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"Ritter von Aldebert war kein Kriegsheld"

Nachfahrin des Namensgebers einer Fürther Straße hat sich gemeldet - 25.11.2018 16:00 Uhr

Auf diesem historischen Familienbild ist auch der Namensgeber der Straße zwischen dem Scherbsgraben und der Würzburger Bahnlinie zu sehen. Es ist einer der ältesten Jungen. © Repro: Volker Dittmar


Renate Aldebert wohnt gar nicht weit von jener Straße entfernt, die 1963 auf Betreiben des Max-Joseph-Ordens nach einem ihrer Vorfahren benannt worden war – Karl Aldebert, am 24. September 1888 in Nürnberg geborener Lehramtsanwärter, der im März 1918 beim Erstürmen der heiß umkämpften nordfranzösischen Ortschaft Bapaume fiel. Für seinen Einsatz wurde ihm posthum die höchste militärische Auszeichnung des Königreichs Bayern verliehen: der mit dem persönlichen und nicht vererblichen Adelstitel verbundene Max-Joseph-Orden.

Zwölf Kinder

So wenig wie Ritter von Aldebert Handschuhmacher war, so wenig war er in den Augen von Renate Aldebert ein Kriegsheld. "Sein Tod war ein unglücklicher Zufall. Er hat sich wohl vor seine Kameraden gestellt und ist dabei getroffen worden", sagt die Fürtherin. Die Familiengeschichte hat ihr vor 17 Jahren gestorbener Ehemann Hans erforscht. Sie selbst hat von Karl Aldebert nur noch eine um die Wende zum 20. Jahrhundert entstandene Fotografie. Er ist dort als eines von zwölf Kindern im Kreis der Familie zu sehen — einer der älteren Jungen. Welcher genau auf dem Bild, das weiß Renate Aldebert nicht.

Allerdings kann die Theologin darüber aufklären, dass seine Familie tatsächlich hugenottische Wurzeln hat. Sie stammt aus der südfranzösischen Handschuhmacherstadt Millau und ist wohl im 17. Jahrhundert vor den Verfolgungen geflohen. Ein Teil der Familie siedelte sich in Erlangen an, wo sie Glacéhandschuhe für die Offiziere der dortigen Garnison produzierte, ein Teil ließ sich in Berlin nieder, und ein weiterer Teil zog nach Fürth, in die Hirschenstraße. Letzterer, so Renate Aldebert, stellte jedoch keine Handschuhe her.

Karl Aldeberts Familie lebte in Nürnberg. Zu den Besonderheiten der Familiengeschichte gehört es, dass zwei seiner Brüder, zeitlich versetzt, auf demselben Bänkchen in Erlenstegen an Herzinfarkt gestorben sind. Karls Ehefrau Hanne – Renate Aldebert: "Für uns war sie Tante Hannchen" – heiratete nach dem Tod ihres Mannes dessen nächstältesten Bruder. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, Elisabeth. Einen persönlichen Bezug zu dem alten Familienbild hat auch Renate Aldebert: Auf dem Schoß von Mama verweigert nämlich ihr späterer Opa, der Vater ihres Mannes, als Einziger den Blick in die Kamera.

Aushängeschild der Nazis

Nur rund 450 Ritter zählte der 1806 vom Bayern-König Max Joseph gegründete und 1985 mit dem Tod des letzten Würdenträgers erloschene Orden. Allein 288 wurden im Ersten Weltkrieg nach strenger Prüfung ausgezeichnet. Brisant ist die Straßenbenennung in Fürth, weil sie auf die Nazis zurückgeht. 1939 hatte NSDAP-Kreisleiter und Oberbürgermeister Franz Jakob die Widmung einer Südstadtstraße für Karl Ritter von Aldebert verfügt. Die angrenzende Straße wurde nach Bapaume benannt.

Im Zuge der Entnazifizierung erhielten sie 1946 auf Betreiben der Amerikaner die Namen Dr.-Frank-Straße (nach dem jüdischen Vater des Fürther Klinikums Dr. Jakob Frank) und Bürkleinstraße (nach den Fürther Rathausarchitekten). 1963 beschloss der sozialdemokratisch dominierte Fürther Stadtrat dennoch einstimmig, wieder eine Straße nach dem einstigen Oberleutnant des in Fürth stationierten 21. Bayerischen Infanterieregiments zu benennen. Und Friedel Stranka, Ehefrau von Bürgermeister Heinrich Stranka, sammelte später Spenden für die Erläuterungstafeln.  

Volker Dittmar

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