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Ratten beunruhigen Anwohner der Eschenau in Fürth

Tiere laufen tagsüber auf der Straße - Nager suchen Nahrung an der Bushaltstelle - 14.08.2012 16:00 Uhr

Die idyllische Natur rund um den Dambach können Anwohner wegen der zunehmenden Rattenzahl immer weniger genießen. Sie erhoffen sich Hilfe von der Stadt.

Die idyllische Natur rund um den Dambach können Anwohner wegen der zunehmenden Rattenzahl immer weniger genießen. Sie erhoffen sich Hilfe von der Stadt. © Hans-Joachim Winckler


„Und der Rattenfänger zog seine Pfeife heraus und pfiff eine Melodie. Da kamen die Ratten und Mäuse aus allen Häusern hervorgekrochen (...) Als er nun meinte, es wäre keine zurückgeblieben, ging er aus der Stadt hinaus in die Weser; der ganze Haufen folgte ihm nach, stürzte ins Wasser und ertrank.“

So ein Rattenfänger wäre zurzeit wohl auch in der Eschenau willkommen. Doch so einfach wie in der Sage der Brüder Grimm ist die Beseitigung der hartnäckigen und intelligenten Nagetiere in der Realität meist leider nicht. Seit einigen Wochen treibt in der Gegend rund um den Eschenausteg und die angrenzenden drei Weiher eine steigende Zahl von Ratten ihr Unwesen. Im Gespräch mit den FN berichtet Anwohner Günter Stretz von Schülern, die sich ängstigten, weil ihnen die unliebsamen Nager bereits frühmorgens auf ihrem Schulweg begegneten. Ihm zufolge reagieren auch die übrigen Anwohner genervt und angewidert: „Manche trauen sich mittlerweile nicht mehr, in Ruhe spazierenzugehen.“ Unangenehm ist nicht nur der Anblick der Tiere, sondern auch ihr Geruch, der sich allmählich in der Nachbarschaft ausgebreitet hat. In die Häuser sei seines Wissens nach aber glücklicherweise noch keine Ratte eingedrungen, so Stretz. Er glaubt, dass die offenen Komposte die Nager anlocken. Mittlerweile sei in dem Viertel die Rede von einer regelrechten „Plage“.

Unkontrollierbare Vermehrung

Tatsächlich können Ratten binnen kurzer Zeit zum Problem werden, denn sie vermehren sich unglaublich schnell. Je nach Art können Weibchen bis zu acht Würfe im Jahr mit jeweils fünf bis 18 Jungen austragen. Die Neugeborenen sind wiederum schon nach sechs Wochen geschlechtsreif. Das heißt: Wer gegen Ratten ankämpfen möchte, muss schnell agieren, um weitere Auswüchse zu verhindern.

Und genau so eine rasche Reaktion erhoffen sich die betroffenen Anwohner nun auch von der Stadt Fürth als Eigentümerin des befallenen Gebietes. Günter Stretz denkt laut über Maßnahmen nach: „Da gehört ’ne gehörige Portion Rattengift in die Kanalisation ’rein. Früher wurde das noch öfter gemacht als heute.“

Ratten fühlen sich in der Kanalisation wohl. Das Bild entstand jedoch nicht in der Eschenau.

Ratten fühlen sich in der Kanalisation wohl. Das Bild entstand jedoch nicht in der Eschenau. © Bernhardt


Erste Schritte zur Bekämpfung der Plagegeister hat die Stadt bereits in die Wege geleitet. In ihrem Auftrag kümmert sich Schädlingsbekämpfer Hermann Gilch darum, die Laufspuren der Nagetiere zu untersuchen, um diese sowie die Baue mit Ködern zu versehen. Die in der Nähe von Gewässern grundsätzlich ausgelegten Köder wurden um etliche weitere ergänzt. Das Grünflächenamt und die Stadtentwässerung haben zudem das Gebiet rund um die drei Weiher untersucht, die laut Günter Stretz extrem „verschmutzt und zugewuchert“ sind. Den Eindruck aber teilten die Experten nicht.

Wie Jürgen Tölk, stellvertretender Leiter des Amts für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz, auf FN-Nachfrage sagt, sei die Gegend in einem „nicht besonders auffälligen und nicht übermäßig verschmutztem Zustand“. Warum die Ratten in der Eschenau vermehrt gesichtet werden, ist noch unklar. Auch Schädlingsbekämpfer Hermann Gilch kann noch keine genaue Aussage treffen: „Jeder Fall ist anders und ich muss mich immer an die neuen Gegebenheiten genau anpassen.“ Er ergänzt: „Meiner Meinung nach liegen aber nicht besonders viele Baue vor.“

Verlockende Essensreste

Jürgen Tölk bestätigt, dass ein „gewisses Auftreten, gerade im Bereich von Gewässerrandlagen“, normal sei. Denn die Nager halten sich gerne dort auf, wo genug Nahrungsangebot besteht. Im Falle Eschenau suchen sie offenbar regelmäßig auch die nahegelegene Bushaltestelle auf, an der oft Essensreste liegengelassen werden oder aus dem überfüllten Papierkorb fallen. Immer wieder erreichen das Ordnungsamt auch aus anderen Stadtteilen einzelne Beschwerden über Ratten. „Was jedoch ganz und gar nicht als alltäglich befunden werden kann, ist die Tatsache, dass einem Ratten tagsüber über den Weg laufen“, betont Tölk. „Denn eigentlich sind Ratten nachtaktiv.“ Das Auftauchen am Tag sei also ein Zeichen dafür, dass es sich in der Eschenau nicht mehr um einen „Regelfall“ handelt.

Zum Schutz der Gesundheit der Anwohner soll jetzt geprüft werden, um welche Rattenart es sich handelt und inwiefern diese als krankheitserregend eingestuft werden kann. Die Untersuchungen werden sich noch über mehrere Wochen hinziehen. 

VON CHRISTINE MÜLLER

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