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Per Lichtschranke zu Pisendel

Bei der Präsentation des Cadolzburger Museumskonzepts auf der Baustelle ist Fantasie gefragt - 27.05.2012 13:00 Uhr

CADOLZBURG  - Die Sammlung ist gesichtet, das ehemalige Rangauhaus fest in Handwerkerhand. Was im neuen Museum Cadolzburg ab Ende 2013 zu sehen sein wird und wie man es präsentieren will — das war Thema einer Pressekonferenz.

Die Geschichte des Marktes und der Burg soll im ersten Obergeschoss des Museums präsentiert werden. Edith von Weitzel-Mudersbach erläutert Bürgermeister Bernd Obst (Mitte) und Marktbaumeister Herbert Bloß das Konzept.
Die Geschichte des Marktes und der Burg soll im ersten Obergeschoss des Museums präsentiert werden. Edith von Weitzel-Mudersbach erläutert Bürgermeister Bernd Obst (Mitte) und Marktbaumeister Herbert Bloß das Konzept.
Foto: Esterl
Die Geschichte des Marktes und der Burg soll im ersten Obergeschoss des Museums präsentiert werden. Edith von Weitzel-Mudersbach erläutert Bürgermeister Bernd Obst (Mitte) und Marktbaumeister Herbert Bloß das Konzept.
Die Geschichte des Marktes und der Burg soll im ersten Obergeschoss des Museums präsentiert werden. Edith von Weitzel-Mudersbach erläutert Bürgermeister Bernd Obst (Mitte) und Marktbaumeister Herbert Bloß das Konzept.
Foto: Esterl

Besuchern, die aus der Burg kommend über die Brücke flanieren, soll ein Blick nach links genügen. Grafisch ansprechende Banner an drei Fahnenmasten baumelnd, werden ab 2013 auf ein weiteres Kleinod in der Marktgemeinde hinweisen: das neue Museum, das offiziell freilich noch gar nicht so heißt. Was in den beiden historischen Gebäuden Rangauhaus und Püttrichhaus nebst modernem Zwischenbau zu sehen sein wird, könnte sich dann folgendermaßen lesen: „Erlebe die Geschichte Deines Marktes“ und „Pisendel, bedeutender Sohn Cadolzburgs“. Das dritte Transparent bleibt Sonderausstellungen und aktuellen Veranstaltungen vorbehalten.

Lebendige Beschreibung


Edith von Weitzel-Mudersbach, die zunächst im Auftrag des Heimatvereins die Sammlung gesichtet und nun für die Gemeinde das Museumkonzept erarbeitet hat, beschreibt die Zukunft in lebendigen Bildern. Wer sich mit ihr auf den künftigen Rundgang durch das Haus begibt, braucht derzeit dennoch insbesondere eines – viel Fantasie.

Kasse, Museumsshop und Garderobe mit Schließfächern — dafür sind die ersten drei Räume im Erdgeschoss des Rangauhauses verplant. Derzeit stehen noch jede Menge Aktenordner und Dokumente auf dem Boden herum. Sorgfältig in Bananenkisten geordnet, harren sie einer genaueren Untersuchung. Dort, wo künftig einmal Kinderhände unter dem Stichwort Museumspädagogik Gefäße töpfern oder Schwerter basteln dürfen, stehen Jugendstilmöbel, sorgsam mit Planen geschützt.

Auch das künftige Museumsbüro, Ort der Pressekonferenz, präsentiert sich als Baustelle: Mächtige rohe Holzbalken ziehen sich unter Decke und auf dem Boden entlang. Weil das morsche Fachwerk ausgewechselt werden muss, tragen sie die Last des Gebäudes. Abdeckplanen schützen das Fischgrätparkett, das den Räumen selbst im momentanen Zustand einen Hauch von Eleganz verleiht.

In den vier Räumen des ersten Obergeschosses soll einmal die Geschichte der Burg und des Marktes erläutert werden. Mit gut in Szene gesetzten Ausstellungsstücken und Tafeln, die Zusammenhänge herstellen und erläutern. Eher sparsam wird man dabei vorgehen, das Auge der Besucher soll nicht, wie bisher, überfrachtet werden. Sammlungen seien das Kind ihrer Zeit gewesen, sagt Edith von Weitzel-Mudersbach, ein Museum nach Richtlinien des Internationalen Museumsrats (ICOM) müsse aber anderen Ansprüchen genügen.

