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Nicht gerade entsetzt ist der katholische Pfarrer Andreas Eckler von Unsere Liebe Frau in Fürth über den Schritt des Pontifex. Dieser habe nicht in der Weise den Weg zu den Menschen gefunden wie Päpste vor ihm. „Gerade von einem deutschen Oberhaupt hätte ich mir mehr Mut zur Erneuerung gewünscht“, sagt Eckler, der Benedikt XVI. als einen sehr vergeistigten Theologen mit eigenem Profil beschreibt, der jedoch schwer an seiner Last getragen habe.
Das habe er schon bei seinen früheren Besuchen im Vatikan bemerkt, als er Kardinal Ratzinger über den Petersplatz schlurfen sah. Vom Nachfolger wünscht er sich Reformen, die auch den Pflichtzölibat und das Frauenpriestertum betreffen. Eckler ist überzeugt, dass Josef Ratzingers Bruder Georg an der Entscheidung zum Rücktritt nicht ganz unbeteiligt war.
Traurig hat die Fürther Dekanatsratsvorsitzende Cornelia Kimberger die Nachricht aufgenommen. Auch wenn Benedikt XVI. für sie kein Reformpapst war und nicht über das Charisma seines Vorgängers Johannes Paul II. verfügte, habe sie ihn wegen seiner Geradlinigkeit bewundert.
Kimberger, die gerade von einer Indienreise zurückgekehrt ist, warnt davor, die deutschen Glaubensprobleme zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Bezogen auf die Weltkirche spielten sie eine untergeordnete Rolle. Dazu gehöre auch die Forderung nach mehr Ökumene. Was in Deutschland einfach erscheine, sei angesichts vieler christlicher Religionsgemeinschaften in anderen Ländern problematisch. Kimberger wünscht sich einen Papst, der die Christen auf der ganzen Welt vereint und für Frieden eintritt.
Der Zirndorfer Pfarrer und stellvertretende katholische Dekan Werner Kraus hat großen Respekt vor dem Mut des 85-Jährigen zum Rücktritt angesichts schwindender Kräfte. Diese Entscheidung könnte Signalwirkung für künftige Päpste haben. Sein Nachfolger solle mutige Schritte vorwärts gehen, ohne die Balance der Weltkirche zu gefährden, sagt Kraus.
Zu den Fürthern, die Papst Benedikt XVI. persönlich erlebt haben, gehört Roswitha Grochowski. 2006 war sie in der noch jungen „Wir sind Papst“-Euphorie zum Besuch des Pontifex nach Regensburg gefahren. Die Nachricht von seinem Rücktritt hat sie völlig überrascht, doch kann sie den Schritt respektieren. Man müsse dieses Amt nicht bis zum bitteren Ende führen.
Auch der evangelische Dekan Friedrich Schuster aus Langenzenn zollt dem Papst Respekt für die Entscheidung. „Er geht damit völlig neue Wege und setzt mutige und moderne Zeichen“, findet Schuster, der sich gut darin erinnert, welche Hoffnungen der erste deutsche Papst seit langer Zeit in ihm geweckt hatte. Leider hätten sich davon nicht alle erfüllt, sagt er und denkt dabei vor allem an die Ökumene.
Schuster hofft, dass ein reformorientierter Mann die Nachfolge antreten werde. Einer, der sich für eine stärkere Basisorientierung und Demokratisierung einsetzt, und einer, der „das weibliche Element mehr zum Zug kommen lässt“, sagt Schuster. All das sei dringend notwendig.
Er habe es erst für einen Faschingsscherz gehalten, witzelt der Cadolzburger Dekan André Hermany, um dann aber schnell ernst zu werden. Auch er habe Hochachtung vor der Entscheidung des Papstes, das Amt niederzulegen – und dabei auch den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, nämlich bevor er vielleicht irgendwann Dinge unterschreibe, die er gar nicht mehr verstehe. „Diesen Mut würde man sich auch von manchen anderen wünschen“, sagt der Dekan.
Benedikt XVI. habe auf seinen zahlreichen Reisen rund um den Globus sehr viele Menschen bewegt, lobt Hermany, dennoch sei ihm der Papst in manchen Dingen nicht weit genug gegangen. „Dass er die Orthodoxie mehr hofiert hat als die evangelische Kirche, war mehr als schade.“ Hermany hofft, dass die Kirchenspitze erkennt, dass sich die Welt „kolossal und rapide“ verändere. Sie müsse ja nicht mit dem Zeitgeist gehen, „aber sie sollte Fragen zulassen und nicht mundtot machen“.
Fr. 05.04.13
So. 31.03.13
Sa. 23.03.13
Sa. 23.03.13
Do. 14.03.13