Montag, 23.10. - 11:35 Uhr

|

Privates Gymnasium zieht in die „Pfister“

Jenaplan aus Nürnberg sucht vorübergehend Zuflucht in der ehemaligen Hauptschule - 04.12.2010 13:00 Uhr

Neben Klassen der FOS/BOS sowie der Kulturbrücke der Awo zieht jetzt auch das Jenaplan-Gymnasium in die ehemalige Pfisterschule. Die Stadt hätte nichts dagegen, wenn der neue Mieter sich langfristig einnisten würde. © Mark Johnston


Erst im September dieses Jahres hatte das neu gegründete Jenaplan-Gymnasium den Unterricht aufgenommen. Sein Domizil: der fünfte Stock des ehemaligen Versandhauses Quelle in der Fürther Straße in Nürnberg. Doch jetzt flüchtete die Schule Knall auf Fall über die Stadtgrenze nach Fürth.

Wie gestern im Nürnberger Lokalteil dieser Zeitung berichtet, klagten Schüler und Lehrer über Müdigkeit, Kopfschmerzen und Augenreizungen. Verantwortlich ist womöglich ein alter Nadelfilzboden in den ehemaligen Quelle-Büros, der vor dem Einzug der reformpädagogischen Schule mit Laminat belegt worden war. Jetzt soll die Landesgewerbeanstalt die Raumluft untersuchen.

Am vergangenen Freitag fragten die Verantwortlichen der Schule auch bei der Stadt Fürth nach Räumlichkeiten für eine vorübergehende Nutzung an. Bürgermeister Markus Braun konnte sogar Klassenzimmer anbieten: in der ehemaligen Hauptschule Pfisterstraße. Wie ausführlich berichtet, musste die Schule laut Stadtratsbeschluss Ende Juli trotz großer Proteste schließen. Die Schüler wurden auf andere Hauptschulstandorte in Fürth verteilt.

Jenaplan nahm das Angebot der Stadt dankend an. Am Wochenende wird der Umzug nach Fürth über die Bühne gehen. Ab Montag sollen die rund 100 Schüler in den neuen Räumen unterrichtet werden. Damit ist das Pfistergebäude – ausgenommen das Dachgeschoss – wieder voll belegt. Während Jenaplan den ersten Stock beziehen wird, nutzt bereits seit einiger Zeit die aus allen Nähten platzende Fach- und Berufsoberschule das zweite Obergeschoss als Ausweichquartier. Im Erdgeschoss ist bis März 2011 die Kulturbrücke der Arbeiterwohlfahrt zu Hause.

Auch der Mietvertrag der Privatschule, die in den kommenden Jahren in der Schülerzahl zulegen will, ist befristet – laut Markus Braun bis zum Schuljahresende im Juli. Der Bürgermeister und Schulreferent verhehlt jedoch nicht, dass er es sich gut vorstellen kann, das Pfistergebäude dem Gymnasium langfristig als Heimat anzubieten. Das reformpädagogische Konzept wäre eine Bereicherung für den Standort Fürth, glaubt Braun. Bislang gibt es in der Kleeblattstadt nur eine private Schule: die Grundschule des Humanistischen Verbands Deutschland (HVD) in der Südstadt.

Sanierung auf eigene Kosten

Doch wie will Braun einen solchen Entschluss beispielsweise der „Pfister-Unterstützungsgruppe“ erklären, die für den Erhalt der Hauptschule gekämpft hatte? Schließlich lautete eines der Schließungsargumente, dass die Stadt Millionen in die Hand hätte nehmen müssen, um das in die Jahre gekommene Gebäude zu sanieren. „Eine Privatschule müsste das Haus natürlich auf eigene Kosten auf Vordermann bringen“, sagt Braun. Oder einen derart langfristigen Mietvertrag abschließen, dass die Kommune die Kosten für eine Sanierung durch die Mieteinnahmen wieder einspielt.

Doch noch ist das alles reine Spekulation. Gegenüber den FN hatte am Mittwoch ein Vertreter der gemeinnützigen Genossenschaft, die als Träger des Gymnasiums fungiert, erklärt, dass nach wie vor Verhandlungen über einen langfristig geplanten Umbau anderer Räume im früheren Quelle-Gebäude laufen. Spätestens 2012 wolle sich Jenaplan an der Fürther Straße in Nürnberg weiter ausbreiten. 

Johannes Alles

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Fürth