Dienstag, 18.12.2018

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Radwegekonzept gegen Steiner Verkehrsprobleme

Mobilitätsoffensive der Stadt - Vorschläge gefragt - 02.12.2017 21:00 Uhr

Radfahrer kommen oft schneller durch Steins Stau.Gute Nachricht: Am Bushalt Martin Luther-Platz wird 2018 das Kopfsteinpflaster entfernt. © Thomas Scherer


"Wir sind nicht perfekt", räumte Bürgermeister Kurt Krömer gleich bei der Begrüßung ein, bevor er das Wort an Ralf Kaulen übergab. Kaulen führt ein Büro für Stadt- und Verkehrsplanung und soll nun für Stein ein Radwegekonzept erarbeiten. Nach einem Blick auf den Status quo in der Stadt meinte auch Kaulen: "Es gibt viel Gutes, aber es ist noch Luft nach oben."

Der tägliche Stau durch die Stadt Stein. © Thomas Scherer


Die eigentlichen Experten saßen im Plenum, eingefleischte Radfahrer aus der Stadt, die jede Unebenheit und Gefahrenstelle kennen. Bevor sie zu Wort kamen, nutzte Kaulen die Gelegenheit, ausführlich die Planungsschritte zu erläutern und für den Radverkehr zu werben.

Wer ihn fördern möchte, müsse ihm Fläche geben, lautete seine wichtigste Aussage: Radweg, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Umweltspur oder Fahrradstraße sind die Optionen. Während der Radweg zwischen Gehweg und Parkbuchten liegt und oft als ein Teil des Gehwegs betrachtet wird, ist der Radfahrstreifen eine deutlich abgetrennte Spur von der Fahrbahn, die vom motorisierten Verkehr nicht befahren werden darf.

Kaulen verwies auf Untersuchungen, wonach Radfahrstreifen die sicherere Variante seien. Mülltonnen, die auf die Abholung warten, Bushaltestellen oder Einfahrten — all das stellt Gefahren auf dem Radweg dar. Auf der eigens abgetrennten Spur hingegen gebe es diese Probleme nicht.

Eine Lösung in engen Straßen sind die sogenannten Schutzstreifen, abgetrennt durch eine gestrichelte Markierung, wie es sie in Zirndorf und Fürth schon gibt. Sie sind schmäler und im Begegnungsverkehr ist das Befahren der Streifen durch Autos und Laster erlaubt.

Eher Notlösungen sind Umweltspuren: Sie dürfen Busse und Radler gemeinsam nutzen. Der teure Idealfall ist die Fahrradstraße — eine Art Schnellweg nur für Radfahrer, wir berichteten jüngst über entsprechende Pläne im Landkreis und in der Stadt Fürth.

Wo würden Sie gerne Rad fahren? Wo sehen Sie bei bestehenden Radwegen Nachbesserungsbedarf? Das waren Fragen, die Ralf Kaulen dem Publikum stellte. Den Wünschen waren dabei keine Grenzen gesetzt.

Natürlich wurde dabei der abrupt endende Radweg in Richtung Nürnberg angesprochen. Ein Problem, das jedoch an die Stadt Nürnberg weitergegeben werden muss, die ab dem Faberschloss die Straßenbaulast inne hat. Die Einfahrt bei Faber-Castell galt vielen als Gefahrenstelle; aber auch die holperige Bushaltestelle am Martin-Luther-Platz, über die der Radweg führt; der Weg in der Deutenbacher Straße, der nur ein kleines Stück weit hervorragend ausgebaut ist — das alles gehörte zu den Kritikpunkten. Grundsätzliches war auch von den passionierten Radlern aus Stein zu hören: Auf allen Nebenstraßen, nur noch Tempo 30 zuzulassen, erhöhe die Sicherheit für Radfahrer. Oder: In einer Prioritätenliste sollten die Wege zu Schulen, Kindergärten, allen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche zuerst sicher ausgebaut werden. In einem zweiten Schritt könnten schnelle und sichere Wege zur Arbeit folgen.

Kaulens Plädoyer für Radfahrstreifen stieß auf Kritik, ein Bürger meinte sogar, die sei eine Variante für "Angstbefreite". Ein Radfahrer schilderte seine Probleme, wenn er auf einem solchen Fahrstreifen unterwegs ist, wie es sie in Nürnberg gibt: "Wenn der Fahrstreifen zwischen zwei Spuren für den motorisierten Verkehr liegt und links und rechts Laster fahren, dann haben Sie Angst um ihr Leben." Solche Lösungen sollte man für Stein tunlichst nicht finden.

Das Radwegekonzept wird nun in mehreren Sitzungen mit Experten von Bauamt, Polizei oder Verkehrsbehörde erarbeitet. Im Juli sollen konkrete Schritte in einem zweiten Bürgerforum vorgestellt werden. Bürgermeister Krömer hofft, dass das Papier im Herbst 2018 komplett vorliegt. Wichtig ist dies auch im Hinblick auf die Zertifizierung durch die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen, der Stein angehört. In einem Punkt konnte Bürgermeister Krömer den radfahrenden Bürgern schon Abhilfe versprechen: Das Kopfsteinpflaster, mit dem die Bushaltestelle am Martin-Luther-Platz belegt ist, wird entfernt und durch einen glatten Belag ersetzt.

Wer Vorschläge zum Steiner Radkonzept machen möchte, kann dies ab sofort unter radverkehr@stadt-stein.de tun. 

Beate Dietz

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