Problem Barrierefreiheit

Spätestens, wenn die Treppenstufen beim Gang in die erste Etage unter den Tritten knarzen, wird einem jedoch ein Problem des künftigen Museums bewusst. Von Barrierefreiheit kann keine Rede sein. Die 70000 Euro, die ein Aufzugturm am Zwischenbau gekostet hätte, will sich die Gemeinde noch sparen. Allerdings, betont Bürgermeister Bernd Obst, sei alles jederzeit nachrüstbar.

Geld muss die Gemeinde in das neue Projekt ohnehin einiges investieren: Auf 920000 Euro beziffert Marktbaumeister Herbert Bloß die Kosten für Umbau und Sanierung von Rangau- und Heimathaus. Freilich kann Cadolzburg auf eine Förderung von 60 Prozent aus der Städtebauförderung setzen. Ausgeschrieben wurden die Zimmerer-, Maurer- und Verputzarbeiten sowie die Haustechnik für das Rangauhaus. Bis zum Herbst sollen die Gewerke abgeschlossen sein. Ab Mitte des Jahres will man dann mit der Sanierung im Püttrichhaus beginnen. Geplante Dauer: rund zwölf Monate. Von „einem ehrgeizigen Zeitplan“ spricht der Bürgermeister.

Im zweiten Stock soll künftig, ausgelöst durch eine Lichtschranke, sobald der Besucher das Zimmer betritt, Musik von Johann Georg Pisendel erklingen. Der Violinvirtuose, am 26. Dezember 1687 in Cadolzburg geboren, ist eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des künftigen Museums. Zwei Räume für Konzerte, Lesungen, Sonderveranstaltungen und Sonderausstellungen komplettieren den Rundgang.

Über den Zwischenbau geht es ins benachbarte Püttrichhaus. Hier wird sich das Depot wiederfinden, das ebenfalls teilweise besichtigt werden kann. Ein Raum im Erdgeschoss soll multifunktional genutzt werden, beispielsweise für Veranstaltungen der Volkshochschule. Dank einer kleinen Küche wäre auch ein Museumscafé denkbar.

„Ohne Geld geht es nicht“

Offen ist noch die Ausgestaltung des neuen Schmuckstücks: Der finanzielle Rahmen für die Einrichtung ist nach Edith von Weitzel-Mudersbachs Kenntnis weit gespannt: von 190000 bis 500000 Euro. Man sei nicht Florenz, bremst der Bürgermeister die europaweit tätige Kunsthistorikerin ein. Es gibt Überlegungen, die Vitrinen, in denen bisher die Sammlung präsentiert wurde, aufzuhübschen. Sie habe die ein oder andere Vorstellung, was das Museumskonzept angehe, sagt die Expertin. Trotz guter Ideen und der fleißigen Männer vom gemeindlichen Betriebshof gilt aber: „Ganz ohne Geld geht es nicht.“ Und ohne ansprechend präsentierten Inhalt ist auch das schönste Schmuckkästchen nur die Hälfte wert.

Drei Ausstattungsvarianten wird Weitzel-Mudersbach entwickeln und damit bei der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München, bei Bezirk und Landkreis um finanzielle Förderung nachsuchen. Auch die Reklametrommel will die Museumsfrau kräftig rühren, und das nicht nur in einschlägigen Touristikpublikationen: Gemeindliche Homepage, Facebook und Twitter hat sie im Auge.

Sehr viel Arbeit für die nächsten eineinhalb Jahre. So lange läuft der Werkvertrag, der 15 Stunden pro Woche vorsieht, mit der Gemeinde. Edith von Weitzel-Mudersbach fände es allerdings schade, von Bord zu gehen, wenn das Museum erst einmal eröffnet ist. „Ich“, sagt die in Unternzenn lebende Freiberuflerin, „würde mich dann gerne ganz auf Cadolzburg konzentrieren.“ 

VON HARALD EHM


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