch nur das Beste für ihre Kinder wollten. "Es gibt keine Patentrezepte. Und es braucht Mut, denn das Thema stellt sich ein Stück gegen den Zeitgeist", weiß Christian Löbel vom Kreisjugendring, der das Projekt mit dem Bezirksjugendring und dem EU-Leader-Förderprogramm finanziell unterstützt.

Geplant ist im Zuge der, laut Landratsamt, "bayernweit bislang einmaligen Aktion", ein Jahresprogramm, unter anderem mit einem landkreisweiten Elternabend am 10. April in der Grundschule Zirndorf (18 Uhr) mit einem Vortrag zum Thema "Draußen spielen". Zwei Fachtagungen sind terminiert, und vom 17. bis zum 28. September findet die Aktion "Zu Fuß zur Schule" statt.

Mehr Informationen zur Kampagne unter www.mytimeout.de sowie auf Instagram und Facebook. 

Harald Ehm

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