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Party mit unbändiger Energie

Jennifer Rostock schaut zum Abschied in der Fürther Stadthalle vorbei - 30.04.2018 18:21 Uhr

Kein Morgen? Das stimmt auch irgendwie, denn die Band befindet sich nach zehn Jahren auf Abschiedstour, daher der Titel "best of". Der Sound mixt Punk, Metal, Rap, Crossover- und Keyboard-Rock mit ein paar hymnenhaft poppigen Songs.

Mal wird es discotauglich glammig samt Retroeinschlag, so dass man meint, Nina Hagen röhren zu hören, dann wieder erinnert diese Frau an Blondie und ihre Combo an Ideal. Auch die Neonbabies gehören mit in die Ahnengalerie. Das alles wird hart in die Gegenwart geschleudert, bis das Ergebnis klingt wie im Rausch gespielt. Klar, denn die Sängerin greift ab und zu nach einer Flasche und erzählt auch gerne was von Sauforgien.

Los geht es mit der Vorband Blackout Problems, die mit energetischem Alternative-Indie-Rock ebenso wie mit ihrem Akustik-Set überzeugen. Sänger Mario Radetzky mit seiner wunderbar dreckigen Stimme entfaltet enorme Power und steuert etwas Skate-Punk bei. Dann zeigt ein Film mit Szenen aus den letzten zehn Jahren die Ereignisse rund um Jennifer Rostock. Wie doch die Zeit vergeht.

Unverhofft erfolgreich

Dass diese Chaos-Truppe so ein rundes Jubiläum erreichen würde, hätte damals keiner gedacht, am wenigsten sie selbst, als Jennifer Weist und Keyboarder Johannes Walter ihr Heimatkaff Zinnowitz auf Usedom verließen, um in Berlin Party und Musik zu machen. Dort trafen sie auf Gitarrist Alex Voigt, Basser Chris Deckert und Schlagzeuger Chris Kohl. 2007 spielten sie ihre ersten gemeinsamen Konzerte, die erste EP kam heraus und Anfang 2008 wurde ihre Debüt-Single "Kopf oder Zahl" zum Erfolg. Der Rest ist Geschichte, von den Auftritten bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest über den Band-Film bis zu den Nacktfotos der Frontfrau.

Die rund 3000 Fans in der Stadthalle wissen bestens Bescheid und genießen eine Zeitreise voller Hits, die sie mitsingen können. Natürlich macht "Kopf oder Zahl" den Auftakt, gefolgt von "Du willst mir an die Wäsche", wobei Jennifer eine weite grüne Hülle fallen lässt und einen Glitzerbody enthüllt. Sechs Alben, sechs Bühnenoutfits, so lautet das Motto dieses Rückblick-Abends. Tanzbares und Rockiges halten sich clever die Waage, die Texte drehen sich um Privates wie eine Trennung ("Irgendwo anders"), aber auch um Politisches wie Migration in dem Stück "Wir sind alle nicht von hier", die Ehe für alle in "Ein Schmerz und eine Kehle" und auch Feminismus in Jennifers Parade-Song "Hengstin".

Immerhin steht hier die Band auf der Bühne, die sich gegen rechte Fans auf ihren Konzerten wehrte und keine T-Shirts von den "Böhsen Onkelz" oder von "Frei.Wild" sehen will – und die mit ihrem Song gegen die AfD im Internet Furore machte. Trotzdem kommen diese Musiker nie moralisch daher, sondern feiern lieber. Gut so. Derweil werden alle Jahre, Epochen und Songs abgearbeitet, bis man im Heute angekommen ist und Jennifer Rostock mit ihrem aktuellen Song "Die guten alten Zeiten" plus viel Konfetti Tschüß sagen. Danke, Leute. 

CLAUDIA SCHULLER

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