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Sonya Kraus über den Umgang mit Blödmännern und die Stärken der Frauen - 28.04.2018 17:17 Uhr

Nicht auf den Mund gefallen: Die Moderatorin seziert gnadenlos die alltäglichen Gemeinheiten. © Foto: Sebastian Blutau


Wie sieht es im Himmel aus? Irgendein frühchristlicher Theologe meinte, zum Paradies gehöre auch ein Logenfenster mit Blick in die Hölle. Von dort aus beobachten die Seelen, wie ihre einstigen Peiniger sich in Qualen winden. Das würde ihre eigene Seligkeit noch steigern.

Dieser Theologe muss über prophetische Gaben verfügt haben. Bis vor einigen Jahren konnte der Bildungsbürger im Privatfernsehen "talk talk talk" begutachten, ein Zusammenschnitt von Höhepunkten aus Talk- und Reality-Shows. Dabei gingen intellektuell minderbemittelte Zeitgenossen vor laufender Kamera sich gegenseitig an die Gurgel. Als Sahnehäubchen dazu moderierte Sonya Kraus als blonder Engel höchst süffisant die Szenen aus dem Inferno an und wiegte uns in dem Gefühl, das uns so etwas ja nie passieren könnte.

Einschlägige Erfahrung

Die Sendung ist längst eingestellt, Sonya Kraus moderiert heute andere Shows und produziert nebenbei Ratgeber wie "Baustelle Mann", "Baustelle Baby" und nun "Baustelle Blödmann – Und heute bringe ich ihn um." Zur Beruhigung: Hierbei handelt es sich nicht um eine Anleitung zu Mord und Totschlag, sondern um Erfahrungsberichte zum Umgang mit dem Blödmann im Manne. Da stellt sich die Frage: Warum lassen sich (angeblich) intelligente Frauen überhaupt mit Blödmännern ein?

Sonya Kraus hat da eine Theorie: "In den ersten zwei Jahren der Beziehung ist der Körper voller körpereigener Drogen, man spricht von akutem Hirnschaden und ist nicht ganz zurechnungsfähig. Er pinkelt im Stehen, und man denkt: Nein, wie süüüß! Nach zwei Jahren sinkt das Dopamin und man denkt: Ist der Typ überhaupt lebensfähig ohne Mutti? Oder bin etwa ich jetzt seine Mutti?"

Blödmann-Beispiele zählt die Moderatorin zur Genüge auf: den Strohwitwer, der mit Kollegen Bierpartys auf dem Balkon feiert, aber die Blumen seiner Frau verdorren lässt. Oder den Vater, der das Nasenspray fürs Baby nicht findet und zur Schleimlösung Pfeffer aufs Näschen streut. Angesichts dieser Fallbeispiele wiehert das zum erdrückenden Teil weibliche Publikum vor Vergnügen, während die wenigen Männer still und stumm danebensitzen.

Indes, wie kommt es, dass Frau dem Blödmann erliegt? Wie gesagt, die Hormone. Hierzu liest die Autorin ein Kapitel aus der Zeit ihrer Mädchenblüte, die Begegnung mit einem amerikanischen Traumboy am Baggersee, die Verführung, endlich die Verlagerung in die Horizontale und die Begutachtung essenzieller Körperteile. "It’s all yours, Baby", schnurrt der Supermacho. Und Sonya bedient sich. Bis ihr irgendwann aufgeht: Der Typ ist dermaßen von sich selbst überzeugt, dass er nur passiv daliegt und der Gefährtin alles überlässt. Im Bett wie im Alltag. Dies also ist das Grundübel, die Selbstüberschätzung des Mannes.

Das zeigt sich auch in einem weiteren Kapitel, der Grillparty. Relikt aus der Steinzeit, der Mann gefällt sich als Hüter des Feuers, als Verwandler rohen Fleisches in genießbare Kost, als gerechter Herr der Portionen. Das heißt, Sonya kauft ein, bereitet zu, putzt und mariniert, schleppt die Holzkohle herbei, während ER gerade mal das Feuer entzündet und das Fleisch mit hochherrschaftlicher Geste auflegt und wendet.

Und wie sieht die Autorin nach zwanzig Jahren Beziehung und als Mutter zweier Buben ihr Familienleben? "Ich wollte immer so eine coole Hippiemama sein. Und was bin ich zuhause? Raubtierdompteuse!" 

Reinhard Kalb

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