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Montag, 20.08.2018

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Neue Mauer spaltet Oberasbach: "Wie in Berlin"

Einige Anwohner fühlen sich veräppelt vom "Stadtmöbel", das vor Lärm schützen soll - 10.08.2018 11:00 Uhr

„Ist unser Rathaus so hässlich, das man es verstecken muss?“ Das fragen sich Erich Schreiner (re.) und Josef Wegele. Die neue Lärmschutzwand an der Vorderen Hochstraße sorgt bei den Anliegern für Diskussionen. © Thomas Scherer


Erich Schreiner steht mit seinem Nachbarn Josef Wegele in dessen Garten an der Sonneberger Straße 1. Wenn die beiden ihren Blick in Richtung des neuen Platzes schweifen lassen, sehen sie vor allen Dingen eines: grauen Beton. Vom mächtigen Rathaus und dem daran angrenzenden Hotel Montana spitzen gerade noch das oberste Stockwerk und das Dach über die Kante.

Rund 50 Meter lang und vier Meter hoch ist die Lärmschutzwand, die das Areal einfassen und mit den angepeilten so genannten "Ergänzungsbauten" auf dem benachbarten ehemaligen Festplatz ein Ensemble bilden soll. Schreiner und Wegele sprechen dagegen von einer Einhausung "wie hinter einer Gefängnismauer". Von wegen "Stadtmöbel", der Betonklotz sei alles, aber nicht mobil. Sogar das Stichwort "Berliner Mauer" fällt. "Da", sagt Schreiner, "fehlt nur noch der Stacheldraht."

Für die Stadt hat aber der Lärmschutz der Anwohner oberste Priorität: Die Geräusche der Autos, die hier einmal parken bzw. die Tiefgarage nutzen sollen, die Altenberger Kirchweih, aber auch Kleinkunstveranstaltungen, dereinst auf der kleinen Bühne gleich hinter der Mauer vorgesehen – die gesamte Lärmkulisse soll das Bauwerk einmal dämpfen.

Erich Schreiner und Josef Wegele sehen die Sache ein wenig anders. Seit über 30 Jahren wohnen sie direkt an der Vorderen Hochstraße. Den Parkplatz auf dem Deck der Tiefgarage gab es schon immer, die Kärwa sowieso – und sonstige Veranstaltungen? Maximal fünf seien das pro Jahr, für sie kein Problem.

Probleme mit Neubürgern

Die Stadt ist freilich sensibilisiert. Ihr Augenmerk gilt dabei natürlich den Alteingesessenen, aber noch mehr den zukünftigen Neu-Oberasbachern im Zentrum. Diesen Schluss lässt zumindest der Brief zu, den Norbert Schikora als Vertreter von Bürgermeisterin Birgit Huber an Erich Schreiner geschrieben hat. Darin heißt es: "Immer häufiger ist zu verzeichnen, dass sich vor allem zugezogene Bürger über Lärm beschweren, der von alt eingesessenen Bürgern akzeptiert oder toleriert wurde." Fast scheint es, als klängen hier die Querelen um die Unterasbacher Kärwa nach, gegen die ein noch nicht lange am Festplatz lebender Anwohner, wie ausführlich berichtet, heuer Front gemacht hatte. Es gebe Gerichtsurteile, fährt Schikora fort, die festgelegt hätten, Lärmquellen zu beseitigen. Der Bau der Wand ziele daher "nicht nur auf Ihren Schutz, sondern auch auf den Schutz künftiger Anwohner ab".

Schreiner und Wegele sehen aber ganz andere Knackpunkte, die sie ihrerseits dem Bauamt schriftlich mitgeteilt haben. Die Mauer verdecke nicht nur die Sicht auf die oberirdische Parksituation und provoziere so unnötige Ein- und Ausfahrten von Autos, in der Zusammenschau mit der Bushaltestelle entstehe auch mehr Lärm, den der Beton verstärkt auf die gegenüberliegenden Grundstücke leite. Eine erhöhte Unfallgefahr durch eingeschränkte Sichtverhältnisse befürchten die Nachbarn, da es für Parkplatz und Tiefgarage im Vergleich zu vorher nur noch eine Zufahrt gibt. Und nicht zuletzt, glauben sie, lägen die Sprayer schon auf der Lauer, um sich am "Stadtmöbel" zu versuchen.

Die Stadt hält dagegen: Insgesamt 141 Stellplätze böten genügend Kapazität für Parkplatzsuchende. Zwei Anzeigen sollen zudem die Anzahl der freien Flächen in der Tiefgarage kommunizieren. Mehr Lärm? Nach Aussage der im Schreiben zitierten Experten im Landratsamt veränderten die Reflexionen der Wand den Pegel nur "in der Nachkommastelle". Eine höhere Unfallgefahr befürchtet die Kommune ebenfalls nicht, unter anderem weil an Ein- und Ausfahrten "immer erhöhte Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme geboten" sei. Was die Sprayer angeht – die Wand bekommt einen entsprechenden Schutz, der es erleichtern soll, unerwünschte Schmierereien zu entfernen.

Erich Schreiner hat all die Bedenken bei der Bürgerfragestunde in der jüngsten Stadtratssitzung noch einmal vorgetragen. Seine Nachbarn und ihn ärgert auch der Vorwurf, sie hätten sich nicht rechtzeitig um das Thema gekümmert und dafür interessiert. Im April und November 2016 sei man zu Gesprächen im Bauamt gewesen, ebenso im Frühjahr 2017. Immer habe es geheißen, man werde benachrichtigt, wenn es Entscheidungen zu Größe und Material der Mauer gebe. Vor den Stadträten beklagte Schreiner eine "hinhaltende Informationstaktik", stattdessen seien "vollendete Tatsachen" geschaffen worden.

Aber auch jetzt glauben die Anwohner, könnte die Stadt noch tätig werden: Sie wünschen sich lärmmindernde Maßnahmen, wie eine strukturierte Wandoberfläche oder eine Holzverkleidung. Große verglaste Mauerunterbrechungen oder eine Begrünung mit Moos würden zudem für eine optische Verbesserung sorgen.

Zu Gesprächen bereit

Bürgermeisterin Birgit Huber zeigt sich gesprächsoffen, plädiert aber dafür, das Projekt zunächst zu Ende zu bringen, um dann das Gesamtbild der Mauer mit den dann unter anderem davor gepflanzten Bäumen zu würdigen. Allerdings: Eventuelle Änderungen müssten ins architektonische Gesamtkonzept des Rathausplatzes passen. Was den Vorwurf mangelnder Informationspolitik angeht, streut die Bürgermeisterin Asche auf ihr Haupt. Im Bauamt habe es seinerzeit einen Mitarbeiterwechsel gegeben. Falls Zusagen gemacht und nicht eingehalten worden seien, tue ihr das leid, sagt sie. Denn: "Die Bürger einzubeziehen, ist mir sehr wichtig." 

Harald Ehm

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