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Neue Grippe verunsichert die Patienten

Zahlreiche Anfragen in Fürther Arztpraxen und im Klinikum - Rund 180 bestätigte Fälle - 03.11.2009

FÜRTH  - Die blanke Angst vor der Neuen Grippe hat in Fürth einen Ansturm auf Arztpraxen und Klinikum ausgelöst. Häufig sind es Patienten mit harmlosen Infekten, die medizinische Hilfe suchen, oder Menschen ohne Symptome, die sich über die Impfung informieren wollen. Beim Staatlichen Gesundheitsamt Fürth steigt unterdessen die Zahl der Patienten, die sich mit dem Erreger H1N1 infiziert haben.

Dr. Herbert Steigenberger von der Fürther Kinderklinik nimmt einen Abstrich bei einem Jungen mit Verdacht auf die H1N1-Infektion.
Dr. Herbert Steigenberger von der Fürther Kinderklinik nimmt einen Abstrich bei einem Jungen mit Verdacht auf die H1N1-Infektion.
Foto: Thomas Scherer

Gestern mittag waren bei der Behörde 180 Fälle in Stadt und Landkreis registriert. Wie Amtsleiter Werner Hähnlein sagte, sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. Mögliche Ursachen könnten sein: Junge Menschen haben etwa in der Schule besonders viele soziale Kontakte, und ihre Immunabwehr ist oft noch nicht so «kampferprobt» wie die von Erwachsenen.

Alle Hände voll zu tun hatte am Wochenende das Personal der Fürther Kinderklinik. Nach den Worten des Leitenden Oberarztes Dr. Herbert Steigenberger sah sich die Mannschaft der Notfallambulanz am Samstag und Sonntag mit insgesamt 140 Patienten vom Kleinkind bis zum Jugendlichen konfrontiert, die mehr oder weniger stark unter Fieber, Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit litten. Doch musste kein einziges Kind stationär behandelt werden. Eine Handvoll Verdachtsfälle gab es laut Steigenberger in den vergangenen Wochen an der Kinderklinik. Bei zwei Jugendlichen wurde die Schweinegrippe diagnostiziert. In beiden Fällen verlief sie milde.

Man dürfe die Krankheit dennoch nicht verharmlosen, warnt der Ärztliche Leiter der Zentralen Notaufnahme am Klinikum, Dr. Harald Dormann, und verweist auf die prinzipiell rasche Veränderbarkeit des Erregers. Fragen zur Impfung und zum Labortest würden daher geduldig beantwortet, auch wenn die meisten Betroffenen nur schwache Erkältungssymptome aufweisen und sich bei Nachfrage auch rasch zeige, dass sie keiner Risikogruppe angehören, also etwa nicht an Diabetes leiden oder chronisch lungenkrank sind.

Zweifel am Nutzen der Tests

Zwei Tage dauert es, bis das Ergebnis eines Labortests vorliegt, den bei entsprechender Indikation die Krankenkasse bezahlt. Mit Wattestäbchen werden Abstriche von Nasen- und Rachenraum gemacht. Dr. Franz Jobst, Sprecher des Ärzte-Netzes Fürth, hält wenig davon. Denn: «Die Tests sind zwar aus seuchenhygienischer Sicht sinnvoll, weil man sieht, wie die Krankheit um sich greift. Für die Therapie aber bringen sie nichts.» Die Neue Grippe werde ja nicht anders behandelt als die saisonale.

«Wahnsinnig viele Anfragen» prasseln derzeit auf die Praxis des Allgemeinarztes ein. Eine Helferin sei gestern vormittag fast drei Stunden nur damit beschäftigt gewesen, Fragen zur Impfung zu beantworten, sagt Jobst. Auf die grundlegende Frage - Impfen oder nicht impfen? - reagiert der Arzt «zurückhaltend». Er verweist auf eine aktuelle Studie aus Schweden. Dort seien 500 000 Personen gegen die Schweinegrippe geimpft worden, doch trotz der hohen Quote seien vier gestorben - «ein Verhältnis wie bei Nicht-Geimpften.»

Viel wichtiger sei es, sich gegen die normale Herbstgrippe impfen zu lassen, meint auch Allgemeinarzt Dr. Peter Heßler, dem zurzeit «lauter Patienten mit einem banalen Schnupfen die Bude einrennen». Sein Argument: «An der Influenza sterben bundesweit pro Tag fast hundert Menschen, an der Neuen Grippe waren es jetzt sechs in einem halben Jahr.»

Tipps zur Vorbeugung in der morgigen Ausgabe der FN. 


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