Donnerstag, 13.12.2018

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Nach Attacke in Fürther Unterführung wächst die Furcht

Viele Menschen verspüren gerade in düsteren Passagen massives Unbehagen - 05.12.2018 07:19 Uhr

Ein ungutes Gefühl beschleicht viele Passanten gerade in der dunklen Jahreszeit in der Unterführung zur Jakobinenstraße. © Foto: Hans Winckler


Die Polizei jagt viele Kriminelle – Diebe, Einbrecher, Drogenhändler. Doch wirklich schwer zu fassen ist manchmal etwas anderes, das vermeintlich harmlos daherkommt: das Gefühl. Als Gegner sollte man es aber keinesfalls unterschätzen.

"Gegen das Gefühl kann man sich nicht wehren", sagt Mark Kohl. Ihm ist bekannt, dass Vorfälle wie der Angriff auf einen Passanten auf offener Straße bei vielen Menschen eine Angst auslöst, die sich aber faktisch oft nicht belegen lässt. Der stellvertretender Leiter der Fürther Polizeiinspektion liefert auch gleich Zahlen, die helfen sollen, das mulmige Gefühl zu relativieren: Von Jahresbeginn 2017 bis zur Tat am vergangenen Freitag kam es in besagter Unterführung lediglich zu einer weiteren Körperverletzung.

Dabei handelte es sich allerdings um eine Beziehungstat, die überall hätte passieren können. Zwei weitere Delikte gab es in der Grünanlage unmittelbar am U-Bahn-Ausgang. Weiter zurück liegt ein besonders tragischer Fall: 2015 starb ein junger Mann nach einer Messerattacke im Verteilergeschoss der U-Bahn.

Eine besondere Häufung von Straftaten in der Unterführung oder in ihrer unmittelbaren Nähe lässt sich laut Kohl nicht ablesen. Er versteht dennoch, dass düstere Orte bei vielen Menschen Ängste hervorrufen. Eine bessere Beleuchtung könnte schon helfen, sagt er. Außerdem patrouillierten in der Gegend verstärkt Beamte — zu Fuß oder mit dem Wagen. Das tun sie auf der Achse zwischen Hauptbahnhof und Stadtgrenze sowieso regelmäßig, ebenso wie an anderen Stellen – etwa auf der Freiheit oder am Obstmarkt. Außerdem werte die Polizei täglich die Lage aus und reagiere bei Bedarf mit zusätzlichen Streifen.

Kohl betont aber auch: In Fürth könne man sich überall problemlos bewegen, die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Verbrechens zu werden, sei sehr gering. Die Zahl der Körperverletzungen im öffentlichen Raum liegt laut Statistik bei rund 280 im Jahr. Für 2018 prognostiziert Kohl sogar eine deutlich niedrigere Zahl.

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Auch Plätze, die von der Polizei mit Kameras überwacht werden, gibt es in der Kleeblattstadt nicht – aus rechtlichen Gründen. Vorgabe nämlich ist, dass es dort immer wieder zu Vorfällen oder Straftaten kommen muss. In Nürnberg etwa ist das in der Königstorpassage am Hauptbahnhof der Fall. In Fürth sind lediglich die U-Bahnhöfe und angrenzende Bereiche mit Kameras der VAG ausgestattet. Der städtische Ordnungsamtschef Hans-Peter Kürzdörfer begrüßt die bisherige Regelung. Er ist dagegen, präventiv und ohne Not den gesamten öffentlichen Raum mit Kameras zu bestücken. "Das wollen die Bürger nicht", ist er sich sicher.

Fürths Stadtplaner Dietmar Most würde das Problem mit dem mulmigen Gefühl an anderer Stelle anpacken, wie er auf FN–Anfrage sagt. Ihm wäre es am liebsten, wenn man Unterführungen — besonders natürlich jene, die Fußgängern vorbehalten sind, gänzlich überflüssig macht. Der Trend gehe dahin, die Passanten mittels einer Ampel über Kreuzungen zu leiten statt unter einer Fahrbahn hindurch. Schwieriger wird es bei Passagen, die auch der Autoverkehr nutzt. Diese oberirdisch zu führen, sei praktisch unmöglich. In solchen Fällen müsse man aber auf jeden Fall die Beleuchtung überprüfen und gegebenenfalls nachbessern. Most nimmt sich vor, dieses Anliegen an seine Stadtverwaltung weiterzugeben.

Schriller Ton

Tipps, wie man als Fußgänger gegen das Unbehagen angeht, kommen von Thomas Angermeyer. Der Kriminalhauptkommissar ist bei der Fürther Kripo für die sogenannte verhaltensorientierte Prävention zuständig. Regelmäßig gibt er Kurse, in denen man lernt, wie man sich in brenzligen Situationen richtig verhält oder sie schon von vornherein vermeidet.

Er rät etwa zu Pfefferspray oder, noch besser, zu einem Schrillalarm: Er kommt aus einem kleinen Lautsprecher, der bei Aktivierung einen grellen Ton ausstößt und Angreifer in die Flucht schlägt. Oder sie zumindest so aus dem Konzept bringt, dass das Opfer Zeit hat, zu reagieren.

Das, betont Angermeyer, ist der wichtigste Aspekt überhaupt. Damit es auch im Ernstfall gut klappt, sollte man etwaige brenzlige Situationen zuvor schon einmal gedanklich durchgespielt haben — und dann im Ernstfall richtig handeln. Und wer mit, womöglich auch noch düsteren, Unterführungen generell seine Probleme hat, der sollte versuchen, sie komplett zu umgehen.

Die Polizeiberatung Zeughaus in Nürnberg bietet regelmäßig kostenlose Beratungen zu diesem Thema an. Informationen gibt es unter der Rufnummer (09 11) 21 12 55 20. 

Gwendolyn Kuhn

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