Dienstag, 26.03.2019

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Neuer Verbund will den Hausärztemangel stoppen

Klinikum Fürth und Medic-Center Nürnberg kooperieren bei fünfjähriger Ausbildung - 06.11.2016 21:00 Uhr

Wieder mehr Mediziner für eine Zukunft als Hausarzt begeistern, will der neue Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin des Klinikums Fürth und des Medic-Centers Nürnberg, eines Verbunds von über 50 regionalen Fachärzten. © Foto: dpa


Angesichts des Ärztemangels gerade in der Allgemeinmedizin verspricht Medic-Center-Leiter Norbert Schöll den Absolventen praktisch eine Beschäftigungsgarantie, „wenn sie sich nicht gerade ganz dumm anstellen“. Daniela Wanka ist eine der ersten Teilnehmerinnen der Weiterbildung. Sie dürfte beste Karten haben, hat sie ihr Medizinstudium doch parallel zur Arbeit als Krankenschwester im Fürther Klinikum kürzlich erfolgreich abgeschlossen.

Einblicke in mehrere Disziplinen

Der Weg zum Allgemeinmediziner wird dank des Weiterbildungsverbunds nun etwas leichter zu finden sein. Fünf Jahre dauert die Spezialisierung — davon drei Jahre im Klinikum. In dieser Zeit sind die Teilnehmer nicht nur in der Inneren Medizin eingesetzt, sondern können auch Einblicke in andere Fachgebiete erhalten, wie die Allgemeinchirurgie, die Neurologie, die Urologie, die Unfallchirurgie und Orthopädie.

Die verbleibenden zwei Jahre werden dann in den medizinischen Versorgungszentren (MVZ) des Medic-Centers absolviert. Mit seinem Verbund aus über 50 Fachärzten an insgesamt 14 Standorten in Nürnberg und Umgebung deckt das Unternehmen die medizinische Grundversorgung in allen wichtigen Bereichen ab. Dazu zählen neben Allgemein- und Innerer Medizin etwa Diabetologie, Psychotherapie, Rehabilitations- & Physikalische Medizin sowie Gynäkologie. Zudem werden Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin angeboten.

Für Professor Harald Dormann, Chefarzt der Fürther Notaufnahme und Koordinator der Weiterbildung im Klinikum, trägt der Zusammenschluss auch zu „mehr Ehrlichkeit im Bewerbungsverfahren“ bei.

Unter falschen Vorgaben

Denn wer Allgemeinmediziner werden möchte, benötigt praktische Erfahrung in verschiedenen Fachgebieten. Die bekam ein angehender Facharzt bislang aber häufig nur, wenn er sich unter der Vorgabe bewarb, auch längerfristig in einer Abteilung, wie etwa der Neurologie, Chirurgie oder Geriatrie, arbeiten zu wollen. War der Mediziner dann nach einem halben Jahr wieder weg, um sein Karriereziel weiterzuverfolgen, hinterließ dieses Prozedere nicht selten auf beiden Seiten lange Gesichter.

Mit dem Verbund wollen die Partner nun die Ausbildung von Fachärzten für Allgemeinmedizin weiter voranbringen. In Bayern gibt es bereits Dutzende derartiger Zusammenschlüsse, jetzt auch in Fürth. Für Dormann stellt das Medic-Center einen „extrem kompetenten und reizvollen Partner“ dar, der für eine gute Qualifizierung der Teilnehmer stehe. „Denn in der ganzen Diskussion um den Ärztemangel wird viel über Zahlen, aber wenig über die Qualität der Medizin geredet“, findet er.

Selbstbestimmt arbeiten

Durch Kombination aus Klinik und medizinischen Versorgungszentren könnten die Ärzte ihr Leistungsprofil teils selbst bestimmen. „Das ist eine gute Ausgangsbasis, um später eine qualitativ hochwertige Allgemeinmedizin anbieten zu können“, resümiert Dormann. Künftig werden parallel bis zu sechs Jungmediziner die Weiterbildung absolvieren. Finanziell gefördert wird der Verbund von der Landesärztekammer, deren Koordinierungsstelle für Allgemeinmedizin die Gründung begrüßt. Schließlich hofft sie damit drohende Versorgungslücken verhindern zu können.

Harald Dormann ist von dem Konzept jedenfalls überzeugt: „Statt alle Weiterbildungsabschnitte selbst organisieren zu müssen und wertvolle Zeit zu verlieren, finden die Teilnehmer eine sinnvoll strukturierte und qualitativ hochwertige Weiterbildung mit individueller Betreuung vor. Dadurch können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich gute Allgemeinärzte zu werden.“ 

ARMIN LEBERZAMMER

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