Mittwoch, 16.01.2019

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Problem Psyche: Wenn Mama immer traurig ist

Ausstellung im Klinikum zeigt, wie es in Kindern aussieht, deren Eltern mentale Probleme haben - 07.07.2017 16:00 Uhr

Kinder, die mit psychisch kranken Eltern aufwachsen, werden emotional stark belastet. Experten fordern deshalb eine Kindersprechstunde, wie es sie in Augsburg gibt. © Foto: Colourbox.de


Im Bezirkskrankenhaus Augsburg gibt es etwas, was man sich auch in Fürth wünscht: eine Kindersprechstunde, in der Mädchen und Jungen über ihre Ängste und Sorgen sprechen können, die mit psychisch kranken Eltern leben. Von eben diesen Ängsten und Sorgen erzählt die Ausstellung im Klinikum Fürth nun beeindruckend in Wort und Bild.

"Mama an Drogen verloren", heißt es dort beispielsweise, oder "Mama im Krankenhaus wegen Traurigsein". Man ahnt, welchem seelischen Druck diese Kinder ausgesetzt sind, und man sieht es in ihren Bildern. In denen begegnet man immer wieder grimmigen Monstern und schwarzen Gestalten.

Jedes vierte Kind in Deutschland wachse mit einem psychisch kranken Elternteil auf, sagt Dr. Evangelos Tsekos vom Klinikum Fürth. Rund 1,5 Millionen Mädchen und Jungen hätten einen Vater oder eine Mutter mit einer Angststörung. Und etwa 750 000 haben Eltern, die alkohol- oder drogensüchtig sind. "30 bis 40 Prozent dieser Kinder brauchen nicht nur Ansprechpartner, sondern auch selbst eine Behandlung", so Tsekos.

Der Mediziner begrüßt es ausdrücklich, dass mit der Ausstellung – einer Kooperation des Gesundheitsministeriums mit dem Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) sowie dem Bezirkskrankenhaus Augsburg – auf dieses Problem aufmerksam gemacht wird.

Möglichst früh eingreifen

Bürgermeister Markus Braun sieht das genauso. Er bedauert zudem, dass mitunter viel zu wenig auf das einzelne Kind und sein Wohlbefinden geschaut werde. "Wir müssen das gesellschaftliche Bewusstsein für dieses Thema wecken und bestmögliche Bedingungen für betroffene Kinder schaffen."

Dass es dabei vor allem darum geht, möglichst früh präventiv einzugreifen, damit Mädchen und Jungen gar nicht erst selbst eine Therapie benötigen, betonte Professor Jens Klinge von der Kinderklinik. Er bedauerte außerdem, dass dieses Thema immer noch viel zu sehr tabuisiert werde. "Wir bräuchten in Fürth eine Kindersprechstunde wie am Bezirkskrankenhaus Augsburg", fordert Anton Berndl, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Fürth. Außerdem benötigten all jene Berufsgruppen eine Anlaufstelle, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun hätten. Diese könnten am ehesten erkennen, wenn etwas nicht so ganz in Ordnung sei.

Doch wie die Kinder und Eltern darauf ansprechen? Wo Hilfe holen? "Viele Erzieherinnen sind damit überfordert", so Berndl. Er hofft, dass die Ausstellung einen Anstoß zum Weiterdenken gibt und möglicherweise auch in Fürth eine Kindersprechstunde eingerichtet wird.

ZDie Ausstellung wird von einer Vortragsreihe begleitet. Heute ab 17 Uhr referiert bei freiem Eintritt Dr. Oliver Kratz, Oberarzt der kinderpsychiatrischen Tagesklinik in Fürth, über "Psychiatrische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen". Ein Fachtag für pädagogisches Personal schließt sich am Freitag im Klinikum an. 

NINA DAEBEL

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