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Rissiger Belag und schwache Füße

Ein Neubau für die alte Eisenbahnbrücke bei Weinzierlein rückt in den Fokus - 27.08. 08:00 Uhr

FÜRTH Land  - Muss eine Brücke, über die jahrzehntelang die Bibertbahn gezuckelt ist, für 400000 Euro saniert werden, weil sie nicht mehr für Radfahrer und Fußgänger taugt? Mit dieser Frage beschäftigten sich der Kreisbauauschuss und eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung des Staatlichen Bauamts Nürnberg.


Für 360000 Euro wäre das historische Bild der einstigen Eisenbahnbrücke zu erhalten, nicht eingerechnet sind dabei unkalkulierbare Überraschungen. Ein Neubau mit Spannbetonrahmen käme auf 375000 Euro.
Für 360000 Euro wäre das historische Bild der einstigen Eisenbahnbrücke zu erhalten, nicht eingerechnet sind dabei unkalkulierbare Überraschungen. Ein Neubau mit Spannbetonrahmen käme auf 375000 Euro.
Foto: Mark Johnston

Die Bibertbrücke bei Weinzierlein ist kein Schmuckstück. Fast 100 Jahre hat das Bauwerk, Baujahr 1913, auf dem Buckel, sein Alter kann es nicht leugnen: Risse ziehen sich durch die Betonpfeiler, die Rostschutzschicht blättert von der Stahlkonstruktion, der Holzbelag fault stellenweise vor sich hin. Züge fahren hier schon lange nicht mehr. Fußgänger spazieren darüber, und Radfahrer pedalieren auf der Paneuropa-Route von Paris nach Prag.

Über 400000 Euro waren im Vorjahr bei der Fortschreibung des mittelfristigen Bauprogramms veranschlagt worden. Eine Summe, die den Kreisräten „sehr hoch“ erschien, wie auch Landrat Matthias Dießl noch einmal betonte. Es sollte nach Einsparmöglichkeiten gefahndet werden.

Dass die Maßnahmen – ob nun Sanierung oder Neubau – nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag aufgeschoben werden dürfen, machte Henner Wasmuth deutlich. Der Leiter des Staatlichen Bauamts Nürnberg lieferte den Kreisräten eine Beschreibung des Ist-Zustandes und verwies dabei auf die regelmäßigen Bauwerksprüfungen. 2007 wurde die Bibertbrücke zuletzt einer genauen Begutachtung unterzogen und dabei auf einer Notenskala von eins bis vier mit dem Wert 2,8 bedacht. Was das bedeutet, fasste der Fachmann folgendermaßen zusammen: „Die Standsicherheit ist nicht unmittelbar gefährdet, dennoch muss dringend etwas getan werden.“

Drei Varianten stellte Wasmuth im Bauausschuss vor: die Instandsetzung des Stahlüberbaus, eine Stahlbetonplatte als Belag sowie die Sanierung der Betonschäden des Unterbaus. Für 360000 Euro bliebe damit das bisherige Gesamtbild erhalten, aber auch wichtige Fragen offen: Wie ist beispielsweise die Resttragfähigkeit des Bauwerks zu beurteilen? Stellen sich im Zuge der Sanierung die Schäden massiver als vermutet heraus, wäre dies mit einer Kostensteigerung verbunden.

Massiver Eingriff

Alternativ käme ein Neubau mit einem Spannbetonrahmen in Frage. Für 375000 Euro bekäme man nach Wasmuths Ausführungen eine neue Brücke in bewährter Bauweise, unproblematisch im Unterhalt bei maximaler Kostenkontrolle. Mit sieben Monaten hätte diese Lösung nicht nur die längste Bauzeit, sondern wäre auch mit den massivsten Eingriffen in die Landschaft verbunden.

Zeitsparend wäre dagegen die Variante, einen Aluminium-Überbau auf der sanierten Unterkonstruktion zu errichten. Eine „gewisse Eleganz“ bescheinigte Wasmuth der mit 355000 Euro günstigsten Lösung. Allerdings fehle dem Staatlichen Bauamt die Erfahrung mit dieser Bauweise und dem Unterhaltsaufwand. Dafür bräuchte es spezialisierte Firmen, was wiederum Abhängigkeiten mit Blick auf die Kosten beinhalte.

Die Verwaltung empfahl aufgrund der Analyse, die Spannbeton-Variante in die Fortschreibung des Bauprogramms 2011 aufzunehmen, demnach könnte der Neubau 2012 geplant werden und 2013 starten. Kreisrat Gert Kohl (SPD) wies auf das Problem hin, dass während des Baus für Radfahrer eine Umgehung geschaffen werden müsse, „auf der Staatsstraße halte ich das aber für sehr problematisch“. Eine Behelfsbrücke ist nicht vorgesehen. Wolfram Schaa (Grüne) hatte das eventuelle Comeback der Bibertbahn im Blick und wollte wissen, was eine Brücke kosten würde, die die Last von Zügen vertragen würde. Dafür stellte aber der Landrat das Signal auf Rot: „Die Eisenbahn“, ließ er wissen, „können wir nicht auch noch mit einrechnen. 





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