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Ronhof: "Das Vereinsheim ist keine Ultra-Kneipe"

Sportfreunde Ronhof bezeichnen Überfall als Tabubruch — Meinungsstreit im Internet - 17.10.2012 12:58 Uhr

Anlaufpunkt „für Fans jeglicher Couleur“: Mitglieder der im Lokal der Sportfreunde verkehrenden „Horidos“ bei der Vorbereitung einer Choreografie für die Nordtribüne.

Anlaufpunkt „für Fans jeglicher Couleur“: Mitglieder der im Lokal der Sportfreunde verkehrenden „Horidos“ bei der Vorbereitung einer Choreografie für die Nordtribüne. © Winckler


Die 750 Mitglieder starke Gruppierung aus dem Fanlager der SpVgg Greuther Fürth distanziert sich in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme „eindeutig von jeglicher Form von Gewalt“ und bittet ihre Nachbarn in der Boenerstraße um Entschuldigung. Die Sportfreunde bieten an, entstandene Schäden zu ersetzen beziehungsweise bei deren Regulierung mitzuhelfen — „auch wenn wir nicht im Ansatz etwas für die ganze Aktion können“.

Wie berichtet, hatten in der Nacht zum vergangenen Sonntag 60 Anhänger des 1. FC Nürnberg versucht, das Vereinsheim in direkter Nähe des Ronhofs zu stürmen. Es kam zu einer Massenschlägerei, in deren Verlauf acht Fürther und ein Polizeibeamter leicht verletzt wurden. Außerdem entstand an mehreren Pkw Sachschaden.

Der genaue Hergang der Tat wird derzeit von einer eigens gebildeten Arbeitsgruppe der Polizei ermittelt. Derzeit deutet einiges darauf hin, dass die Nürnberger ohne Vorwarnung zuschlugen und keine gezielte Provokation seitens der Angegriffenen vorlag.

In der nicht namentlich unterzeichneten Stellungnahme der Sportfreunde ist von einem Tabubruch die Rede. Selbst in der zum Teil gewaltbereiten Ultra-Szene sei ein Überfall auf ein Vereinsheim verpönt. Zudem hätten sich in der Boenerstraße zum fraglichen Zeitpunkt auch etliche weibliche Kleeblatt-Fans aufgehalten.

Die Einrichtung, an deren Eingang ein abweisend wirkender Sichtschutz angebracht ist, besteht bereits seit mehreren Jahren. „Das Vereinsheim ist keine Ultra-Kneipe“, betonen die Sportfreunde. Vielmehr handele es sich um einen Anlaufpunkt „für Fans jeglicher Couleur“, auch Anhänger von anderen Klubs seien „bei entsprechendem Benehmen“ willkommen.

Grundsätzlich stützt die hiesige Polizei diese Einschätzung. Laut Roland Gradl, der bei Heimspielen der SpVgg als Einsatzleiter fungiert, gibt es keine aktenkundige Beschwerde von Anwohnern der Sportfreunde. Gradl verhehlt nicht, dass auch im Lager der Spielvereinigung Fans existieren, die sich der Ultra-Szene zurechnen. So wurden bereits mehrere Stadionverbote ausgesprochen.

„Ich will da nichts verniedlichen“, sagt Gradl, „aber wir haben keine Anzeichen dafür, dass es in Fürth eine besorgniserregende Entwicklung geben würde.“ Dazu tragen nach Ansicht des Polizeioberrats auch die Sportfreunde Ronhof bei. „Die achten schon von sich aus darauf, dass ihre Leute die Spielregeln einhalten.“ Wenn es Bestrebungen geben sollte, den Treff in der Boenerstraße zu schließen, sei das kein Anliegen der Polizei. „Von uns haben die diesbezüglich nichts zu befürchten.“

Seit der Überfall publik wurde, tobt im Internet ein Meinungsstreit. Selten sind zu Artikeln so viele Kommentare eingegangen. Während manche Schreiber bezweifeln, dass die Fürther wirklich nur Opfer sind, werfen andere dem 1.FC Nürnberg vor, dass er das Geschehene mit einer „laschen“ Stellungnahme verharmlose. Pressesprecherin Katharina Wildermuth hatte mitgeteilt, dass sich der Club von Gewalt distanziere. Ein FN-Leser suchte bei allem Streit das Verbindende und regte eine gemeinsame Aktion beider Fanlager gegen solche Umtriebe an.

  

Kurt Heidingsfelder

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