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Protest und Porzellan: So lief der Fürther Grafflmarkt

Lärmstreit: Alstadtverein sammelt Hunderte Unterschriften - 16.09.2016 21:34 Uhr

Heile Welt an den Ständen: Liebhaber seltener Stücke und kurioser Dachbodenfunde kamen auch diesmal voll auf ihre Kosten. © Hans-Joachim Winckler


Konnten die Besucher am Nachmittag noch entspannt durch die Straßen schlendern und sich in Ruhe nach neuen, alten Lieblingsstücken umsehen, zog es am Abend zunehmend mehr Menschen ins Herz der Altstadt. Eine ungewohnte Lücke allerdings tat sich am Waagplatz auf, wo die Musikbühne und die Bierbänke des Altstadtvereins fehlten.

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Einige Fürther bedauerten das so sehr, dass sie in der Freibank bei Vereinsmitgliedern nach Unterschriftenlisten für eine "lebendige Altstadt" baten, in die sie sich eintragen konnten, erzählt Vorstandsmitglied Dagmar Gebhardt. Kurzerhand druckte sie solche Listen aus, gegen 21.30 Uhr zählte sie schon 600 Unterschriften. Gebhardt selbst erinnert sich wehmütig an Grafflmärkte in den 70er und 80ern. Die Nacht hindurch sei gefeiert worden, noch um 2 Uhr habe sie, damals Wirtin des Schatzkästle, Sardinenbrötchen verkauft.

"22 Uhr? Danke! Nicht mit uns"

Der Altstadtverein - Gründer des Grafflmarkts - hatte sein Engagement diesmal abgesagt, nachdem das Verwaltungsgericht seinen Ausschank und sein Musikprogramm verkürzte. Um 22 Uhr hätte alles aufgeräumt sein müssen. "Das ist einfach zu früh, das müssten wir ja um halb zehn die Menschen auffordern, zu gehen", sagt Angelika Modschiedler, die ebenfalls dem Vorstand angehört. Nachdem die Mitglieder beim letzten Mal bewusst überzogen hatten, wurden ihnen seitens der Stadt diesmal eine Geldstrafe in Höhe von bis zu 3000 Euro angedroht.

Die Antwort des Vereins stand auf einem Banner über dem Eingang der Freibank: "22 Uhr? Danke! Nicht mit uns". Auf ein "Danke, Herr Anwohner", wie man es direkt nach dem Urteil frustriert angekündigt hatte, verzichtete der Verein. "Wir wollen nicht, dass das noch mehr eskaliert", sagt Modschiedler. Das wird man bei der Stadtverwaltung erleichtert zur Kenntnis nehmen. Rechtsreferent Mathias Kreitinger hatte die Vereinsmitglieder gebeten, die Stimmung nicht weiter anzuheizen. Auch Ordnungsamtschef Hans-Peter Kürzdörfer hatte sich gewünscht, dass man "nicht nachtritt" und "auch mal sprachlich deeskaliert". Es sei das gute Recht eines jeden, vor Gericht für seine Interessen zu kämpfen.

Die Stadt ist bemüht darum, die Fronten aufzubrechen. Wie kürzlich am Verwaltungsgericht vereinbart, versuchen Rechtsreferent Kreitinger und der Rechtsanwalt der Kläger einen Kompromiss zu finden, um den langen Streit um Feste und Sperrzeiten zu beenden. Bisher seien erste Schritte getan, ein Ergebnis gebe es noch nicht, so Kreitinger auf Nachfrage.

Gegraffelt werden kann am Samstag noch bis 16 Uhr.

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Claudia Ziob

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