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Oberasbacher Filmemacher startet durch

Vom Theaterkurs nach Hollywood - Tobias Rosen zeigte seinen prämierten Kurzfilm - 06.12.2017 11:00 Uhr

Zurück an alter Wirkungsstätte: Im Bonhoeffer-Gymnasium präsentierte Tobias Rosen „Watu Wote“, 2003 hat er hier sein Abitur gemacht. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Es ist eine Geschichte, die sprachlos macht, weil sie von unfassbarem Mut und bedingungsloser Menschlichkeit erzählt: Am 21. Dezember 2015 setzten sich die Passagiere eines Busses im Grenzgebiet zwischen Kenia und Somalia gegen den Angriff von Al-Shabaab-Terroristen zur Wehr. Die muslimischen Reisenden weigerten sich, trotz martialischer Drohungen und Waffengewalt, die christlichen Passagiere preiszugeben und retteten so deren Leben.

Auf über 40 Festivals geehrt

Die Courage und Tapferkeit dieser Menschen ist das große Thema von "Watu Wote – All of us". Tobias Rosen setzte den ungeheuren Vorfall in den Mittelpunkt seines Abschlussfilms an der Hamburg Media School. Der Beitrag wurde inzwischen nicht nur mit dem begehrten Studenten-Oscar, sondern weltweit auch auf mehr als 40 Festivals mit Auszeichnungen geehrt.

Vor den Schülerinnen und Schülern der achten bis zwölften Klassen des Bonhoeffer-Gymnasiums machte Rosen jetzt klar, dass er vom ersten Moment an zwei Dinge genau wusste: "Wir wollten keinen Film drehen, der dieses Thema aus der Sicht von ein paar europäischen Studenten zeigt, und wir wollten eine Qualität, die in Hollywood bestehen kann."

Hohe Ansprüche, aber beides haben Rosen und seine Kommilitonen – Regie führte zum Beispiel Katja Benrath von der Hamburg Media School – erreicht. Der Kurzfilm wurde nicht zuletzt authentisch dank intensiver Recherchen vor Ort und der Zusammenarbeit in allen Bereichen mit zahlreichen kenianischen Mitwirkenden. Die Filmpräsentation gehörte am "Bonhoeffer" zu einer Projektreihe im Zusammenhang mit dem Etz-Chaim-Pokal, den die Landkreis-Schule von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Franken bekommen hat.

Silke Dinkel, die die Koordination der gesamten Aktionen übernommen hat: "Dieser Pokal ist vergleichbar mit einem Staffelstab. Wenn man ihn bekommt, geht man eine Art Selbstverpflichtung ein, die Idee, die dahinter steht, mit Leben zu erfüllen." Es drehe sich grundsätzlich um "interreligiöse Verständigung", erklärt Dinkel. "Auch bei uns hier gibt es Kinder und Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Religionen. Gemeinsam wollen wir neue Ideen zu diesem großen Thema entwickeln."

Für Schauspieler und Filmmacher Tobias Rosen waren die Veranstaltungen – am Abend gab es eine weitere Filmvorführung – auch eine Rückkehr in vertraute Gefilde. 2003 hat der heute 34-Jährige am Bonhoeffer-Gymnasium sein Abitur gemacht. "Eben habe ich entdeckt, dass unsere Abi-Wand mit allen Namen übermalt wurde, das ist etwas frustrierend."

"Ohne den Kurs von Felizitas Handschuch stünde ich nicht hier"

Vor den Schülerinnen und Schülern brach er eine Lanze für eine Lehrerin: "Ohne den Theaterkurs von Felizitas Handschuch stünde ich heute nicht hier." Damals habe er allerdings zunächst nicht aus übergroßer Liebe zur Schauspielkunst gehandelt. "Ich habe mich mit 13 Jahren da angemeldet, weil zehn Mädchen mitgemacht haben und ich der einzige Junge im Kurs war."

Nach dem Abitur absolvierte Rosen die Schauspielschule in München, auf Theater-Verpflichtungen folgten mehr als drei Jahre in der ARD-Soap "Rote Rosen" in einer Hauptrolle. Da ihm in dieser Zeit bewusst wurde, dass er lieber selbst Geschichten erzählen will, schloss er das Master-Studium zum Creative Producer in Hamburg an: "Als Produzent suche ich aktiv ein Thema aus, gestalte das Drehbuch auch inhaltlich mit und begleite die Regie."

Auch die Sponsorensuche sei bei "Watu Wote – All of us" ein wichtiges Thema für ihn gewesen. Für die Unterstützung, die dem Film entgegengebracht wurde, bedankt er sich jetzt, indem er ein richtungweisendes Schul-Projekt in Kenia bekannt macht (www.almaawiya.org).

Spannender 12. Dezember

Die Schülerfrage, ob man mit einem so erfolgreichen Kurzfilm richtig Geld verdienen könne, beantwortete Tobias Rosen mit einem klaren "Nein". Aber: "Jetzt haben sich viele Türen für uns geöffnet." Er hoffe unter anderem, aus dem Stoff eine abendfüllende Version zu machen, außerdem stehen für ihn weitere Filmpläne kurz vor dem Abschluss.

Nicht auszuschließen ist übrigens, dass der junge Produzent, der jetzt in Hamburg lebt, im nächsten Jahr wieder seinen Smoking einpacken darf, um ihn bei der Oscar-Verleihung 2018 in Hollywood zu tragen: "Unser Film ,Watu Wote‘ steht in der Kategorie ,Internationaler Kurzfilm‘ auf der Liste der Academy Awards. Am 12. Dezember erfahren wir, ob wir auf die sogenannte Shortlist rücken, aus der dann im Januar die Nominierungen erfolgen." 

Sabine Rempe

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