Dienstag, 26.03.2019

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Pillen-Chaos: Medikationsplan soll Patienten helfen

Neu ab 1. Oktober - Handhabung wurde in Fürth und Nürnberg getestet - 30.09.2016 12:30 Uhr

Viele Patienten verlieren den Überblick über die vielen Medikamente, die sie nehmen. © Matthias Hiekel/Symbolbild (dpa)


Primärer Ansprechpartner für die Patienten ist der Hausarzt, der verpflichtet ist, den Medikationsplan zu erstellen und auszudrucken. "Der Patient soll das von ihm einfordern", sagt Prof. Harald Dormann, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Fürther Klinikum. Verpflichtet sind ferner Fachärzte bei chronischen Erkrankungen, bei Schmerzpatienten sowie onkologischen Patienten und Kinderärzte.

Muster: So sieht der Medikationsplan ausgefüllt aus. © Winckler


Ziel ist es, Transparenz für alle behandelnden Ärzte zu schaffen, um Wechsel- und Nebenwirkungen zu vermeiden. 500.000 Menschen im Jahr kommen in Deutschland allein wegen Nebenwirkungen in die Notaufnahmen, mit Schwindel, Übelkeit, Herz-Rhythmusstörungen oder Schlimmerem. Vielen anderen fällt es schwer, den Überblick über ihre Medikamente zu behalten. Jeder 70-Jährige nimmt im Schnitt sechs Medikamente täglich ein, Spitzenreiter im Klinikum nehmen 32 am Tag. Immer wieder werden in der Notaufnahme Menschen  behandelt, die die Dosierung der Medikamente verwechseln.

Die Folgen können fatal sein: Jüngst kämpfte man am Fürther Klinikum um das Leben eines Patienten mit einer Hirnblutung. Er hatte die Dosierung zweier Medikamente - eins für die Schildrüse und ein Blutverdünner - durcheinandergebracht.

Auch die selbstgekauften Mittel sollen auf den Plan

Auf dem Plan sollen sämtliche Medikamente dokumentiert werden, die der Patient nimmt, unbedingt auch die freiverkäuflichen, die er sich selbst besorgt. Bisher fehlt den Ärzten das Wissen darüber. Nur wenn die Übersicht vollständig und aktuell ist, kann sie dazubeitragen, dass Ärzte die beste Medikamenten-Kombination für den Patienten erreichen.

Fachärzte und Apotheker können dank eines Data-Matrix-Codes die Informationen abrufen und ergänzen. Darum soll der Patient sie bitten, so Dormann.

Der Patient wiederum kann auf dem Plan klar die Dosierung ablesen, Hinweise zu Einnahme und - in verständlicher Sprache - den Grund, weshalb ihm das Mittel verschrieben wurde. Datenschützer zeigen sich einverstanden, da dank des Ausdrucks auch für Patienten transparent ist, welche Daten die Ärzte sehen.

Größte Testregion in Deutschland

Das Fürther Klinikum hat – als eine von drei Modellregionen in Deutschland – im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums seit Januar 2015 zusammen mit Ärzten und Apothekern aus Fürth und Nürnberg untersucht, ob Mediziner und Patienten gut mit dem Plan zurechtkommen. 88 Prozent der Befragten zeigten sich sehr zufrieden damit, so Dormann.

Beteiligt waren auch die Ärztegenossenschaft Mittelfranken, Wissenschaftler der Uni Erlangen und der Wilhelm-Löhe-Hochschule sowie das Erlanger Software-Unternehmen Astrum IT. Dass sich das Fürther Klinikum für den Test beworben hat, ist kein Zufall: Professor Harald Dormann, ordentliches Mitglied der Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft (AKDÄ), engagiert sich seit langem für Arzneimittelsicherheit.

Mehr Informationen und eine genaue Beschreibung des Medikationsplans findet man hier auf der Homepage des Fürther Klinikums

czi

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