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Park-Hotel: Bürgerbegehren sorgt für brisante Stimmung

Der Vorstoß von "Wir sind Fürth" hat viele Diskussionen und reichlich Unmut ausgelöst - 26.01.2013 14:00 Uhr

Befürworter und Gegner des Bürgerbegehrens zum Erhalt des Park-Hotels lieferten sich am Stand von "Wir sind Fürth" zum Teil heftige Diskussionen. © Hans-Joachim Winckler


Nicht, dass die Menschen eigens wegen dieses Themas bei ihm angerufen hätten — aber am Freitagvormittag, sagt Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller, habe er kein einziges Telefonat geführt, in dem es nicht zunächst um das Bürgerbegehren ging. Und in allen Fällen hätten die Anrufer „absolute Verständnislosigkeit“ über den Vorstoß des Vereins „Wir sind Fürth“ geäußert.

Nicht anders ist die Stimmungslage bei Müller selbst, den vor allem die Versicherung des Vereins ärgert, man wolle den Einkaufsschwerpunkt nicht verhindern, sondern besser gestalten. Das, sagt der Wirtschaftsreferent, sei realitätsfremd, denn er habe noch keinen Investor gesprochen, der die Nutzung eines restaurierten Hotelkomplexes für Einzelhandelszwecke als möglich erachten würde.

Müller sieht jetzt auf den Bauherren MIB und sich selbst reichlich neue Arbeit zukommen: In „vielen Einzelgesprächen“ müsse man Ladenbetreibern, die Interesse am Einzug ins Fürther Objekt haben, die Verunsicherung nehmen. Aus der Ferne könnten diese nämlich nicht einschätzen, wie groß die Chancen der Kritiker sind, mit einem Bürgerentscheid erfolgreich zu sein. Man müsse ihnen deshalb klar machen: Politik, Einzelhandel und relevante Verbände stehen hinter der Planung von MIB.

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Nostalgischer Blick ins Fürther Park-Hotel

Zahlreiche Fürther nutzten im Dezember 2012 die Gelegenheit, sich selbst ein Bild vom Zustand des Park-Hotels zu machen, um dessen Erhalt im Zuge der Planungen für die Neue Mitte ein heftiger Streit entflammt ist.




Auch Sepp Körbl, Fraktionschef der SPD im Stadtrat, zeigte auf FN-Anfrage „keinerlei Verständnis“ für das Vorgehen von „Wir sind Fürth“ — und das, obwohl er sich dem Verein auf anderer Ebene sehr wohl verbunden fühlt: Gehe es um dessen Kampf um eine lebendige Gustavstraße, stehe er voll hinter den Aktivisten, sagt Körbl. Der Einsatz in Sachen Park-Hotel aber komme „viel, viel zu spät“ und sorge noch dazu in einer Situation für Störfeuer, in der man doch „händeringend“ versuche, die Situation in der Innenstadt zu verbessern.

Kaum Chancen

Körbl glaubt indes nicht, dass „Wir sind Fürth“ auf diesem Feld erfolgreich agieren kann. In seinen Augen wird es schon schwer, die nötigen 4600 Unterschriften für die Durchführung des Bürgerentscheids zu bekommen; „sehr zuversichtlich“ sei er aber, dass die Fürther den Plänen zum Fassadenerhalt an der Wahlurne eine klare Absage erteilen würden.

„Bürgerbegehren müssen sein, das ist gelebte und bürgernahe Demokratie“, sagt Dagmar Orwen. Die Grünen-Stadträtin und Einzelhändlerin in der Fußgängerzone räumt aber ein, dass ihr die Unterschriftensammlung von „Wir sind Fürth“ regelrecht Angst mache. Die Kreativen Einzelhändlerinnen, denen Orwen angehört, hätten allesamt größte Bedenken. Was ist, wenn MIB abspringt? Hier gehe es um Existenzen.

Im Laden fragt sie inzwischen die Meinung ihrer Kunden ab – und diese würden durch die Bank nichts von dem Vorstoß des Vereins halten. Ihre private Umfrage sei zwar keinesfalls repräsentativ, aber doch ein Stimmungsbild. Für Orwen ist das Bürgerbegehren auch deshalb verfehlt, weil es sich um „persönliches Geschmacksempfinden“ drehe, nämlich die Optik eines Gebäudes. Dabei müsste doch vielmehr die Entwicklung der Stadt im Vordergrund stehen.

Auch Barbara Ohm wird ihre Unterschrift nicht unter das Bürgerbegehren setzen. Die Vorsitzende des Geschichtsvereins Fürth und ehemalige Stadtheimatpflegerin hat zwar ein Faible für historische Gemäuer, für den Erhalt des Park-Hotels kann sie sich aber nicht erwärmen. Ohm geht davon aus, dass die alte Substanz des Hotels wegen etlicher Umbauten sowie der Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg „schon sehr dezimiert und beeinträchtigt ist“. Wichtiger als der Erhalt sei ihr deshalb, „eine gute, neue Lösung für das Gebäude zu finden“.

Im Internetangebot der FN haben unterdessen innerhalb der ersten 24 Stunden nach Bekanntwerden des Bürgerbegehrens Leser in den meisten von rund 120 Kommentaren mit Ablehnung reagiert. Viele von ihnen sind aufgebracht — und fürchten um die ersehnte Wende zum Besseren in der Innenstadt.

Bei der ersten Unterschiftensammlung des Vereins "Wir sind Fürth" in der Rudolf-Breitscheid-Straße lieferten sich die Befürworter und Gegner des angestrebten Bürgerbegehrens am Samstag zum Teil heftige Wortgefechte. Während einige Passanten die Gelegenheit zum Eintrag in die ausliegenden Listen nutzten, brachten andere deutlich ihr Unverständnis über die Initiative zum Erhalt des Park-Hotels zum Ausdruck.

Besorgte Einzelhändler sammelten nur wenige Meter entfernt selbst Unterschriften - gegen das Bürgerbegehren und für einen raschen Baubeginn des geplanten Einkaufsschwerpunkts.

Einen ausführlichen Bericht zum kontrovers diskutierten Start der Unterschriftensammlung  lesen Sie in der Montagsausgabe der Fürther Nachrichten

Wolfgang Händel/Johannes Alles

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