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Netzwerker für Menschen mit Handikap

Stephan Beck setzt sich im Landratsamt für Mitbürger mit Behinderungen ein - 04.02.2013 13:00 Uhr

ZIRNDORF  - Viel vorgenommen hat sich Stephan Beck, der neue Behindertenbeauftragte des Landratsamtes. Nach einem Vierteljahr in seinem Amt zieht er eine erste Bilanz.

Für Behinderte und ihre Anliegen will Stephan Beck da sein.
Für Behinderte und ihre Anliegen will Stephan Beck da sein.
Foto: Hans-Joachim Winckler
Für Behinderte und ihre Anliegen will Stephan Beck da sein.
Für Behinderte und ihre Anliegen will Stephan Beck da sein.
Foto: Hans-Joachim Winckler

Herr Beck, für wen sind Sie Ansprechpartner?

Stephan Beck: Das beginnt bei Bürgern aus dem Landkreis mit einer Schwerbehinderung, Senioren und deren Angehörigen, geht weiter über Arbeitgeber und Wohnbaugenossenschaften und reicht bis zu den hiesigen Kommunen.

Wie können Sie einem Bürger konkret helfen?

Beck: Ich kann Ratschläge geben, an die richtigen Stellen verweisen oder schnell einen Termin organisieren. Beispielsweise wenn es um Zuschüsse für eine behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung geht oder um Anträge beim Versorgungsamt zum Grad der Behinderung. Aber ich besuche Menschen auch, wenn es um eine künftige barrierefrei Wohnung geht.


Was haben Sie mit Arbeitgebern zu tun?

Beck: So manchem Arbeitgeber stehe ich zur Seite, wenn ein Mitarbeiter nach Krankheit oder Unfall in irgendeiner Form plötzlich seine Arbeitskraft nicht mehr wie gewohnt einbringen kann. Ich berate, damit der Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz behalten kann. Unterstützung gibt es auch vom Integrationsfachdienst, der hilft, das Arbeitsfeld gegebenenfalls umzugestalten. Ich plane außerdem eine Veranstaltung mit der Fürther IHK, in der es um das betriebliche Eingliederungsmanagement geht, wenn Beschäftigte länger als 42 Tage in zwölf Monaten krank waren.

Verpflichtend ist die Barrierefreiheit bei Neubauten von Wohnimmobilien. Wird sich daran gehalten?

Beck: Ich habe im Landkreis noch nicht viele barrierefreie Wohnungen gefunden.

Und die Kommunen?

Beck: Barrierefreies Bauen im Straßenbau und im Hochbau, dafür hat das Innenministerium einen Leitfaden erstellt. Daran habe ich federführend mitgearbeitet. Doch in der Realität sieht das oft anders aus. Da wird eigens eine behindertengerechte Toilette eingebaut, die dann aber als Lagerraum genutzt wird. Oder es werden Behindertenparkplätze angelegt, aber der Rollstuhlfahrer kann vom Parkplatz aus den Gehweg nicht erreichen, weil der Bordstein zu hoch ist. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist für mich ein Rundgang in einer Kommune, um gemeinsam mit dem örtlichen Seniorenbeirat zu überlegen, mit welchen baulichen Maßnahmen der öffentliche Raum barriereärmer wird.

Gedankenlosigkeit macht Behinderten das Leben also zusätzlich schwer.

Beck: Das und die zunehmende Rücksichtslosigkeit in unserer Gesellschaft.

Sehen Sie sich als Einzelkämpfer dagegen?

Beck: Nein, auf keinen Fall. Ich sehe mich als Netzwerker. Es ist meine Hauptaufgabe, die Anliegen Behinderter und Senioren besser bekannt zu machen. Die örtlichen Seniorenbeiräte sind dafür meine ersten Ansprechpartner. Denn wir alle werden immer älter, nur sind wir uns dessen oft nicht bewusst. Die Seniorenarbeit und die Behindertenarbeit liegen nicht so weit auseinander.

Sie sind für Ihre Tätigkeit beim Landkreis von Ihrem Arbeitgeber, der Autobahndirektion Nordbayern, für acht Stunden pro Woche freigestellt worden. Viel Zeit für die breite Aufgabenpalette ist das nicht?

Beck: Ja, das ist richtig. Über mangelnde Arbeit kann ich mich nicht beklagen. Die acht Stunden reichen leider nicht, da muss ich so manches mit nachhause mitnehmen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Landkreis?

Beck: Gut wäre es, wenn es ähnlich wie Seniorenbeiräte in jeder Kommune auch Behindertenbeiräte gäbe. Sie könnten dann meine Ansprechpartner vor Ort sein. Ein großer Traum von mir ist ein hürdenloser Wegweiser im Internet für den Landkreis Fürth. Der Landkreis Neustadt-Aisch hat das vorgemacht. Dort werden Wanderwege, die mit dem Rollstuhl zu befahren sind, Gaststätten und Hotels mit behindertengerechten Toiletten, aber auch die Ansprechpartner von Selbsthilfegruppen aufgelistet.

Woher haben Sie Ihr spezielles Wissen über das komplexe Thema?

Beck: Seit 1998 befasse ich mit damit. Damals wurde ich zur örtlichen Vertrauensperson für Menschen mit Behinderung gewählt. Später habe ich die Ausbildung Certified Disability Management Professional durchlaufen und 2010 erfolgreich abgeschlossen.

Das müssen Sie jetzt erklären.

Beck: Das ist eine weltweite Ausbildung, die in Deutschland etwa 1300 Menschen haben, die sich auf die Arbeit mit behinderten Mitmenschen spezialisiert haben.

Stephan Beck ist unter (0911) 97731705 zu erreichen, Rückrufnummer auf dem Anrufbeantworter oder im Sekretariat hinterlassen.

  

Interview: Beate Dietz


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