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Roßtal stellt die Weichen auf Wachstum

Sobald die neue Kläranlage in Betrieb gegangen ist, können wieder Wohngebiete besiedelt werden - 20.01. 09:00 Uhr

ROSSTAL  - Quo vadis, Roßtal? Mit leichter Besorgnis verfolgt man im Rathaus der Marktgemeinde die rückläufigen Einwohnerzahlen. Ein Mittel, diesen Trend zu stoppen oder gar zu drehen, sieht Bürgermeister Johann Völkl im Bau der neuen Kläranlage. Der Rohbau ist so gut wie fertig, die Inbetriebnahme für Herbst 2012 anvisiert.

Die neue Kläranlage macht‘s möglich: In Roßtal können wieder neue Baugebiete ausgewiesen werden, damit soll ein Stopp des Bevölkerungsrückgangs einhergehen.
Die neue Kläranlage macht‘s möglich: In Roßtal können wieder neue Baugebiete ausgewiesen werden, damit soll ein Stopp des Bevölkerungsrückgangs einhergehen.
Foto: Claudia Wunder
Die neue Kläranlage macht‘s möglich: In Roßtal können wieder neue Baugebiete ausgewiesen werden, damit soll ein Stopp des Bevölkerungsrückgangs einhergehen.
Die neue Kläranlage macht‘s möglich: In Roßtal können wieder neue Baugebiete ausgewiesen werden, damit soll ein Stopp des Bevölkerungsrückgangs einhergehen.
Foto: Claudia Wunder

Wer an der Bahnhofstraße vorbeifährt, der kann die Ausmaße der neuen Kläranlage schon erkennen. Die Rohbauten der drei quadratischen Becken, in denen später einmal das Abwasser behandelt wird, und des Betriebsgebäude stehen bereits. Die technische Ausrüstung mit Rohrleitungen und Belüftung folgt gerade. Im Frühjahr machen sich die Maler und Estrichleger ans Werk. Wenn alles fertig und die Anlage endlich in Betrieb ist, wird man auf dem neuesten Stand der Technik sein.

Ein kurzer Rückblick: Aus rein rechtlicher Sicht wäre eine neue Kläranlage nicht nötig gewesen. Eine Genehmigung für die alte lag noch bis zum Jahr 2017 vor. Allerdings sah das Wasserwirtschaftsamt den Weiterbetrieb als problematisch an, sollten neue Baugebiete angeschlossen werden, denn der über 50 Jahre alte Tropfkörper – dort wird das Abwasser von groben Stoffen gereinigt – hätte jederzeit ausfallen können. Zudem wurde der Mühlbach bei Starkregen regelmäßig „in einen Grand Canyon“ verwandelt, wie Völkl sagt.



2008 begann man im Markt mit den Detailplanungen für eine neue Anlage. Im Oktober 2010 traten jedoch Schwierigkeiten auf. Bei Aushubarbeiten für eines der beiden Regenrückhaltebecken stellte man fest, dass entgegen des Baugrundgutachtens der Lehmboden stark mit vielen Sandanteilen sowie sogenanntem „Schluff“ versehen war und mit Drainagen nicht zu entwässern ist. „Es wäre nur ein Brei übriggeblieben, in dem zum Beispiel auch ein Bagger bis zum Drehkranz versunken ist“, berichtet der Bürgermeister. In einer konzertierten Aktion zwischen Planern, beteiligten Fachbehörden, ausführenden Firmen und dem Bauherrn Markt Roßtal wurde festgelegt, die Bodeneigenschaften mit einer Mischung aus Kalk und Zement zu verbessern.

„Durch diese hydraulische Bodenverbesserung ist die Tragfähigkeit garantiert und vom Statiker überprüft“, wie Bauamtsleiter Herbert Kurtok zur Sicherheit unterstreicht. Das 6500 Kubikmeter große Becken passt sich nun an die Umgebung an. Ein zweites, kleineres Becken wird dann an der Stelle gebaut, an dem noch die alte Kläranlage steht.

Weniger Strafzahlungen

Ein wichtiger Beitrag für den Umweltschutz sei die neue Anlage, wie Völkl und Kurtok betonen – schließlich sei man damit sowohl was die Wasserqualität für den Mühlbach als auch die Regenwasserbehandlung auf dem Stand der Technik für die nächsten 20 bis 25 Jahre. Mit der verbesserten Reinigungsleistung produziere man zudem weniger Abwasser und müsse eine geringere „Strafabgabe“ zahlen, die umso höher ist, je schlechter die Reinigungswerte sind. „In den letzten Jahren haben wir hier jährlich immerhin rund 100000 Euro zahlen müssen“, erklärt Herbert Kurtok. Außerdem ist die Kläranlage „wichtige Voraussetzung, dass wir in den nächsten 15 bis 20 Jahren ein vernünftiges Wachstum in Roßtal generieren können“.

War die alte Anlage auf rund 6500 Einwohner ausgelegt, steigt die Kapazität nun auf 8000. Als „vernünftig“ sieht der Bürgermeister einen Einwohnerzuwachs von 250 bis 500 Menschen an. „Immerhin ist die Zahl in den letzten fünf Jahren um 275 alleine im Kernort zurückgegangen.“ Alte Wohngebiete sichern, nachverdichten, alte Substanzen wieder mit Leben füllen und neue Wohngebiete ausweisen – so lautet Völkls Plan.

Ein neues Baugebiet wird wohl an der Buchschwabacher Straße entstehen. Dort konnte der Markt von einer Erbengemeinschaft eine rund 14000 Quadratmeter große Fläche erwerben. Vier Architekturbüros sollen nun in einem Wettbewerb Vorschläge abliefern, „wie eine gute Bebauung dort aussehen könnte“, so Völkl. Nach Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellen eines Bebauungsplanes beginnt die Erschließung dort 2013, geht alles glatt. Je nach Planung könnten dort zum Beispiel 20 Grundstücke für Eigenheime, aber auch Mehrfamilien- oder Mehrgenerationenhäuser entstehen und grob geschätzt rund 80 Neu-Roßtalern Platz bieten.

Angst, die Grundstücke nicht an den Mann oder die Frau zu bringen, hat Bauamtsleiter Kurtok nicht: „Wir haben jetzt schon so viele Anfragen nach Bauplätzen, dass die Grundstücke mit einem Mal weg wären.“ Mund-zu-Mund-Propaganda macht er für die große Nachfrage verantwortlich. „Wir können zudem eine gute Infrastruktur bieten, mit zwei S-Bahn-Stationen, Einkaufsmöglichkeiten und einer Betreuungssituation für Kinder, die die Anforderungen des Bundes schon heute voll erfüllt“, sagt Völkl nicht ohne Stolz.

Bleibt die Frage nach der Finanzierung der neuen Kläranlage. „Sie wird über die Gebühren finanziert, das heißt, der Markt geht in Vorleistung und holt sich die Kosten über die Gebühren von den Bürgern wieder zurück“, erklärt der Bürgermeister. Eine moderate Erhöhung wird nicht ausbleiben, dessen genaue Bezifferung Kämmerer Richard Witt noch nicht sagen kann, weil konkrete Berechnungen noch anstehen. Schon heute wird mit den Gebühren der Roßtaler aber bereits in die neue Anlage investiert.

  



Claudia Wunder

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