11°

Sonntag, 22.10. - 17:17 Uhr

|

Protestaktionen gegen ÖPNV-Preise

Kritiker fordern Einführung eines Sozialtickets — Zwei Demos in der kommenden Woche - 22.07.2011 16:00 Uhr

„Erst haut man den Leuten mit dem Knüppel auf den Kopf“: Wie schon bei früheren Gelegenheiten wollen die Befürworter eines „echten“ Sozialtickets in der kommenden Woche wieder auf die Straße gehen. © Michael Müller


Wie berichtet, wollen die Stadt, die Bürgerstiftung und der Verkehrsbetrieb der infra in Fürth ab 2012 einen spendenfinanzierten Mobilitätsbonus einführen. Inhabern des Fürth-Passes sollen sogenannte Mobilitätstaler ausgehändigt werden, die sie ihrerseits beim Kauf von Bus- und U-Bahn-Fahrkarten ihrer Wahl im infra-Kundencenter vorlegen können. Eine Streifenkarte etwa oder eine MobiCard wird dann fünf Euro billiger. Spenden in Höhe von 60000 Euro sind bereits verfügbar, doch werden noch Geldgeber gesucht, und zwar Unternehmen ebenso wie Privatleute. Fürths Sozialreferentin Elisabeth Reichert und infra-Chef Hans Partheimüller betonten bei der Präsentation des Projekts, es handle sich um eine „tolle Zwischenlösung“ (Reichert). Beide beteuerten, sie würden sich auf politischer Ebene weiter für ein stark vergünstigtes und VGN-weit gültiges Sozialticket einsetzen.

15 Euro dürfte ein „echtes“ Sozialticket nach Ansicht von Stephan Stadlbauer vom Fürther Sozialforum kosten, nicht mehr. Begründung: Der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger sehe aktuell 18,41 Euro für den ÖPNV vor. Fünf Euro seien daher „absolut ungenügend“ und nicht mehr als ein „Almosen“. Vor dem Hintergrund der vom Stadtrat beschlossenen sukzessiven Abschaffung des günstigen Kurzstreckentarifs im Stadtgebiet kritisiert Stadlbauer: „Erst haut man den Leuten mit dem Knüppel auf den Kopf und dann verbindet man sie.“

Am kommenden Mittwoch veranstalten die Fürther Erwerbsloseninitiative, das Sozialforum und das Bündnis für ein Sozialticket um 14 Uhr eine Protestkundgebung am Kohlenmarkt. Der Hintergrund: Nebenan im Rathaus tagt ab 15 Uhr der Stadtrat. Die Kommunalpolitiker haben unter anderem darüber zu beschließen, ob sie Oberbürgermeister Thomas Jung ermächtigen wollen, die in Nürnberg anstehenden Tariferhöhungen im Rahmen der VGN-Verbandsversammlung abzusegnen. Wie berichtet, soll das Fahren mit Bus und Bahn in der Nachbarstadt bis 2015 um bis zu 30 Prozent teurer werden.

Was die Preispolitik diesseits wie jenseits der Stadtgrenze für die Menschen in Fürth bedeutet, illustriert Stadlbauer am Beispiel MobiCard: Diese koste zurzeit 39,30 Euro für Fahrten in Fürth und ab 2015 63,90 Euro. Noch mehr Geld, nämlich 82,80 Euro, aber müssten Fürther dann bezahlen, die ihre MobiCard hier wie dort nutzen wollten.

Eine weitere Protestaktion ist am Rande des Sommernachtsballs im Fürther Stadtpark vorgesehen. Weil das publikumsträchtige Fest wegen der unsicheren Wetterlage um eine Woche verschoben wurde, verlegen Stadlbauer und seine Mitstreiter ihre Demo ebenfalls. Sie soll nun am Samstag, 30. Juli, ab 16 Uhr am Eingang zum Stadtpark stattfinden.

  

Birgit Heidingsfelder

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Fürth