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Oberasbach: Hainberg grünt der Beifuß der Kroaten

Stadträte erkunden im Museum, was das Leader-Projekt "Wallensteins Lager" bringen könnte - 27.03.2018 12:16 Uhr

Museumsführerin Gabriele Venus erklärte Oberasbachs Stadträten, wie der Musketier (hinten) seine Waffe bediente. Neulige begannen im Söldnerheer als Pikeniere (rechts.) © Foto: Thomas Scherer


Für Pazifismus ist gerade keine Zeit: Das Pulver muss in den Lauf, die handgegossene Bleikugel hinterher, ein Stück Leinenfetzen dazu und dann schön mit dem Ladestock nachstopfen: Norbert Schikora gibt unter der fachkundigen Anleitung von Museumsführerin Gabriele Venus den Musketier. Nicht gerade die Paraderolle für einen Politiker der Grünen, aber was sein muss, das muss eben sein. Also Pulver auf die Pulverpfanne, dann die rotglühende Lunte dranhalten, zielen – und gleich kracht es.

Im Obergeschoss des Museums, in dem sich in mehreren Räumen alles um Wallenstein, Gustav Adolf und die Schlacht an der Alten Veste dreht, kracht natürlich nichts. Der Musketier im Gefecht: alles nur simuliert. Wer eine solche Waffe bediente, die übrigens nur eine Trefferquote von maximal 25 Prozent aufwies, hatte in einem Söldnerheer im 30-jährigen Krieg bereits einen gewissen Aufstieg gemacht. Denn Anfänger, die sich von der Werbern der Kriegsherren ködern ließen, begannen seinerzeit in der Regel als Pikenier, Kämpfer mit langen Spießen. Die Waffen, beantwortete Gabriele Venus eine entsprechende Frage von Stadträtin Sigrun Hübner-Möbus, mussten sich die Soldaten selbst kaufen oder sich von den Toten auf dem Schlachtfeld besorgen.

Es war eine schreckliche Zeit, damals, im Sommer 1632. Deutschland war zum Spielball der europäischen Großmächte geworden. Die vordergründig als Religions-Konflikt entfesselte Auseinandersetzung hatte sich zum mörderischen Flächenbrand entwickelt, in deren Folge nun Wallenstein und die Katholische Liga versuchten, Gustav Adolf auf seinem Siegeszug nach Süddeutschland im Fränkischen zu stoppen. Der Schwedenkönig hatte sich in Nürnberg eingeigelt, worauf Wallenstein ihm die Versorgungswege abschnitt und dafür im heutigen Landkreis Fürth den gigantischen Stützpunkt mit einem Umfang von 16 Kilometern errichten ließ.

Das große Gelände-Relief unter dem historischen Plan des Wallenstein’schen Lagers der Gebrüder Trexel macht nicht nur dessen Dimensionen sowie den Schlachtverlauf greifbar. Zu sehen ist auch, wie stark Oberasbach tangiert war: Altenberg, Unterasbach und Kreutles lagen innerhalb des mit Holzpalisaden und Erdwällen eingegrenzten Lagerbereichs, in dem sich 50 000 Soldaten aufhielten, dazu ein Tross mit Frauen, Kindern, Händlern und Handwerkern von etwa 30 000 Köpfen. Alt-Oberasbach befand sich außerhalb. Angeblich entstanden die Befestigungen in nur drei Tagen, rund 13 000 Bäume fällten die kaiserlichen Söldner dafür. Auf der Petershöhe sicherte eine sternförmige Schanze das Areal, am Hölzleshoffeld standen Spitalbaracken. Und wo heute das Oberasbacher Rathaus grüßt, lagerte seinerzeit Munition.

Der große Feldherr selbst hatte sein Quartier am Hainberg aufgeschlagen: Wallenstein residierte standesgemäß, nicht in einem Zelt, wie die Infanteristen oder in Blockhütten wie die Reiter, sondern in einem zerlegbaren Holzhaus, weiß Gabriele Venus. Dort ließ er sich auch seinen geliebten Veltliner servieren, der regelmäßig ins Lager gekarrt wurde.

Kulinarische Dinge brachten aber auch die einfachen Soldaten mit. So wächst auf dem Hainberg, das berichteten einige Stadträte, dort, wo seinerzeit die Kroaten hausten, noch heute Beifuß. Mit der Pflanze würzten sie ihren Wein, denn der dürfte kaum so edel gewesen sein wie der Wallenstein’sche Tropfen.

Was sich von dem Projekt künftig wie in Oberasbach niederschlagen soll, darüber dürfen die Bürger nachdenken. Wer Ideen hat, kann sich an das städtische Kulturamt wenden, Tel. (0911) 9691 – 118, oder per Mail an kulturamt@oberasbach.de. Außerdem will die Stadt im April zu einem Workshop einladen. Der Termin steht noch nicht fest. 

Harald Ehm

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